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Aus der Stadt Kommen jetzt Luxuswohnungen in die Frauenklinik?
Hannover Aus der Stadt Kommen jetzt Luxuswohnungen in die Frauenklinik?
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00:15 21.08.2016
Von Conrad von Meding
Traumimmobilie am Herrenhäuser Kirchweg: Die alte Landesfrauenklinik wird an den Meistbietenden verkauft. Quelle: Franson
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Hannover

In der Wohnungswirtschaft stößt der Höchstpreis das auf Verärgerung: „Wenn die Kommunen wollen, dass die Wohnungspreise nicht weiter steigen, dann dürfen ihre eigenen Tochtergesellschaften nicht Bieterwettbewerbe zu Grundstücken und Gebäuden ausrufen und damit die Kaufpreise weiter nach oben treiben“, sagt Carsten Ens, Sprecher im Verband der Wohnungswirtschaft Niedersachsen-Bremen (vdw): „Wir wiederholen das gebetsmühlenartig – aber es scheint einfach nicht anzukommen.“

Die Landesfrauenklinik mit ihrer hochherrschaftlichen Vorfahrt und dem parkähnlichen Grundstück liegt gegenüber dem großen Gelände des Klinikums Nordstadt. Sie steht ebenso wie das benachbarte Kesselhaus mit Kapelle und Teile der Grundstückseinfriedung unter Denkmalschutz. Zu dem Komplex gehören zudem eine alte Wäscherei sowie ein ehemaliges Wohnheim aus den Sechzigerjahren, beide dürfen wohl abgerissen werden. Unter dem Grundstück befindet sich allerdings eine alte, offenbar nicht mehr zugängliche Bunkeranlage unbekannter Größe. Insgesamt ist das Grundstück gut 15 000 Quadratmeter groß, die Bruttogeschossfläche beträgt mehr als 12 000 Quadratmeter.

In dem Exposé, das die hannoversche Immobilienkanzlei KSB-intax erstellt hat, wird die finanzielle Erwartungshaltung hoch angesetzt. Hannovers Bevölkerung wachse, Baugrundstücke seien rar und die Nachfrage entsprechend hoch, heißt es da, und dann: „Für hochwertige Wohnflächen werden zum Teil mehr als 5000 Euro pro Quadratmeter beziehungsweise 15 Euro Kaltmiete erzielt – Tendenz steigend!“ Zum Vergleich: Die Durchschnittsmiete liegt laut aktuellem Mietspiegel der Region bei 6,17 Euro, in Einzelfällen wurden bisher für die besten Etagen in Neubauhäusern auch mal 15 Euro erzielt.

Beim Klinikum, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Region, findet man das Vorgehen völlig normal. Man sei „daran interessiert, dass einerseits gute architektonische Konzeptionen, andererseits ein angemessener Kaufpreis Berücksichtigung finden“, teilt Sprecherin Petra Kesten-Kühne mit. Im Exposé allerdings ist Architekturqualität nicht als Kriterium für den Zuschlag genannt. Dort heißt es, dass aus allen Angeboten die fünf mit den Höchstpreisen für das weitere Kaufverfahren ausgewählt würden.

Tatsächlich schreibt das Klinikum jährlich rote Zahlen, ein Verkauf unter Wert würde vermutlich den Steuerzahlerbund auf den Plan rufen. Städte wie Hannover haben daher bei Grundstücks- oder Immobilienverkäufen das Verfahren umgestellt und veräußern zwar im Bieterverfahren – aber nicht nach höchstem Preis, sondern nach bestem Konzept. Dafür wird der Wert von Sachverständigen ermittelt, anschließend werden Interessenten aufgefordert, gute Ideen zu entwickeln und einzureichen. So kommen, ohne dass die Preise in die Höhe getrieben werden, auch Baugemeinschaften oder soziale Einrichtungen zum Zuge. „Solche Konzeptvergaben sind zeitgemäß und helfen, den Wohnungsmarkt zu entspannen“, sagt vdw-Sprecher Ens.

Das Klinikum hat ein einziges weiteres Kriterium außer dem Höchstpreis für die Vergabe vorgegeben, deren Bieterverfahren bis zum Ende dieses Monats läuft. Weil man Konkurrenz zum gegenüberliegenden eigenen Gesundheitsangebot fürchtet, darf der Käufer keine medizinischen Einrichtungen auf dem Gelände der ehemaligen Landesfrauenklinik einrichten – egal, wie viel er bietet.

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