Eine breite, aber ganz flache Brücke schwebt am Beginenturm über der Leine, zurückhaltend sind einzelne Neubauten am Ufer geplant, aber auch großzügige Freiräume und ein zusätzlicher Uferweg direkt am Wasser: Mit seinem Entwurf „Auf alten Wegen zu neuen Ufern“ hat das hannoversche Planerbüro Kellner Schleich Wunderling (KSW) den Hauptpreis im bundesweit beachteten Stadterneuerungswettbewerb Hannover City 2020 gewonnen. Mit „einem Augenzwinkern“, wie Stadtbaurat Uwe Bodemann Sonnabendmittag bei der Präsentation der Pläne sagte, habe die Jury den Entwurf des Berliner Büros Sinai auf den zweiten Platz gesetzt – der Entwurf sieht eine Art Leineinsel am Friederikenplatz/Leibnizufer vor. Die Jury hatte im ersten Durchgang alle echten Inselentwürfe, die sich am historischen Vorbild orientierten, ausgemustert und damit teilweise heftige öffentliche Reaktionen ausgelöst. Der Sinai-Entwurf spielt intellektuell mit dem Insel-Gedanken, schlägt einen Wasserbogen auf hohem Niveau am Hauptstaatsarchiv vorbei und lässt das Nass erst auf Höhe des Duve-Brunnens mit einem Wasserfall ins alte Flussbett zurückfallen. Die öffentliche Debatte habe die Jury nicht unbeeindruckt gelassen, sagte Bodemann. Man wolle sich die Ideen des Sinai-Entwurfs offenhalten.
Auch bei den drei weiteren Stadträumen hat die Jury Erstplatzierte gekürt. Am Klagesmarkt setzte sich das Team Astoc (Köln) mit seinem Entwurf für zwei Baublöcke mit einem Hochhaus als Pendant zum DGB-Gebäude durch. Juryvorsitzende Undine Giseke lobte insbesondere die Platzfolgen, die zur Christuskirche hin entstehen könnten. Als Ersatz für den Wegfall des östlichen Klagesmarkts, der bisher oft als Veranstaltungsort genutzt wurde, entstünde bei Umsetzung der Ideen an der St. Nikolaikapelle ein Steinplatz, weil die Goseriede und der Kreisel völlig umgebaut werden sollen.
Am Marstall gewann Maxwan architects aus Rotterdam mit dem Entwurf für zwei Kopfbauten an beiden Platz-Enden und einem dazwischenliegenden Freiraum den ersten Preis. Im Bereich Köbelinger Markt/Lessingplatz/Trammplatz gelang Trojan+Trojan (Darmstadt) das Schaffen einer modernen Wohninsel am überzeugendsten.
Alle Entwürfe sind Grundsatzideen für die Planungen der nächsten Jahre. Finanziert werden soll die Umsetzung durch Verkauf von Grundstücken an Investoren. Stadtbaurat Bodemann stellt die Pläne Montagabend, 19 Uhr, im Sprengel Museum öffentlich vor. Am Mittwoch, 14 Uhr, eröffnet er eine Ausstellung mit allen 15 Beiträgen der zweiten Wettbewerbsphase in der Bauverwaltung am Trammplatz.
Die HAZ bringt in der Montagausgabe eine Sonderseite mit Detailinformationen zu den Entwürfen.
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Kommentare
Bitte nicht! argyle – 06.06.10
Ich bin als Bewohner der Innenstadt von diesem Sinai-Entwurf voll betroffen und kann nicht verstehen, dass ich in 10 oder 15 Jahren meine Wohnung, die ich dann schon annähernd 30 Jahre bewohnt habe, räumen muss, da diese an Investoren verkauft wird. Wie es aussieht, wenn Investoren tätig werden sieht man ja sehr deutlich am Ihme-Zentrum und am Kröpcke-Center. Eine Schande ist das. Und da glauben einige wenige, dass sich das in Zukunft ändern wird? Hannover wird häufig als nicht sehr ansehnlich beschrieben. Ich denke, dass die geplanten Maßnahmen die Attraktivität nicht unbedingt steigern werden. Ich hoffe, es erfolgt ein Umdenken.@ L.Aves Kenner – 06.06.10
Hallo "Laves",aber der "Boutiqueneubau neben dem Fischladen" (S.Oliver neben Nordsee) ist KEIN hannoverscher Entwurf! Es ist ein Braunschweiger Architekturbüro (Vahjen) gewesen. Vor allem aber ist es natürlich ein Investorenbau (Investor ist Centrum/Düsseldorf, die auch das Kröpcke-Centrum umbauen), der dafür gemacht ist, Filialketten aufzunehmen - also möglichst wenig individuell, möglichst europaweit konsensfähig.
Das Gegenteil zu solch einem Investorenbau ist der Bauherrenbau, wo also der Bauherr für sich selbst baut. Guck Dir z.Bsp. das Gebäude Horstmann+Sander (Georgstraße) an. Oder das, was vom Ehepaar Sander nicht für Horstmann+Sander, sondern für "Donna" neben dem Kröpcke-Center gebaut wurde. Da sieht man eben, wie jemand baut, der einen Ruf in der Stadt zu verlieren hat.
Welche Häuser entstehen, darüber können wir alle mitentscheiden - indem wir bei den lokalen Kaufleuten einkaufen und es ihnen damit ermöglichen, den anonymen Investoren beim Immobilienbau zuvorzukommen.
In diesem Sinne: frohes Shoppen!
Architektenspielwiese? Klaus – 06.06.10
Ist Hannover eigentlich mittlerweile zu einer Architektenspielwiese verkommen? Jeder auch nur noch so kleine Platz in Hannovers Innenstadt muss zugepflastert werden? Steintor dicht, Marstall dicht, Klagesmarkt dicht, Kröpcke dicht, etc.? Naja, okay, wozu brauchen wir auch öffentliche Plätze, wenn in Hannover sowieso nicht mehr gefeiert werden darf (siehe Maschseefest-Dauer-Nölerei)Ganz zu schweigen von dem unsäglichen Landtags-Neubau. Da krieg' ich doch 'nen dicken Hals! Ich denke, es ist kein Geld im Haushaltssäckel...und beendet doch erst mal die alten Baustellen wie Ihmezentrum und Kröpcke, die auch mal der architektonische "Hit" waren und an Scheußlichkeit nicht zu überbieten sind!
Ich will nicht pessimistisch und hinterwäldlerisch daherkommen, aber weitere architektonische Highlights benötigt Hannover derzeit wirklich nicht - schon gar nicht unter der derzeitigen finanziellen Situation. Kümmert euch lieber um Schulen, KiTas, Schwimmbäder und Bibliotheken!
leineinsel madenuzza – 06.06.10
ja klar, keine kohle, aber spinnen. und ist bestimmt auch toll, wenn die ganze stadt wieder vorkriegsmäßig zugebaut wird. leineinsel ist nur ein beispiel. waterloo und steintor sind auch schon genannt worden. hillebrecht, dem wir ein modernes stadtbild verdanken, wird sich im grabe umdrehen.Nachtrag L. Aves – 06.06.10
@ Kenner (@ LJA)Nein, die Fassade stört mich nicht. Die könnte man ggfs.
quitschgrün streichen oder mit Blattgold belegen.
Der Rest sieht so hoffnungslos eindimensional aus - früher
hätte es bestimmt Schablonen dafür gegeben - das die Fassade
eigentlich egal ist.
Typisches Beispiel ist der Boutique-Neubau hinter
den Resten des Kröpcke-Centers, neben dem Fischladen.
Aber interessant den Zusammenhang mit den "Massemodellen" zu erfahren.
Das macht die Sache für mich eher
noch schlimmer.
Man lernt nie aus. Danke.
Bitte keine futuristischen Klötze... Jens Böning – 06.06.10
Ich kenne zwar noch nicht die Details, aber: Ich hoffe sehr, dass unsere Stadt nicht mit futuristisch-anmutenden Gebäuden "verhunzt" wird.Dann doch lieber ein originalgetreuer Wiederaufbau von alten Gebäuden wie der Wasserkunst.
@ Kenner LJA – 05.06.10
Das Dumme ist nur, das die realisierten Gebäude in Hannover meistens genau so aussehen, wie die Massemodelle im Wettbewerb (s. Regionsverwaltung).Im übrigen sind die gezeigten Entwürfe nach wie vor Blödsinn. Die Idee, die dahinter steckt, ist ein Hannover, in dem nur noch gewohnt, aber nicht mehr gearbeitet werden soll. Hoch die postmaterielle Gesellschaft ! Wir werden in Zukunft nur noch von Luft und Liebe leben und davon, uns gegenseitig zu verwalten. So sieht dann wohl das Paradies aus.
@ L.Aves Kenner – 05.06.10
Hallo "Laves",das muss ein Missverständnis sein. Du kritisierst, dass alle Gebäude in derartigen Entwürfen die gleiche Oberfläche/Fassade aufweisen? Kein Wunder: Es handelt sich nicht um einen sog. Realisierungswettbewerb, wo es um konkrete Gebäude geht, sondern um einen sog. Ideenwettbewerb, wo Lösungen für städtebauliche Fragen gesucht werden. Das Aussehen des einzelnen Hauses spielt hier keine Rolle. Deshalb wird für die Fassade - ähnlich wie beim Wettbewerb Mars-la-Tour-Straße (Zooviertel) oder das Pelikan-Quartier von Gundlach (List), falls Du an sowas denkst - zunächst nur eine Standardoberfläche benutzt, um zu zeigen, wie ein x-beliebiges Gebäude dort aussähe. Wenn man will, könnte man allerdings tatsächlich kritisieren, dass das gebaute Ergebnis (nicht nur in Hannover) dieser Standardoberfläche gelegentlich sehr nahe kommt ... ;-)
Schon wieder das Makro L. Aves – 05.06.10
Es scheint für alle gängigen CAD-Programmewohl ein "Hannover-Makro" zu geben.
Bitte eingeben:
1.) Anzahl der Stockwerke
2.) Höhe der jeweiligen Stockwerke
3.) Anzahl der Fenster pro lfd. Meter
4.) Farbe/Material der Fassade
Leineinsel hannoverfan – 05.06.10
Die Leineinsel muss unbedingt wiederaufgebaut werden, Hannover braucht ein derartiges Alleinstellungsmerkmal!!!!!!!!!!Wenn Felix Hoffmeyer – 05.06.10
die Leine-Insel zumindest ansatzweise wiederkäme, wäre das ein enormer Gewinn für Hannover.Schön zu hören, dass man dieser Variante aufgeschlossen gegenüber steht und vielleicht könnte ein kleines Gebäude bald den Anfang dazu geben...