Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Brennpunktschulen: Eine verlorene Generation wächst heran

Kommentar Brennpunktschulen: Eine verlorene Generation wächst heran

Inklusion und Integration haben das Fass an den ohnehin belasteten Brennpunktschulen zum Überlaufen gebracht. Ohne ein Sofortprogramm von Stadt und Land haben Kinder dort keine Chance, später einen Platz in der Gesellschaft zu finden, meint HAZ-Redakteurin Jutta Rinas.

Voriger Artikel
Das ist am Sonnabend in Hannover los
Nächster Artikel
Stadtwerke färben Wasser in Hannover grün
Quelle: Heidrich

Hannover. In der Theorie sind sich gerade in Wahlkampfzeiten alle Parteien einig. Bildung ist eine tolle Sache. Superwichtig. Was die Versprechen vor der Bundestagswahl betraf, ließ sich keine der Parteien lumpen.

Die Praxis hingegen zeigt überdeutlich: Es gibt Schulen, für die die Realität sehr düster aussieht. In hannoverschen Brennpunktschulen ist nicht nur keine „weltbeste Bildung“ zu haben. Schulen wie die Grundschule Hägewiesen oder die Peter-Ustinov-Oberschule, die exemplarisch für die Brennpunktschulen im Land stehen, müssen derzeit unter Bedingungen lehren, unter denen sinnvolle Wissensvermittlung kaum noch möglich ist.

HAZ-Serie "Brennpunkt Schule"

Zwei Schulen in schwierigen Vierteln gewähren der HAZ Einblicke ins Klassenzimmer.

Teil 1: Grundschule Hägewiesen

Teil 2: Peter-Ustinov-Schule in Ricklingen

Die Gründe sind in zwei Worten zu fassen: Integration und Inklusion. Die im Grundsatz guten Pläne der Landesregierung beim Umsetzen der UN-Behindertenrechtskonvention bringen mitsamt der notwendigen Integration von Flüchtlingskindern und Kindern von Armutszuwanderern schon normale Schulen an ihre Grenzen. In den Brennpunktschulen haben sie das System zum Einsturz gebracht. Da müssen sich Grundschullehrer Tag um Tag allein vor vollen Klassen bewähren, in denen die meisten Kinder eine Einzelbetreuung bräuchten. Da sollen weiterführende Schulen Teenager, die Analphabeten sind, in nur zwei Jahren so weit bringen, dass sie in einer Regelklasse mit Noten bestehen. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die meisten dieser Kinder scheitern werden. Allein das ist ein Skandal: dass ausgerechnet in Schulen für die Ärmsten derzeit nur leistungsstarke Superkinder überleben.

Brennpunkt Schule: Hoher Ausländeranteil, kaum Deutschkenntnisse, Gewalt – zwei Schulen in schwierigen Vierteln gewähren der HAZ Einblicke ins Klassenzimmer. Im zweiten Teil besuchen wir die Peter-Ustinov-Schule in Ricklingen.

Zur Bildergalerie

Wie perfide sich das große Wort von der Inklusion zurzeit ins Gegenteil verkehrt, zeigt auch die Saturnringschule in Garbsen, eine weitere Brennpunktschule, die vor ein paar Tagen öffentlich um Hilfe rief. Weil die Grundschule teilgebundene Ganztagsschule ist, können Eltern sich auch für eine andere Grundschule außerhalb des Schulbezirks entscheiden. Wenn es schlecht läuft, gibt es dort im nächsten Schuljahr nur noch 29 Erstklässler. Selbst die Idealisten unter den Bildungsbürgern fliehen, weil sie ihren Kindern die derzeitigen Zustände an Brennpunktschulen nicht zumuten wollen. Die Konsequenz: Nicht genug damit, dass die Lernbedingungen katastrophal sind. Die, die durch Integration und Inklusion eigentlich in die Mitte der Gesellschaft rücken sollten - Kinder mit Förderbedarf, mit Migrationshintergrund, aus sozial schwachen Familien -, bleiben in gettoähnlichen Einrichtungen unter sich. Sie werden stärker als je zuvor ausgegrenzt.

Im ersten Teil der Serie begleiten wir eine Lehrerin an der Grundschule Hägewiesen.

Zur Bildergalerie

Statt ganze, halbe oder Viertel-Sozialarbeiterstellen zu verteilen, müssten Stadt und Land deshalb jetzt schnellstmöglich ein Sofortprogramm für Brennpunktschulen starten, und zwar jenseits aller grundsätzlichen Überlegungen zur Inklusion. Zu klären wäre, wer davon profitiert und vor allem mit mehr Lehrpersonal versorgt wird. Ehrlich sagen müsste man auch, welche Schulen die Belastungen weiter alleine schultern müssen, weil Schüler- und Elternschaft dazu in der Lage sind.

Passiert all das nicht, wächst in den Brennpunktschulen im Land eine verlorene Generation heran. Wir werden ihr in Sozialsystemen immer wieder begegnen. Das haben vor allem die Kinder, aber auch wir anderen, nicht verdient.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Anfang Juli heiratete Ernst August Erbprinz von Hannover Ekaterina Malysheva. Auf unserer Themenseite finden Sie Bilder, Videos und Berichte zur Promi-Hochzeit des Jahres in Hannover.

Forscher verfolgen Nobelpreisvergabe bei Live-Übertragung

Karsten Danzmann hat maßgeblich das Lasermessverfahren entwickelt, mit dem der Nachweis der Existenz von Schwerkraftwellen gelang. Der Forscher verfolgt die Verkündung des Physik-Nobelpreises per Live-Übertragung inmitten von Mitarbeitern, Kollegen und Gästen im Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Hannover. Leider gehen die Forscher leer aus – freuen sich aber trotzdem für ihre Kollegen.