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Aus der Stadt Eine kleine Orgie in Fleisch
Hannover Aus der Stadt Eine kleine Orgie in Fleisch
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00:16 18.07.2015
Das Aresto hat viele Freunde in der Stadt - was an dem Gesamtpaket aus guter Lage, anständigem Essen, ansprechendem Ambiente und exzellenter Weinkarte liegt. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Seit 25 Jahren gibt es das Aresto in der Altstadt. Weil Gerhard Schröder hier gern einkehrte, wurde das Restaurant eine Zeit lang „der Kanzlergrieche“ genannt. Einige meinen, dass das Aresto der beste Grieche der Stadt sei. Dabei ist der Inhaber Feyzi Ekinci ein Türke - nur 1990 war die türkische Küche in Deutschland noch nicht so verbreitet. Da funktionierte ein griechisches Konzept besser. Das tut es immer noch.

Das Aresto hat viele Freunde in der Stadt. Und wir waren froh, gegen 21 Uhr noch einen freien Tisch auf der Terrasse neben der Leine (und gegenüber der großen Baustelle) zu bekommen. Gerhard Schröder war nicht da, aber viele Menschen, die eine seiner Leidenschaften teilen, saßen draußen an den Tischen: Raucher! Zigarettenduft vom Nachbartisch kann auch recht angenehm sein, aber wir waren dann doch ganz froh, dass der Herr nebenan seinen Tabakkonsum einstellte, als unsere Gerichte serviert wurden. Was er nicht tat, war, seine Hose zu wechseln. In kurzer Hose saß er am Nachbartisch, und die Farbe seiner Schienbeine korrespondierte etwas unschön mit den Souflaki-Stücken auf unserem Tisch. Nur ohne Streifen vom Grillrost.

Ach, was soll’s! Einfach nicht hingucken. Das Souflaki war zart, nicht zu trocken und recht aromatisch. Guter Souflakistandard eben. Das Gyros war schön kross, nicht zu fettig, aber mit ziemlich großer Geste gesalzen. Lag es am Salz, oder war hier auch Zitronensaft im Spiel? Jedenfalls verblüffte die Gyrosportion durch eine merkwürdige, fast unangenehme Intensität und Säure.

Die Gyrosschnitzelchen bilden das Fundament der Steakplatte (17 Euro). Diese hier ist eine kleine Orgie in Fleisch. Auf dem Gyros ruhen ein Schweine - und ein Rindersteak. Das Schweinefleisch war in Ordnung, das Rindersteak leider zu stark durchgebraten. Es hatte auch niemand zuvor gefragt, wie wir es denn gern gehabt hätten. Oder hätten wir selbst das Wort ergreifen und den gewünschten Garungsgrad angeben müssen? Vielleicht. Aber als wir daran dachten, war die Bedienung, die einen eiligen, wenn nicht gar gehetzten Eindruck machte (es war ja auch viel los auf der Terrasse), natürlich schon entschwunden.

Angenehm war der kühlende Sauerrahm der beigelegten Ofenkartoffel. Mit Pommes frites, die man auch dazu bekommen kann, wäre so ein Steakteller kaum zu schaffen. Zu den Fleischgerichten gehört jeweils ein Salat, den man sich am Büfett selbst zusammenbauen kann. Hat man seinen Platz auf der Terrasse genau am Leineufer, kann es allerdings zu einem Balanceakt werden, das Tellerchen zurück zum Platz zu balancieren.

Diese Tradition der Selbstbedienung beim Salat teilt das Aresto mit vielen anderen griechischen Restaurants der Stadt. Einiges ist hier aber auch anders. Im Innenraum fällt das besonders auf. Hier gibt es keine weißen Wände, keine Säulen aus Gips und keine Sirtakiklänge aus scheppernden Boxen, die unter künstlichen Dächern hängen.

Stattdessen beherrschen edles Holz und viele Spiegel den Gastraum. Das Restaurant wirkt wie ein gediegenes Bistro. Man sitzt gut. Es macht Spaß, hier seinen Wein zu trinken - wie etwa den 2009er-Gaudenz, eine Cuvée aus Cabernet und Dornfelder vom Weingut Knipser, das 0,2-Glas für 8 Euro. Nicht ohne Grund lobte der Gault-Millau die „faszinierende, deutsch geprägte Weinkarte zu Preisen, die kaum irgendwo unterboten werden!“

Beim Essen allerdings erreicht das Aresto nicht immer die volle Punktzahl. Die Auberginencreme auf der Mezes-Platte (10,50 Euro) machte einen betrübten Eindruck und schmeckte auch so. Das Lachsfilet auf Gemüse (10 Euro) war heiß - und das ist schon das Beste, was man darüber sagen kann.

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