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Hannover braucht mehr Qualität

Kommentar Hannover braucht mehr Qualität

Hannover ist attraktiv - das ist eine gute Nachricht. Wer aber zur Finanzierung des Wachstums neue Schulden macht, hinterlässt den Kindern neue Risiken. Es ist wichtig, nicht nur auf Quantität zu setzen, sondern vor allem auf Qualität, meint Conrad von Meding.

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Hannover wächst – und gibt dafür viel Geld aus.

Quelle: Behrens/Symbolbild

Hannover. Satte 520 Millionen Euro - so groß ist das Sonderprogramm, mit dem Hannovers Stadtspitze in den nächsten Jahren ihre Investitionen in die wachsende Stadt bezahlen will. Kitas, Schulen, Schwimmbäder - die Projekte sind allesamt gut und wichtig, und man darf sich sicher sein, dass einen die Bürger dafür gern haben werden. Zumindest die, die jetzt davon profitieren. Ob ihre Kinder, die das alles später bezahlen sollen, sich auch so freuen werden? Ungewiss. Denn natürlich wird das Investitionsprogramm nicht aus Rücklagen bezahlt, sondern auf Pump. Und: Es werden 290 neue Stellen in der Verwaltung geschaffen. Andere Unternehmen im Wandel versuchen, sich effizienter aufzustellen.

Gut - 520 Millionen Euro, das ist bei den derzeitigen Zinsen nicht teuer. Der Kämmerer bekommt das Geld stets noch etwas billiger als der Normalbürger, Städte gelten schließlich als gute Schuldner. Für 520 Millionen Euro neue Schulden zahlt er derzeit „nur“ rund 4,6 Million Euro Zinsdienst im Jahr. Das gilt als relativ günstig. Kein Wunder, dass man im Rathaus gerne betont: Investieren muss man dann, wenn das Geld billig ist.

Was aber ist eigentlich, wenn in ein paar Jahren wieder Normalität an den Kapitalmärkten herrschen sollte? Schon wenn der Zins nur auf 5 Prozent steigt, kostet das Investitionsprogramm unsere Folgegenerationen 26 Millionen Euro. Jedes Jahr aufs Neue. Das ist Geld, das ihnen fehlen wird, um die Stadt nach ihren Vorlieben zu gestalten.

Wer heute Politik macht, der kennt das Dilemma: Die Schulden, die die Städte heutzutage in ihrem Handlungsspielraum so extrem einengen, stammen überwiegend aus den Siebzigerjahren. Auch damals wuchsen die Städte, es wurde kräftig investiert, jeder größere Stadtteil erhielt ein Freizeitheim und/oder ein Schwimmbad - all das wurde auf Pump finanziert. Die Folgen spüren wir jetzt. Der Gesamtschuldenstand der Stadt war zu Jahresbeginn 1,86 Milliarden Euro, Anfang 2018 soll er 2,11 Milliarden Euro betragen. Milliarden.

Nun ist das Wachstum Hannovers ja eine gute Nachricht: Die Städte sind attraktiv, die Menschen ziehen in die Ballungsräume, auch die Zahl der Kinder steigt. 541.081 Einwohner, das ist der aktuelle Stand zum Monatswechsel, und jedes Jahr werden 5000 neu geboren, von Zuwanderung ganz zu schweigen. Die Kinder brauchen Kitas, sie brauchen Schulen. Die Familien brauchen Wohnungen, in den Neubaugebieten müssen Straßen und Radwege gebaut werden. Die Verwaltung muss das bearbeiten: in Planungsabteilungen und Passstellen, in Jugendämtern und später dann auch im Seniorenservice. Das alles kostet Geld.

Der Investitionsschub aber birgt Risiken. Geld auszugeben war schon immer einfacher, als Geld zu sparen - und attraktiver ist es überdies. Auch, wenn es richtig ist, dass Hannover investiert, darf am Ende keine Stimmung à la „Wir haben es ja, dann geben wir es aus“ entstehen. Denn: Es ist alles nur geliehen.

Wenn die Stadt wächst und dafür das Geld der Folgegenerationen ausgibt, dann darf am Ende nicht nur ein mengenmäßiges Mehr stehen. Wir brauchen nicht nur mehr Kitaplätze, mehr Schulen, mehr Wohngebiete, nicht nur mehr Quantität, sondern vor allem auch ein Mehr an Qualität. Hannover verträgt eine größere Vielfalt an unterschiedlichen Wohnformen (und gerne auch eine größere Vielfalt in der Architektur). Der Stadt würde eine noch breiter gestreute Auswahl an pädagogischen Konzepten guttun. Und nicht zuletzt darf Hannover auch neue Formen von Bürgerbeteiligung ausprobieren, die aber nicht bei einer Nörgeldemokratie stehen bleiben, sondern kreative Formen des Einmischens nutzen. Eine wachsende Stadt bietet Chancen, das Zusammenleben für alle noch besser zu machen. Vielleicht ergeben sich dadurch auch Potenziale, die helfen, dass die neuen Schulden nicht ganz so hoch ausfallen. Unsere Kinder würden es uns danken.

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