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Aus der Stadt Kommunaler Seniorenservice hält ältere Menschen auf Trab
Hannover Aus der Stadt Kommunaler Seniorenservice hält ältere Menschen auf Trab
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21:55 14.01.2013
Von Stefanie Nickel
Dorothea Kurtz, Renate Przytarski, Almut Strobach, Rosi Hübler und Eva Zmudzieyewski (v.l.) sind die „Bühnengeister“. Quelle: Surrey
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Hannover

Auf die Männer ist kein Verlass. Da sind sich die Damen einig. „Wenn die merken, dass sie auch etwas tun müssen für den Ruhm, sind sie gleich wieder weg“, sagt eine. Blicke treffen sich. Dann allgemeines Kopfnicken. Die fünf Damen essen buttrige Kekse mit englischer Orangenmarmelade, selbstgemacht versteht sich. Eierlikör steht auf dem Tisch. In der „Männer sind immer so...“-Reihe fällt noch das Wort „feige“ und „faul“. Schließlich kommen die Damen - die jüngste 61, die älteste 77 Jahre alt - zu dem Schluss, dass sie gut auf Männer verzichten können: „Wir sind Powerfrauen“, sagt die 68-Jährige Dorothea Kurtz. „Wir schaffen das allein.“ Wieder Kopfnicken.

Es ist die erste Probe nach der Weihnachtspause. Die Bühnengeister, wie sich die Laienschauspielgruppe nennt, studiert gerade eine Kriminalkomödie ein. „Die Erbschaft“ lautet der Arbeitstitel. Dorothea Kurtz hat das Stück selbst geschrieben. Zwei Nächte lang hat sie sich dafür in ihrem Zimmer eingeschlossen. Niemand durfte sie stören. „Es ist eine leichte Komödie“, sagt Dorothea Kurtz. „Schließlich soll jeder das Stück verstehen können.“

Als Dorothea Kurtz die Idee mit den Bühnengeistern kam, ging sie zu Doris Landeck. Das machen alle Anwohner so, die glauben, dass im Stadtbezirk nichts los ist oder bestimmte Angebote fehlen. Doris Landeck ist eine von 14 Mitarbeitern des Kommunalen Seniorenservice. Sie ist zuständig für Bothfeld, Vahrenheide, Sahlkamp, Isernhagen-Süd und Lahe. Vielen gilt sie als besonders engagiert und gut vernetzt. Die Anwohner wissen, dass Landeck sich etwas überlegen wird, wenn es ein Problem gibt. Sie wird einen engagierten Ehrenamtlichen finden, der den Kurs leitet, sie wird Räumlichkeiten organisieren und sie wird Geld auftreiben, um Zubehör zu besorgen. Das hat sie bisher eigentlich immer geschafft.

Für die Kinotruppe etwa, die sich einmal wöchentlich einen Film anschaut und anschließend darüber diskutiert, hat sie einen Beamer organisiert. Und nach langem Suchen einen 82-Jährigen Akademiker mit riesiger Filmsammlung gefunden, der die Gruppe leitet. Für das Gedächtnistraining hat sie eine studierte Historikerin verpflichtet. Als ihre Senioren Qigong machen wollten, hat sie Wochen nach einem geeigneten Trainer gesucht, der gewillt ist, den Kurs gegen eine kleine Aufwandsentschädigung anzubieten. Schließlich ist die chinesische Meditations- und Bewegungsform derzeit groß in Mode. Und natürlich konnte Landeck auch den Bühnengeistern helfen. Sie macht die Pressearbeit für die Gruppe. Und hat den Probenraum im Kulturtreff Vahrenheide organisiert.

Dort beginnen die Damen ihre Probe mit dem dritten Aufzug, erste Szene. Der Text sitzt nicht mehr so recht. Die fünf Frauen müssen immer mal wieder auf das Skript schauen. „Improvisieren ist das Stichwort“, ruft Regisseurin Kurtz. Und auch die müden Knochen ihrer Schauspielerinnen muss sie erst einmal wieder in Gang bringen: „Könnt ihr zwischendurch mal aufstehen - ihr klebt so an eurem Stuhl.“ Die Damen lächeln, eine ruft: „Ich nicht, ich bin schon alt.“

Etwas ist anders an diesem Probenvormittag: Erstmals tragen die Damen ihre Kostüme. Und das sorgt für allgemeine Erheiterung. Rosi Hübler hat sich für ihre Rolle als Amalie von Spilker, Familienoberhaupt und Schwiegermutter mit spitzer Zunge, von einer Bekannten eine graue Perücke mit Locken geliehen. „Die steht dir ganz ausgezeichnet“, sagt die 75-jährige Eva Zmudzieyewski. Auf Almut Strobachs Kopf thront ein weißes Häubchen, und um ihre Hüfte hat sie eine Schürze mit Spitze gebunden. Sie spielt das Dienstmädchen Johanna, die laut Manuskript eigentlich Johann heißen und ein Mann sein sollte. Aber sie haben halt keinen gefunden. Männer eben.

Auch Regisseurin Dorothea Kurtz muss einen Mann ersetzen. Der Rechtsanwalt, der die Rolle eigentlich übernommen hatte und „gar nicht so schlecht gewesen sei“, wie die Damen sagen, sprang ab. Nun spielt Kurtz Walter von Kabutke. Dem Rechtsanwalt, so wird im Kulturtreff gemutmaßt, sei das Stück wohl nicht anspruchsvoll genug gewesen. „Das war ein Akademiker“, sagt Rosi Hübler, die seit 50 Jahren verheiratet ist. „Wir können hier aber nicht Shakespeare aufführen.“

Die Damen nehmen sich nicht so ernst. „Wir wollen Freude haben und Freude machen“, sagt Rosi Hübler. Eva Zmudzieyewski fasst zusammen: „Es muss einfach Spaß machen.“ Ihre Proben haben auch noch einen angenehmen Nebeneffekt: Die Frauen trainieren ihr Gedächtnis: „Für mich ist das Fitness für das Gehirn“, sagt Almut Strobach. „Das Skript liegt unter meinem Kopfkissen. Ich lese jede Nacht darin. Und es geht immer besser.“

Die Bühnengeister sind für Sozialarbeiterin Doris Landeck auch eine Bestätigung für ihre Arbeit. „Ziel ist es, die Einsamkeit im Alter zu bekämpfen“, sagt sie. „Das gelingt uns ganz gut.“ Die Senioren lernen sich in den Kursen kennen, begegnen sich auf der Straße und im Supermarkt, verabreden sich. Manchmal entstehen Freundschaften. Die Menschen fühlen sich verankert im Stadtteil.

Am Ende der Probe wird im Kulturtreff noch eine ganz praktische Frage verhandelt: „Können wir uns überhaupt noch verbeugen?“ „Das ist gar nicht so leicht“, sagt die 72-Jährige Rosi Hübler. Dann lachen alle. Natürlich können sie.

Die Bühnengeister suchen noch Schauspieler. Auch männliche Akteure sind natürlich hochwillkommen. Interessierte melden sich bei Dorothea Kurtz unter Telefon (0511)6042099.

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