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Gebeine stammen nicht von Graf Königsmarck

Knochenfunde im Landtag Gebeine stammen nicht von Graf Königsmarck

Bei den menschlichen Gebeinen, die Bauarbeiter im Sommer im Landtag entdeckten, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um die Überreste des 1694 verschwundenen Grafen Königsmarck. Damit bleibt einer der großen Kriminalfälle der hannoverschen Geschichte ungelöst.

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Experten stellten die Gebeine im Arbeitszimmer des Landtagspräsidenten vor

Quelle: Benne

Hannover. Etwas morbide nahm sich die Szenerie schon aus: Rund 50 Knochenfragmente hatte Landtagspräsident Bernd Busemann auf einem weißgedeckten Tisch in seinem Arbeitszimmer ausgebreitet, "in der Nähe eines vermuteten Tatortes", wie er raunte. Im Sommer waren die Gebeine bei Bauarbeiten im Landtag ans Licht gekommen, und sofort wurden Spekulationen laut, es könnte sich um den 1694 unter mysteriösen Umständen verschwundenen Grafen Königsmarck handeln. Jetzt gab Busemann Entwarnung: Dass Teile der Gebeine tatsächlich von dem Adeligen stammen könnten, sei "so unwahrscheinlich wie ein Lottogewinn".

Der Umbau des Landtags in Hannover geht voran.

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Der Fund rührte an einen der spektakulärsten Kriminalfälle aus Hannovers Historie: Am Abend des 11. Juli 1694 war im Leineschloss Graf Philipp Christoph von Königsmarck verschwunden. Der Lebemann war zu einem Schäferstündchen mit seiner Geliebten unterwegs gewesen, der Kurprinzessin Sophie Dorothea. Später rekonstruierten Historiker, dass vier Höflinge ihn an jenem Abend überfallen und getötet haben müssen. Sophie Dorothea wurde für den Rest ihres Lebens ins entlegene Ahlden verbannt, Königsmarcks Leiche blieb bis heute verschwunden.

Wie der Archäologe Friedrich-Wilhelm Wulf jetzt erklärte, waren die Knochen im August in einer Schicht von Bauschutt gefunden worden. Die Göttinger Anthropologin Birgit Großkopf untersuchte sie darauf - mit überraschenden Ergebnissen: "Hier haben wir zwei linke Schulterblätter und mehrere Oberarme", erklärte sie mit Blick auf die Gebeine. "Diese Knochen stammen von mehreren Individuen - von mindestens vier Erwachsenen und einem Jugendlichen." Dazu kämen dann noch Teile von Tierknochen.

Ein besonders pittoreskes Schädelfragment ließ sich anhand der Beschaffenheit der Nähte einem Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren zuordnen - das hätte zu Königsmarck passen können, der im Alter von 29 Jahren verschwand: "Die DNA-Analyse ergab jedoch, dass es sich um ein weibliches Individuum handelte." Da nicht alle Fragmente einzeln analysiert wurden, könne man nicht mit hundertprozentiger Sicherheit ausschließen, dass Überreste Königsmarcks unter den Stücken seien. Doch dies sei höchst unwahrscheinlich.

Auf dem heutigen Areal des Landtags befand sich im Mittelalter ein Franziskanerkloster, in dem zahlreiche Bestattungen stattfanden. "Immer wieder wurden dort über Jahrhunderte Knochen gefunden", sagt Michael Heinrich Schormann, Experte für Altstadtarchäologie. Vermutlich seien irgendwann bei Umbauten Gebeine von mehreren Menschen ans Licht gekommen und dort zusammen beigesetzt worden, wo sie nun bei den Bauarbeiten wieder entdeckt wurden. Die Knochen werden jetzt ans Landesmuseum übergeben, wo sie vermutlich im Magazin ihre letzte Ruhestätte finden. Was aus Königsmarcks Leiche wurde, bleibt also ungeklärt. Ein Mysterium, das im Zweifel faszinierender ist als ein banaler Knochenfund.

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