„Emotionale Antipathien“, sagt Rechtsanwalt Eckhard David ganz sachlich, dürften keine Rolle spielen. Der Jurist steht an einem Tisch, hinter ihm hängt das Logo der Bürgerinitiative, deren Interessen er vertritt. Wer das Forschungszentrum des Boehringer-Konzerns in Kirchrode auf juristischem Weg stoppen wolle, das habe er der Bürgerinitiative gleich erklärt, der müsse den wissenschaftlich-fachlichen Nachweis führen, dass Genehmigungen für den Bau nicht das Ergebnis rechtmäßiger Planung seien. Diesen Nachweis hält die Bürgerinitiative endlich für gelungen, seit das von ihr beauftragte Gutachten vorliegt. „Das Gutachten, das uns immer verweigert wurde“, sagt Initiativensprecher Klaus Neudahm im Wintergarten seines Restaurants „Alte Hahnenburg“. Am Ende der Präsentation reicht er Wurstbrötchen.
Natürlich kommt die 38 Seiten umfassende Arbeit des Sachverständigen Karl-Heinz Krause zum Ergebnis, dass Boehringer nicht in direkter Nähe von Wohnungen an Krankheitserregern forschen dürfe. Neudahm hätte sonst kaum zur Pressekonferenz gebeten. Die Inititative hofft auf die Kraft guter Argumente, aber auch auf Krauses Reputation als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger. Potenzielle Gegner sind ja nicht allein Stadt, Region, Gewerbeaufsichtsamt und Boehringer, mit Krauses Papier wird Rechtsanwalt David notfalls vor Gericht gegen den renommierten TÜV Nord argumentieren, der dem Standort in Kirchrode bereits die Unbedenklichkeit bescheinigte. Man will, wie David sagte, „auf Augenhöhe“ antreten.
Gutachter Krause, das wird schnell deutlich, kann sehr, sehr viel erzählen über sein Fachgebiet. Seine Ergebnisse über das Forschungszentrum sagen, dass der Pharmakonzern nicht wie geplant in Kirchrode forschen darf. Entscheidende Größe sei, dass Boehringer im Versuchsstall an der Bemeroder Straße 200 so genannte Großvieheinheiten halten darf, was in echten Tieren rund 1500 Mastschweine bedeute. Bei dieser Größenordnung aber müsse das Forschungszentrum mindestens 287 Meter von der nächsten Wohnbebaung entfernt sein, um Geruchsbelästigungen zu vermeiden. Er beruft sich auf eine Richtlinie des Verbandes deutscher Ingenieure. Die benachbarte Lebenshilfe für Behinderte liegt praktisch direkt gegenüber und wird Krause zufolge „mit Geruchseinwirkungen überzogen“, die zum Teil über zulässigen Grenzwerten lägen. Wer so viel Tiere auf einem Fleck hält, muss laut Krause auch damit rechnen, dass geschätzte vier bis fünf Tonnen Ammoniak an die Luft gelangen – zum Schaden des Ökosystems Eilenriede, wo bereits jetzt Grenzwerte deutlich überschritten seien. Mindestens 418 Meter, so stehe es in der Technischen Anleitung Luft, müsse der Abstand zwischen Bau und Stadtwald sowie nahen Kleingärten betragen. Krause findet, dies Problem werde „verniedlicht“.
Die größten Sorgen aber machen sich Anwohner wohl um mögliche Gesundheitsgefährdungen. Zu Recht, wenn man Anwalt David hört. Keime, Viren und Bakterien könnten an feinsten Staubpartikeln haften bleiben, trotz Filter ins Freie gelangen und bis zu neun Kilometern weit ins Land hineintreiben. „Ein nach oben offenes Risikopotenzial.“ Weil es für diese Mikroteile weder Abstands- noch Grenzwerte gebe und Gefahren im Interesse der Menschen zu vermeiden seien, darf nach Ansicht von David wohnortnah nicht mit Erregern experimentiert werden.
Mit dem Gutachten im Rücken fühlt es sich für die Bürgerinitiative nun nach Waffengleichheit an. Krauses Arbeit ist das erste Papier in der kontroversen Boehringerdebatte, das Argumente gegen die Ansiedlung findet. Auf einer für diesen Sonnabend in Hannovers Innenstadt geplanten Demonstration dürften sie schon zu hören sein. Sprecher von Unternehmen und Stadtverwaltung wollten das Sachverständigenurteil gestern nicht kommentieren. Für den Konzern verwies Heidrun Thoma auf vorliegende Gutachten: „Sie halten die Anlage am geplanten Standort für genehmigungsfähig, auch, was Abstände und Emissionen betrifft.“
Der TÜV Nord dürfte damit zum Kronzeugen für die 40 Millionen Euro teure Ansiedlung werden. Der Verein stellte fest, dass selbst bei einem mit Schweinen und Rindern voll besetzten Stall keine Gerüche in die Umgebung dringen würden, sie lägen „an der Grenze der Wahrnehmbarkeit“. Der Grenzwert für Ammoniak werde sogar „bei Weitem“ unterschritten“. Argumente, mit denen die Stadt auch eine Vielzahl der 1101 Einwände ablehnte, die während des Genehmigungsverfahrens besonders aus Kirchrode und Umgebung abgegeben wurden. Eine von Boehringer bezahlte Studie bescheinigte die Sicherheit der Anlage.
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Kommentare
Schonungslose Analyse Bürger – 10.11.09
Ent-Ideologisierung, ob sie bei diesem Thema greift? Die Luft ist voll von Lebenstheorien und Weltanschauungen, das bringt das Thema für die Bürger aber oft nicht weiter. Hierzulande wirken sie oft auch so anmaßend, egal aus welcher Ecke, weil sie oft am Ende fast immer einer ganz nichtssagenden Privatsituation gelten. Und dann die selbstgefälligen Meinungskonglomerate der Medien ohne Verantwortung- sie taugen angesichts der Verhältnisse oft wenig. Auf der Sachebene argumentieren, das ist es! Das ist gute alte europäische Tradition. Wir leben glücklicherweise in einem Rechtsstaat. Machen Sie es weiter Transparent. Viel Erfolg!Schweinegrippe demnächst aus Hannover ? Michael Obentraut – 10.11.09
Im Jahr 2008 wollte die Fa. Boehringer das geplanteTierseuchenlabor nutzen, um Impfstoffe für typische
Tierkrankheiten herzustellen. Man ging davon aus,
dass z.B. die "Influenza des Schweins" nicht die Menschen
befallen wird und hat zu geringe Sicherheitsabstände
berücksichtigt. Seit 2009 ist aber hinreichend bekannt, dass
diese Vermutung falsch ist. Die sog. "Schweinegrippe"
wie auch die "Spanische Grippe", haben den gleichen Stamm
und H1N1/ 9 greift Menschen - ist also humanpathogen.
Bei dieser Erkenntnis reichen weder die Filter aus, noch die
nötigen Sicherheitsabstände. Bei Maul- und Klauenseuche
wären dies 3 km Abstand, aber hier - bei humanpathogenen
Krankheitserregern- mindenstens 9 km. Das ist im Stadtgebiet
von Hannover nicht machbar. Die ganze Planung ist dadurch
überholt und an dieser Stelle nicht mehr durchführbar.
Nun versucht die Fa. Boehringer offenbar durch eigene, bezahlte
"Studien" einer ausländischen Firma - mit sehr begrenzter Haftung
( Ltd.) und Glaubwürdigkeit- die biologische Sicherheit der Anlage
darzustellen und der TÜV Nord sollte dies auch noch bestätigen,
was er gar nicht kann, weil dies nicht in seinen Bereich fällt.
(siehe auch: homepage TÜV Nord )
Um wenigstens die "Geruchsausbreitung" - also den Gestank aus
den Schweineställen "schön" zu rechnen, wurden von Fa. Boehringer
dem TÜV geringere Werte ( Art und Anzahl der Versuchstiere ) für
das Gutachten vorgegeben, als nach dem Bebauungsplan zulässig
-und somit zur Ausnutzung des Baugeländes- freigegeben sind.
Dadurch ist dieses Gutachten wertlos geworden und mußte sich
zwangsläufig vom Gutachten des öffentlich bestellten und vereidigten
Sachverständigen Dr. Krause unterscheiden.Die Fa. Boehringer hat
die Herausgabe ihrer Vorgaben für das TÜV-Gutachten zur
Nachprüfung verweigert.
Die Sache liegt mittlerweile bei der Region Hannover, welche nun die
Verantwortung und Entscheidung über die Zulässigkeit tragen wird.
Vorstellung des Gutachtens Karin – 09.11.09
wie "passend" das nach der Präsentation Wurstbrötchen greicht wurden.Hallo Jens Gerd Schmolker – 09.11.09
Lieber arrogant rüberkommen als völlig dumm ;-)Wer so schreibt Jens – 09.11.09
"Wer so schreibt, diskreditiert sich bereits dadurch als völlig Unwissender."Darauf kann man nur antworten: Wer so schreibt, diskreditiert sich als völlig Arroganter.
Sie haben in ihrem Beitrag sicherlich aus Versehen die Enter-Taste gedrückt, bevor sie ihre Argumente respektive Meinung einbringen wollten.
MfG
Unsinn Dr. med. vet. Schulze – 08.11.09
"mit Hilfe widerwärtigster Manipulationen an Lebewesen seine Raffgier zu befriedigen."Wer so schreibt, diskreditiert sich bereits dadurch als völlig Unwissender.
@Obentraut Bürger – 08.11.09
Die Tatsache, dass wissenschaftlich/technische Aussagen nicht mehr sakrosankt sind, sondern auch bestritten werden können, bedeutet auch, als dass der systematische Zweifel berechtigt ist. Denn sie verkünden keine unumstößliche Wahrheiten, sondern im günstigsten Falle methodisch kontrollierte und dementsprechend überprüfbare Aussagen, die, wie andere Urteile auch, durch Interessen bestimmt sind und auch unter diesem Gesichtspunkt bezweifelt werden können. Bedenklich bleibt für mich als Bürger, dass die Region oder Stadt von sich aus, nie ein gefordertes Gutachten vorgelegt hat. Gerade bei solch einem Vorhaben. Das hätte man schon erwarten können.Boehringer- Schweinestall Aufpasser – 08.11.09
Es ist schon ungeheuerlich: Eine Stadt Hannover, die sich LANDESHAUPTSTADT nennt, läßt sich von einem Konzern vorführen, der als einziges Ziel hat, mit Hilfe widerwärtigster Manipulationen an Lebewesen seine Raffgier zu befriedigen. Dazu paßt natürlich optimal die Einrichtung von "Umweltzonen" - ein Gaukelspiel selbstverliebter Narren, die nicht ernstzunehmen sind ! Daher: Weiterhin Kampf gegen den sozialschädlichen Pharma-Giganten.Konflikt um Boehringer -zwei Gutachten- Michael Obentraut – 07.11.09
Hier sind wohl einige Anmerkungen dringend nötig, es gibt nun zweiGutachten:
- eines vom TÜV Nord Umweltschutz GmbH &Co. KG von
Herrn Dipl.-Ing. Liebich -betreffend Geruchsausbreitung-
- und eines von Herrn Dr. Krause, einem Fachingenieur und öffentlich
bestelltem und vereidigten Sachverständigen der Landwirtschaftskammer
Niedersachsen für das Fachgebiet Emissionen und Immissionen
in der Landwirtschaft -auch über die zu erwartende Geruchsausbreitung
und die gesundheitliche Gefährdung.
Vom TÜV kennen wir seit dem fehlerhaften Gutachten über die Erfindung
des Brennwertkessel des Herrn Vetter aus Peine die Qualitäten solcher
Gutachten. Von Dr. Krause kann man als vereidigtem Sachverständigen
dagegen neutrale Aussagen und nachprüfbare Ergebnisse erwarten.
Eigentlich müßten diese beiden Gutachten größtenteils übereinstimmen;
das ist aber nicht der Fall. Wie kommt das ? Es hängt von den Vorgaben ab;
wenn man z.B. statt der zulässigen 4.000 Versuchstiere nur 1.500 einsetzt,
die Bestimmungen der TA-Luft relativiert und großzügige Abstriche macht,
die weder belegt nicht begründet sind, Vorbelastungen bewußt ausläßt und
die Ammoniakbelastung völlig vergißt, ja - dann kann man so eine Anlage
"schön rechnen", bis ein Schweinestall mit ein paar tausend Tieren in
ca. 35 Meter Abstand nicht mehr stinkt. Die Wirklichkeit sieht anders aus,
wie man in Cloppenburg und anderen Gegenden weiß.
Der TÜV Nord weigert sich die Ansätze und Ausgangswerte für seine Prognose
bekannt zu geben und verweist auf die Weigerung der Fa. Boehringer, von der
die Vorgaben für die Berechnung stammen. Was nutzt ein Gutachten, was nicht
überprüfbar ist ?
Weder das Gewerbeaufsichtsamt noch die Region sind Gegner der
Bürgerinitiative - wie hier im Artikel behauptet wird-, sondern allein die
wirtschaftlichen privaten Interessen der Fa. Boehringer Ingelheim stehen
den Bürgern entgegen. Wie glaubwürdig ist demnach eine "Studie" zur
biologischen Sicherheit, die von dieser Firma in Auftrag gegeben und bezahlt
wurde, so daß ein gewünschtes Ergebnis vorlag ?
Das Genehmigungsverfahren für diese Anlage erfordert immer ein unabhängiges
Gutachten; dies ist auch von den Bürgern gefordert worden. Nachdem die
Stadtverwaltung auch den Beschluß und Antrag des Rates der Stadt nicht
umgesetzt hat, haben nun die Bürger selbst solch ein Gutachten erstellen lassen-
von einem öffentlich bestellten und vereidigten Gutachter.
Dieses liegt nun vor - es ist negativ.
Boehringer Pech – 07.11.09
Sellerfield-Kirchrode-Tschernoyl-BopahlMacht weiter so es muß doch möglich
sein die menschheit auch ohne waffen auszurotten oder nicht??