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Aus der Stadt Ist zuviel Plastik im Kompost von Aha?
Hannover Aus der Stadt Ist zuviel Plastik im Kompost von Aha?
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00:38 31.05.2018
Der Kompost von Aha ist bei den Bürgern begehrt, wie hier in Sehnde. Quelle: Archiv
Hannover

Lübeck, Hamburg, Mainz und viele andere: Die Kompostwerke zahlreicher Kommunen haben ein erhebliches Problem mit einem hohen Anteil von Plastik im Kompost, der aus Bio-Müll gewonnen wird. In Lübeck ist das Problem zum Beispiel so groß, dass Landwirte sich weigern, den Kompost auf ihren Äckern zu verteilen.

So wird aus Biomüll Kompost

Rund 160.000 Tonnen Biomüll aus der Region Hannover werden jedes Jahr im Bioabfallkompostwerk in Hannover-Lahe zu Kompost verarbeitet. Nach der Zerkleinerung wird das Material in großen, länglichen Haufen aufgesetzt, Mikroorganismen zersetzen das Material. Einmal pro Woche wird der Biomüll mit Maschinen durchmischt. Nachdem die Abfälle sechs Wochen lang der sogenannten Intensivrotte ausgesetzt waren, wird das Material mit Förderbändern in eine andere Halle transportiert. Dort reifen die Bioabfälle in sieben Wochen mit Hilfe von Bakterien zu Qualitätskompost. Dann wird der fertige Kompost noch gesiebt. Jeder Regionsbürger kann sich jeden Tag einen Kubikmeter Kompost abholen. 

Auch in der Region Hannover ist der Anteil von Plastik im Kompost in den vergangenen Jahren angestiegen. Allerdings gibt es den Ärger wie in Lübeck hier noch nicht. „Die Landwirte bei uns haben keine Probleme“, sagt eine Sprecherin des Landvolkverbands. Der Kompost aus Hannover sei bei den Bauern gefragt.

Nach Angaben des Abfallwirtschaftsbetriebs Aha ist der hiesige Kompost aus dem Bioabfall-Kompostwerk in Hannover-Lahe sogar ausgezeichnet: Er trägt das RAL-Gütezeichen Kompost. Dafür darf der Grenzwert von maximal 0,1 Gewichtsprozent von Folien und maximal 0,4 Gewichtsprozent für Papier, Glas, Metall und Hartkunststoffe nicht überschritten werden.

Aha-Sprecherin Helene Herich sieht im Kompost-Dünger, den auch viele Bürger der Region als Blumenerde nutzen, viele Vorteile im Vergleich zu anderen Düngemöglichkeiten. Zwar verbesserten auch torfhaltige Erden, mineralische Dünger und Gülle den Boden, alle haben jedoch Nachteile gegenüber dem Kompost, meint Herich. Wer mit Torferde dünge, schade den Mooren, Gülle kann unter anderem Rückstände aus Tiermedikamenten und multiresistente Keime enthalten. Und mineralischer Dünger wird meist schnell aus dem Boden gewaschen.

Wissenschaftler sehen allerdings auch beim Kompost aus Kompostanlagen Probleme. Denn laut einer jüngst veröffentlichten Studie der Universität Bayreuth bleiben bei der Gewinnung von Kompost regelmäßig kleinste Kunststoffpartikel im Dünger und gelangen dadurch in Böden und in Gewässer.

Selbst wenn die Rückstände der Vergärung in den Biokompostanlagen sorgfältig gesiebt werden, könnten Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von wenigen Millimetern nicht entfernt werden, heißt es in der Studie. Sie blieben im Dünger enthalten. Dabei handele es sich hauptsächlich um Reste von Verpackungen von Lebensmitteln, haben die Wissenschaftler festgestellt.

Auch der Abfallexperte der Grünen-Regionsfraktion, Fabian Peters, hat Zweifel an den positiven Zahlen von Aha. „Das hört sich fragwürdig an“, sagt der Politiker. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass es überall ein Problem gibt, nur hier nicht“, meint Peters. Schon allein durch sogenannte Fehlwürfe lande viel Abfall, der eigentlich in den Restmüll gehöre, im Biomüll, sagt der Grünen-Politiker. Hinzu kämen die Säcke, in denen der Biomüll von zahlreichen Hauseigentümern entsorgt werde. Peters berichtet, dass er selbst immer wieder im Aha-Kompost Schnipsel von den Bioabfallsäcken entdecke.

Von Mathias Klein

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