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Als Prince 1990 in Hannover war

Konzert im Niedersachsen-Stadion Als Prince 1990 in Hannover war

Popstar Prince ist am Donnerstag im Alter von 57 Jahren gestorben. Im HAZ-Archiv findet sich eine alte Rezension von einem Konzert im Juni 1990 im Niedersachsen-Stadion. Hier die Originalfassung des Artikels – natürlich in alter deutscher Rechtschreibung.

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Quelle: Repro

„Träumer im Dschungel des Pop“

Hannover.  „Was raten Sie mir, wohin ich gehen soll?" fragte er. „Auf den Planeten Erde", antwortete der Geograph, "er hat einen guten Ruf..." Und der kleine Prinz machte sich auf und dachte an seine Blume.

So kam er unter die Menschen, und da steht er jetzt: Prince Rogers Nelson, 160 cm Star von einem anderen Stern, beladen mit den Glitzertüchern der Mythen, an denen die Popfabriken und ihre Werbeabteilungen unermiidlich weben: Diva und Sexualartist, Narziß und Schmollmund, Soundchirurg und Alchimist, Genie und Scharlatan, Roncalli-Figur und Luzifer.

Da steht er, es ist dunkel und kühl geworden im Niedersachsen-Stadion, und alles ist ein bißchen wahr, und alles ist doch ganz anders. Kein Silberslip, kein Damenstrumpf, kein feuchtes Fummeln und kein satanisches Grummeln. In Hemd und Hose steht er allein im weißen Spot, wie Ebenholz schimmert das Haar, der Wind fahrt ihm hindurch, ein guter Prince, ein Traumprinz steht da, und er singt „Purple Rain", als wäre er allein auf der Welt, weihevoll und wiegend, fast segnet er uns dabei mit göttlicher Geste, und es ist nicht ohne Kitsch - und ist doch unerwartet schön.

Mit Hits wie "Purple Rain" oder "Kiss" hat der legendäre US-Popstar Prince mehr als eine Generation geprägt. "The Artist" wie er auch genannt wurde, verkaufte in seiner Musiker-Karriere mehr als 100 Millionen Platten. Prince ist im Alter von nur 57 Jahren gestorben. 

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„Guten Tag", sagte er aufs geratewohl. „ Guten Tag . . . Guten Tag . . . Guten Tag . . .", antwortete das Echo. „Wer bist du?" sagte der kleine Prinz. „Wer bist du . . . Wer bist du . . . Wer bist du . .?" antwortete das Echo. „Seid meine Freunde, ich bin allein", sagte er.

An diesem Abend spielt Prince die Rolle des einsamen Narziß, nicht die des Wüstlings Die Show ist jugendfrei und trägt die Merkmale jener Disneyland-Ästhetik, die ebenso kindisch wie liebenswert ist. Der Lautsprecherturm links von der Bühne ist mit einem braunen Tuch verhüllt, darauf ein Auge, aus dem blaue Tränen tropfen. Im Bühnenhintergrund hängen Tücher, auf die, dunkel und ungefähr, Torbögen und Schloßgemäuer aufgemalt sind.

Um die Bühne führt ein Laufsteg, ein paar goldene Stufen und Rutschstangen verbinden ihn mit dem Bühnenboden. Azurblau leuchtet links ein Flügel, in allen Farben der Bonbonindustrie leuchten die Scheinwerfer. Nebel wallt dick und permanent, schottisches Hochland im November, mindestens. Eine Fledermaus erschreckt uns nicht besonders, und ein großes, zu „Nothing Compares 2 U" über der Bühnenmitte aufgehendes Herz entzückt uns nicht besonders, und doch ist das alles nicht ohne Reiz, es ist ebenso naiv wie suggestiv.

In dieser Kulisse läßt Prince drei schwarze Tänzer hoppeln, dreht sich selbst um die eigene Achse, läuft von links nach rechts und von oben nach unten, geht in den Spagat, winkt, als wolle er jemanden durchs Fernsehen grüßen, kniet schon mal wie Jimi Hendrix auf dem Boden, räkelt sich wie Michelle Pfeiffer auf dem Flüge1, aber das alles bleibt Erregung aus zweiter Hand, bleibt in jedem Moment durchschaubar, ja selbstironisch inszeniert und weit entfernt von jeder Lüsternheit.

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 Das ist gut so, denn es hält die Sinne frei für die Musik. Und Prinz Moglie, Wesen zwischen Mann und Frau, Kindheit und Alter, Schwarz und Weiß, versteht es mit den Bären zu brüllen im Dschungel des Pop. Prinz Oskar Matzerath weiß um sein Leben zu trommeln in der feindlichen Welt des Erwachsenseins, und er weiß, wie man Glas zerspringen läßt. Seid meine Freunde, ruft Prince, ich bin allein, und schon nach dem ersten Gitarrenriff von „1999", nach den elektrisierenden Hiphop-Rhythmen von „Housequake" ist er es nicht mehr. Im Stadion, dessen Akustik an diesem Abend mitspielt, hat er die Menge sofort an seiner Seite.

Er jagt sie atemlos durch ein Potpourri seiner Hits, die wiederum ein Potpourri der Popgeschichte sind. Zappa und Hendrix, James Brown und Aretha Franklin strecken irgendwo zwischen Fledermaus und Flügel ihre Kopfe hervor. Ja, Prince ist ein Eklektiker, ein Sammler und Händler mehr als ein Erfinder, und manchmal legt er auch Ramsch zum Verkauf aus („Batman") Ein Händler vom Fach, trotz alledem, und wo hat der Eklektizismus Berechtigung, wenn nicht in diesem Stilgemenge, das sich Pop nennt?

Prince mischt, aber auch so entstehen Farben. „Nothing Compares 2 U" singt er am blauen Flügel, jenen Song, den Sinéad O'Connor berühmt machte. Blau tropft die Träne aus dem Auge, aber es rührt doch an, es weckt den kleinen Prinzen, das Kind in uns. Einmal wach, tobt das sich aus in einem rasenden Rock-Funk-Soul-Finale, das Prince immer wieder scheinbar abbricht, bis das Kind in uns schreit „Mehr!, mehr!" und er uns erlöst.

Party im Geisterschloß in Schottland. Zehntausende tanzen sich bis zur Erschöpfung in den Traum, den keiner richtig erzählen kann und der ihnen alles bedeutet.

„Das ist ein sehr goßes Geheimnis. Für euch, die ihr den kleinen Prinzen auch liebt, wie für mich ... Aber keiner von den großen Leuten wird jemals verstehen, daß das eine so große Bedeutung hat!“

Gunter Reus

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