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Aus der Stadt Warum die Abschaffung der Kopfprämie überfällig ist
Hannover Aus der Stadt Warum die Abschaffung der Kopfprämie überfällig ist
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11:08 14.04.2018
Von Andreas Schinkel
Die Fahrkartenkontrolleure der Protec stehen nach dem Wegfall der Fangprämie weniger unter Druck. Quelle: Symbolbild
Hannover

Fahrten mit Hannovers Stadtbahnen dürften künftig gemütlicher werden, nicht nur für Fahrkartenkontrolleure der Firma Protec, sondern auch für die Reisenden. Nach dem Wegfall der Fangprämie für erwischte Schwarzfahrer sind die Zeiten hoffentlich vorbei, in denen gehetzte Kontrolleure durch Wagen rennen und sich nach hingenuschelter Bitte die Tickets zeigen lassen. Vorbei auch die Zeiten, in denen Fahrgäste sofort aus der Bahn komplimentiert werden, wenn sie nicht auf Anhieb ihre Fahrkarte finden. Die Jagd ist vorbei. Ein überfälliger Schritt, denn die Zahl der Schwarzfahrer geht nachweislich zurück. Nicht, weil die Kontrolleure zu lasch sind, wie die Protec-Geschäftsführung noch immer annimmt, sondern weil sich die Tarifangebote verbessert haben. 

Jeden Tag befördert die Üstra Zehntausende Hannoveraner zur Arbeit, zur Universität oder in die Schule. Das sollten Sie über das Unternehmen wissen.

Es geht nicht darum, das Schwarzfahren zu marginalisieren – es gehört im Interesse aller ehrlichen Fahrgäste geahndet. Dabei aber keinerlei Kulanz für Rentner oder Grundschulkinder walten zu lassen, die ihren Fahrschein zu Hause vergessen haben, wirft kein gutes Licht auf ein kommunales Unternehmen. Erst nach öffentlichem Druck hat sich die Üstra-Tochter Protec entschlossen, das Ruder herumzureißen. Der Hilferuf der Kontrolleure, dem Druck nicht mehr standhalten zu können, scheint nur die Spitze des Eisbergs zu sein. In den vergangenen Monaten häuften sich Abmahnungen und Kündigungsschreiben, über viele werden Gerichte entscheiden müssen. Das Betriebsklima scheint vergiftet zu sein. Zur Wahrheit gehört aber auch: Als die Kontrolleure noch genügend Schwarzfahrer erwischten und ihre Fangprämie problemlos ausschöpfen konnten, hat sich niemand beschwert. 

Die Protec-Geschäftsführung will jetzt alle Abmahnungen aus den Personalakten streichen. Das deutet auf einen Neuanfang hin, doch wie ernst es die Chefetage damit meint, bleibt abzuwarten. Zugleich kündigt das Unternehmen an, den Kontrolleuren genauer auf die Finger schauen zu wollen. Für Fahrgäste wird das putzig. Sie haben es künftig mit einem Kontrolleur zu tun, der auf ihre Tickets schaut, und einem Prüfer, der den Vorgang beobachtet. Das zeigt, wie tief das Misstrauen gegenüber den eigenen Mitarbeitern sitzt. Da ist es nicht verwunderlich, wenn sich drei Viertel der Protec-Kontrolleure auf freie Stellen beim Mutterkonzern bewerben. Bei der Üstra bekommen sie für dieselbe Arbeit mehr Geld und haben weniger Druck.

Dabei könnte es die Protec ruhiger angehen lassen. Die Zahl der Schwarzfahrer geht zurück – vermutlich, weil die Üstra ihre Tarifangebote verbessert hat. Das Sozialticket  wurde vor zwei Jahren eingeführt, Anfang des Jahres die Sparcard für Kinder und Jugendliche. Wer für 15 Euro monatlich durch die gesamte Region Hannover fahren kann, wird sich nicht mehr dem Risiko aussetzen, ohne Ticket erwischt zu werden und 60 Euro Bußgeld zu zahlen. Wenn sich die Üstra weiter bewegt und neue Vergünstigungen anbietet, dürfte die Zahl der Schwarzfahrer stetig sinken.

Klar ist aber auch: Die Kontrolleure müssen Präsenz zeigen und helfen, die Zahlungsmoral zu heben. Das gelingt nicht mit Jagdszenen, sondern mit einem freundlichen, aber bestimmten Auftreten.

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