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Was Erstwähler wollen

Kommunalwahl Was Erstwähler wollen

Kommunalpolitiker denken meistens, dass Jugendliche vor allem Jugendzentren wollen. Aber ist WLAN nicht viel wichtiger? Die unterschiedlichen Vorstellungen von Politik kommen zum Vorschein, wenn Politiker und Jugendliche über das reden, was für Jüngere wichtig ist.

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„Da werden einfache Lösungen angeboten und bloße Parolen verkündet“: Die Seelzer Gymnasiasten haben zur rechtspopulistischen Wählergruppe eine klare Meinung.

Quelle: von Ditfurth

Hannover. Was wünscht ihr euch von der Kommunalpolitik? Welche jugendpolitischen Themen müssen Parteien unbedingt ansprechen? Manche Schüler kratzen sich am Kopf, einige blicken ratlos. Unter den Nägeln scheint den Schülern des Politikkurses am Georg-Büchner-Gymnasium in Seelze nichts zu brennen. Die ersten heben zaghaft die Hände. „Ich wünsche mir günstigere Schüler-Tickets für Busse und Bahnen“, sagt der 17-jährige Leon. Sein Klassenkamerad Dennis setzt zu einer Erklärung an, die Kommunalpolitiker freuen dürfte: „Seelzes Finanzhaushalt muss besser geplant werden. Die Stadt hat zu hohe Schulden.“ Dem 17-jährigen Özcan fällt noch ein, dass mehr Geld in Schulen investiert werden sollte. „Und wir brauchen ein anständiges WLAN in der Schule“, sagt er. Das hebt die Stimmung, Gekicher, zustimmendes Nicken. Politiklehrerin Maike Malkmus lächelt. „Aber ihr dürft eure Smartphones hier gar nicht benutzen“, wirft sie ein. Egal, das entscheidende Stichwort für den jugendlichen Wunschzettel ist gefallen: Drahtloser Internetzugang – kostenlos und überall.

Die Seelzer Gymnasiasten dürfen am kommenden Sonntag zum ersten Mal ihre Kreuze machen und über die Zusammensetzung des Rates der Stadt sowie über Ortsräte und die Regionsversammlung entscheiden. Dass der Kommunalwahlkampf auf seinen Höhepunkt zusteuert, ist den Jugendlichen nicht entgangen. „Etliche Wahlplakate hängen an den Laternen, viele vom rechten Bürgerforum“, sagt der 16-jährige Enes. Die Kampagne der rechtspopulistischen Wählergruppe kommt bei den Gymnasiasten nicht gut an. „Da werden einfache Lösungen angeboten und bloße Parolen verkündet“, sagt Dennis. So richtig angesprochen fühlen sich die Jugendlichen von keinem Wahlplakat der Parteien.

Gerold Papsch, Seelzes CDU-Chef, ist stolz auf das „beste Wahlprogramm aller Zeiten“. Nur bei der Jugendpolitik habe man eine gewisse Schwäche, räumt er ein. Aber das komme nicht von ungefähr. „Seelze ist das Griechenland der Region. Wir sind praktisch pleite“, sagt Papsch, zugleich Ratsvorsitzender. Und da Jugendpolitik bedeutet, Geld für sogenannte freiwillige Leistungen auszugeben, fallen die jugendpolitischen Akzente geringer aus. „Uns geht es vor allem darum, dass die bestehenden Angebote erhalten bleiben“, sagt der CDU-Mann. So habe man das Hallenbad „Die Qualle“ gerettet und sichergestellt, dass Schüler nicht weite Wege für den Schwimmunterricht in Kauf nehmen müssen. Auch das Jugendzentrum müsse bleiben.

Damit ist das zweite wichtige Stichwort gefallen: Wo immer Kommunalpolitiker Jugendlichen etwas Gutes tun wollen, stellen sie mehr Geld für Jugendzentren in Aussicht. Mehr Mitarbeiter, mehr Handwerkskurse, bessere Billard- und Krökeltische. Das ist auch bei der SPD nicht anders. „Das Jugendzentrum sollte sich stärker ins Schulleben einbringen“, sagt Johannes Seifert, jugendpolitischer Sprecher der SPD Seelze. Dadurch könne der Jugendtreff bekannter werden. Zudem müsse das Zentrum seine Bandbreite erhöhen, etwa Wochenendausflüge anbieten, Bewerbungstraining und „Handy-freie Spiele“ organisieren. „Aber in den Räumen kann natürlich auch Fete gemacht werden“, sagt Seifert.

Einen Begriff wie „Fete“ dürften manche der Politikschüler nicht mehr kennen. Und für „Handy-freie Spiele“ werden sich wohl die wenigsten begeistern. Oder? „Im Jugendzentrum werden Bastelkurse für Zwölfjährige angeboten, für Ältere müsste es anderes geben, etwa gemeinsame Ausflüge“, sagt die 16-jährige Alina. Aber ins Jugendzentrum ziehe es sie ohnehin nicht, schiebt Alina nach, selbst wenn es hübsch gestaltete Räume zum Abhängen gäbe. Viele nicken.

Eine Runde Tischfußball im Jugendzentrum scheint bei den Gymnasiasten definitiv aus der Mode zu sein. Sie orientieren sich Richtung Hannover, treffen sich in der großen Nachbarstadt zum Shoppen und fürs Kino. Verabredungen und Gespräche laufen bei den Schülern meist über den Online-Kommunikationsdienst Whatsapp, daher sind drahtlose Internetverbindungen für sie so wichtig. „Wenn es im Jugendzentrum WLAN gäbe, wäre das immerhin ein Anfang“, sagt die 16-jährige Miray.

Dennoch gibt es ein Thema, das die Jugendlichen bewegt und den Kommunalpolitikern nicht fernliegen dürfte: „Die Musikschule wurde kaputtgespart. Da muss dringend etwas getan werden“, sagt Dennis. Zustimmendes Gemurmel in der Klasse. „Musikschüler und Lehrer haben gemeinsam für den Erhalt der Schule protestiert. Jetzt muss die Politik investieren“, sagt die 15-jährige Nicola.

Die Ratspolitik gibt sich zurückhaltend und verweist auf die prekäre Finanzlage Seelzes. „Wir führen einen Abwehrkampf, damit nichts geschlossen wird“, sagt CDU-Mann Papsch. Die „Vernetzung“ zwischen Musikschule und Gymnasium müsse intensiviert werden. Allenfalls projektbezogene Förderung sei möglich, heißt es aus der SPD.

Dennoch schwant den Politikern, dass sie mehr tun müssen. „Wir müssen auch jene Jugendlichen erreichen, die nicht ins Jugendzentrum gehen“, sagt Papsch. Dabei fällt ihm der renommierte Boxsportklub Seelze ein. Der Vereinschef arbeite wie ein Streetworker und spreche Jugendliche gezielt an, auch jene aus schwierigen sozialen Milieus. „Der Boxklub leistet hervorragende Jugendarbeit“, sagt auch SPD-Vertreter Seifert.

Mit dem Boxen haben es die Georg-Büchner-Schüler nicht so. „Das Vereinsheim vom SV Velba müsste dringend erneuert werden“, meint der 17-jährige Jacob. Aber vielleicht lohne sich die Investition auch nicht, weil der Verein ohnehin Mitglieder verliere. Der Blick aufs Geld dürfte Politiker erfreuen.

Neun Stimmen zu verteilen

Am Sonntag hantieren die Wähler mit drei Stimmzetteln, auf denen sie jeweils drei Kreuze machen können. Die Bürger Hannovers und der Umlandgemeinden entscheiden über den Einzug der Parteien in Orts- und Bezirksräte, in die Räte ihrer Städte und in die Regionsversammlung. Die drei Kreuze auf den jeweiligen Stimmzetteln können auf verschiedene Weise verteilt werden. Die einfachste Variante ist das Kumulieren. Dabei werden alle drei Stimmen einer Partei, einer Wählergruppe oder einem Einzelbewerber gegeben. Des Weiteren können die drei Kreuze auf mehrere Parteien und Kandidaten verteilt werden (Panaschieren).

Wahlberechtigt sind alle Bürger, die am Wahltag mindestens 16 Jahre alt sind und die deutsche oder eine EU-Staatsbürgerschaft innehaben. Zudem müssen sie seit mindestens drei Monaten im jeweiligen Wahlgebiet wohnen. Stichtag ist der 11. Juni 2016.

asl

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