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Die Misstände in Mühlenberg sind peinlich für die SPD

Kommentar zum Thema Canarisweg Die Misstände in Mühlenberg sind peinlich für die SPD

Müll fliegt vom Balkon, Kinder können in ihrer Kita nicht mehr draußen spielen, Familien sorgen sich. Die Zustände am Canarisweg in Mühlenberg, Hannovers ärmstem Stadtteil, geben Anlass zur Sorge. Es reicht nicht, wenn Politiker jetzt wieder nur gute Absichten beteuern. Eine Analyse von Jutta Rinas.

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Viel Müll liegt am Canarisweg auf den Straßen und Wegen.

Quelle: Franson

Wie die Stadt in dieser Woche öffentlich einräumen musste, gab es vor mehr als drei Jahren bereits einen besorgniserregenden Vorfall: Damals zerschellte ein Kinderhochstuhl in der Nähe spielender Kinder.

Allein das ist kaum fassbar. Da gibt es in Hannovers ärmstem Stadtteil eine Kita, deren Außengelände nicht nur seit Jahren von Müll überzogen ist, den Anwohner einfach so von ihren Balkonen fallen lassen. Kinder und Erzieherinnen müssen seit Jahren fürchten, von herabfallenden Gegenständen verletzt zu werden. Man stelle sich vor, solch ein Zustand herrschte in der List. Eltern dort hätten die Stadt längst mit Klagen überzogen und so klargemacht, dass man die Sache nicht aus der Welt schafft, indem man Taubennetze vor Balkone spannt. Taubennetze, die zudem keine ernsthafte Sicherheit bieten.

Viel Müll liegt am Canarisweg auf den Straßen und Wegen.

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Aber die Geschichte dieser Kita spielt in Mühlenberg, und zwar auf der abgehängten Seite, im Canarisweg. Wie viel auch in Mühlenberg an Bildungsinvestitionen möglich ist, kann man auf der „guten“ Seite des Stadtteils sehen: am 63 Millionen Euro teuren Neubau für die IGS. Im Canarisweg dagegen, wo 50 Nationen und so viele Hartz-IV-Empfänger und Zuwanderer leben wie nirgends sonst in Hannover, scheitert die Verwaltung seit Jahren daran, eine neue Kita zu bauen. Was Chancenungleichheit von Kindern bedeutet, kann man derzeit in Mühlenberg mit Händen greifen.

Kann das sein? In einer Stadt, in der seit Jahrzehnten die SPD regiert, die sich vorgeblich dem Kampf für die Ärmeren und gegen Chancenungleichheit verschrieben hat? In einer Verwaltung, die bis ins letzte Glied sozialdemokratisiert ist? In Mühlenberg wäre frühkindliche Bildung nötiger als anderswo. Doch hier gibt es die schlechteste Betreuungsquote. Sie liegt in Ricklingen, wozu Mühlenberg gehört, im Kindergartenbereich bei knapp 84 Prozent. Und ist gegenüber 2012 um 7 Prozentpunkte gesunken.

Die Kinder der Kita Canarisweg dürfen nicht auf dem Außengelände spielen, weil Mieter von oben Müll auf sie werfen

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Viele Mühlenberger Eltern wollen ihre Kinder in die Kita schicken. Am Canarisweg kommen auf zwölf Plätze mehr als 70 Anmeldungen. Wenn die Kinder ohne Vorbildung irgendwann die neue IGS erreichen, ist es zu spät. Es reicht deshalb nicht, wenn Politiker gute Absichten beteuern – und zugleich seufzend beklagen, wie schwierig es am Mühlenberg sei. Das ist ebenso offenkundig wie bekannt. Und es ist eine dringliche Aufgabe.

Also: Der Neubau von Kitas in dem Quartier muss auf der Prioritätenliste jetzt ganz nach vorn. Der Neubau der IGS hat gezeigt, was auch für arme Kinder in diesem Stadtteil möglich ist. Das muss ein Anfang gewesen sein – nicht das Ende.

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