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So hoch sind die Mieten in Ihrem Stadtteil

Knapper Wohnraum So hoch sind die Mieten in Ihrem Stadtteil

In diesem Wahlkampf haben alle Parteien ein Thema für sich entdeckt: bezahlbares Wohnen. Von CDU bis zu den Grünen – alle Parteien haben den Wohnraum im Blick. Doch die Wege zum Ziel unterscheiden sich sehr. Ein Überblick über Mietpreise in der Stadt und Ideen zur Stabilisierung.

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Wohnraum in Hannover ist knapp – vor allem für junge Menschen und Familien.

Quelle: Eberstein (Archiv/Montage)

Hannover. An einem Tag im Vorwahlkampf schleppten ein paar Mitglieder der Grünen ein Bettgestell vor einen Neubau in Hannovers Nordstadt. Jemand fotografierte das Motiv, Rahmen vor Fassade, ein Texter prägte später einen Slogan dazu: „Sozial: Wohnraum schaffen.“ Seitdem hängt das Plakat im Straßenwahlkampf. Die Partei versichert, es sei keine Fotomontage, das Gestell habe wirklich dort gestanden.

In diesem Wahlkampf haben alle Parteien ein Thema für sich entdeckt: bezahlbares Wohnen. Es geht um einen Kern menschlicher Existenz. Darum, was Wohnen kosten darf und die Frage, wer aus einer Stadt womöglich vertrieben wird, weil er sich Miete oder Kauf in attraktiven Quartieren nicht mehr leisten kann. Pech für Männer und Frauen, die zum Beispiel in weniger gut bezahlten Berufen arbeiten. Da muss dann eben eine Krankenschwester aus dem entfernten Stadtrand am frühen Morgen in die Klinik fahren und nach der Spätschicht zurück, wenn die List zu teuer wird. Im Grundsatz geht es um die Frage: Wem gehört die Stadt? Wer bleibt, wer wird vertrieben?

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Druck auf Wohnungsmarkt wächst

In Hannover hat beinahe jede Partei im Angebot, sich für „bezahlbaren Wohnraum“ einzusetzen. Bezahlbarer Wohnraum ist in diesem Wahlkampf das, was Pizza beim Italiener ist, es muss auf der Karte stehen. Ein paar Auszüge aus Plakaten und Programmen, verknappt und deshalb zum Verwechseln ähnlich. „Wohnraum muss bezahlbar für alle bleiben“ (FDP). „Gemeinsam kämpfen für bezahlbaren Wohnraum“ (DKP). „Eine Stadt für alle. Bezahlbar wohnen“ (Die Linke). „Bezahlbaren Wohnraum für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen schaffen“ (Grüne). „Schaffung von bedarfsorientiertem bezahlbarem Wohnraum“ (CDU). „Bezahlbarer sozialer Wohnraum für junge Familien und alte Menschen“ (Die Hannoveraner). „Bereitstellung städtischer Grundstücke für bezahlbare Wohnungen insbesondere für Familien und Senioren“ (AfD). „Wir bauen 6000 bezahlbare Wohnungen“ (SPD). „Bezahlbar wohnen“ (Piraten).

Der jüngste Lagebericht der Stadt Hannover beschreibt tatsächlich, dass der Druck auf dem Wohnungsmarkt weiter wächst. In den vergangenen fünf Jahren ist die Bevölkerungszahl um fünf Prozent gewachsen, auch wegen der Flüchtlinge. Bis 2030 erwartet Hannover weitere 15.000 Neubürger. Die Mieten steigen schon jetzt, im vergangenen Jahr etwa für eine 70 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Altbauwohnung um 5,5 Prozent. Es bleibt schwer, nachgefragte Wohnungen zu bekommen. Gut verdienende Familien mit Kindern müssen sich oft über Rentenbeginn hinaus verschulden, wenn sie in einem begehrten Stadtteil Eigentum kaufen. Umkämpft ist auch der Markt für kleine Wohnungen, Studenten können davon erzählen.

Mehr bauen oder Überregulierung senken?

Der Slogan vom Wohnen, das bezahlbar bleiben muss, ist griffig. Er suggeriert soziale Verantwortung, eine Politik mit Weitblick und das Versprechen, niemanden zu vergessen. Aber hinter der Formel verbergen sich sehr unterschiedliche Ansichten. Für SPD und Grüne bedeutet die Formel vom bezahlbaren Wohnen: mehr bauen. Baugenehmigungen für 6000 Wohnungen für die nächsten fünf Jahre verspricht die SPD, ein Viertel davon soll öffentlich gefördert werden – das entspricht der Summe von 1500 Einheiten, die die Grünen von der kommunalen GBH bis 2020 wollen. Dazu legen sie die Forderung nach einer Mietpreisbremse obendrauf und wollen Genossenschaften unterstützen. Auch die Linken würden politischen Einfluss dafür einsetzen, deutlich mehr zu bauen.

Das ist nicht unbedingt das, was sich der bürgerliche Teil der Ratspolitik vorstellt. „Bezahlbaren Wohnraum“ schaffen bedeutet für die FDP, bei Neubauten „Überregulierung“ zu senken, damit Wohnungen billiger gebaut und, womöglich, preiswerter vermietet werden. Die Liberalen haben besonders städtische Auflagen zur Energieeffizienz vor Augen, die sie auf das gesetzlich vorgeschriebene Niveau reduzieren wollen. Ähnliches steht im Programm der CDU. Weniger Vorschriften, dafür Bauanträge schneller bearbeiten. Zusätzlich soll die Stadt Bauland und Baurechte in Stadtteilen nahe der City schaffen und an Stadträndern für Reihen- und Doppelhäuser. Auch Neubauten soll es geben, eine Zahl nennt die CDU nicht.

Auf dem politischen Markt wiederholen sich Argumentationen der Lobbyisten. Beim Haus&Grund-Eigentümerverband sieht man in Auflagen wie Mietpreisbremsen, Kappungsgrenzen bei Mieterhöhungen und Bauvorschriften den eigentlichen Grund, warum weniger Wohnungen gebaut werden und dadurch Mieten steigen. Bei Mietervertretungen heißt es, niedrige Zinsen und steigende Mieten gäben Investoren seit Längerem sehr gute Gründe zu bauen.

Nachgefragt bei Matthias Günther, Vorstand Pestel-Institut

Herr Günther, alle Parteien versprechen bezahlbaren Wohnraum. Was ist denn Wohnraum, der bezahlbar ist?
Das ist erst einmal eine politische Floskel, solange niemand sagt, was damit gemeint ist. Ich meine, man fährt gut damit, wenn man sich daran orientiert, was Job-Center ihren Kunden als unteren Standard bezahlen müssen. Wenn man mit Neubauten höchstens 25 Prozent über diesem Niveau liegt, kann man von Mieten sprechen, die auch für Menschen mit geringem Einkommen bezahlbar sind.

Das Job-Center zahlt einem Zwei-Personen-Haushalt in Hannover für 60 Quadratmeter höchstens 429 Euro Monatsmiete. Diese günstigen Wohnungen fehlen in Hannover besonders für Singlehaushalte und Familien mit Kindern.
Ja, die Mieten sind gestiegen, und es wird knapper auf dem Markt. Ich glaube, dass allen Politkern klar ist, dass man bezahlbares Wohnen ohne finanzielle Förderung nicht bekommen kann, sei es durch Wohngeld für Mieter oder Zuschüsse für neue Sozialwohnungen.

Die Stadt braucht neue Wohnungen, damit Mieten sinken?
Kommt drauf an, was gebaut wird. Alles, was derzeit entsteht, sind Wohnungen für den privaten Markt, für Mieter also, die zehn oder noch mehr Euro pro Quadratmeter zahlen. Nur für diese Klientel lohnt es sich zu bauen, weil Bauen teurer geworden ist. Baulandpreise steigen, auch politisch gewollte Auflagen für Klimaschutz und Barriefreiheit tragen dazu bei. Das ist alles sinnvoll, aber es hat eben seinen Preis.

Also muss der Staat eingreifen, damit preisgünstige Wohnungen entstehen?
Die alte Lösung wieder einzuführen, das wäre vernünftig: sozialer Wohnungsbau als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern. Mir fehlt seit Langem die ausgleichende, moderierende Hand des Staates. Auch bei der Verteilung von Wohnraum. Manche Menschen leben allein auf 150 Quadratmetern, während Familien sich in enge Wohnungen zwängen müssen.

Wie soll der Staat da eingreifen?
Eine Steuer auf Wohnflächen wäre eine gute Idee. Man definiert, was angemessen ist pro Person, und wer auf mehr Fläche wohnt, zahlt eine Steuer. Das Umweltbundesamt hat so etwas vorgeschlagen.

Dann gehen die Leute auf die Straße. 
Das stimmt vielleicht. Aber über solche Maßnahmen wird man nachdenken müssen. Es wundert mich ohnehin, dass junge Leute, die jetzt zu Hause ausziehen, nicht demonstrieren wegen der Lage am Wohnungsmarkt. Aber man hat sich an hohe Mieten wohl gewöhnt. 

Was kann eine Stadt wie Hannover tun?
Vorbereitet sein auf außergewöhnliche Situationen. Bauland vorhalten, damit es da ist, wenn Platz gebraucht wird. Aber ich will niemandem einen Vorwurf machen. Wenn man aus Berlin immer wieder hört, das Land schrumpfe, ist es schwer durchsetzbar, für Millionen Euro Flächen zu kaufen. Aber dann fehlen eben Wohnungen für Arbeitsmigranten aus der EU, Studenten und, jetzt noch obendrauf, Flüchtlinge.

Also Tausende Wohnungen bauen und fördern?
Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Interview: Gunnar Menkens

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