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Aus der Stadt Kostümdesign-Studenten erwecken Bilder zum Leben
Hannover Aus der Stadt Kostümdesign-Studenten erwecken Bilder zum Leben
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00:16 15.10.2016
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Hannover

Die angehenden Kostümdesignerinnen der Hochschule Hannover planen, messen, nähen und schneidern seit Monaten für die Nachbarstadt. Dort wird am übernächsten Sonntag das Herzog-Anton-Ulrich-Museum nach siebenjähriger Sanierung wiedereröffnet, und die hannoverschen Studenten werden während zweier Eröffnungsabende Bilder des Museums zum Leben erwecken. Zusammen mit dem Museum und dem Theaterpädagogischen Zentrum Braunschweig haben sie 21 Gemälde ausgesucht, unter anderem von Rubens, Rembrandt, Vermeer und Lucas Cranach dem Älteren, ihre Entstehung und Bedeutung recherchiert und dann zur Schere gegriffen.

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Kostümdesigner erwecken zur Wiedereröffnung des Herzog-Anton-Ulrich Museums in Braunschweig Bilder zum Leben - Anprobe und Werkstattbesuch. Hier: Johanna Gütjens.

Entstanden sind Kostüme, die sich anlehnen, aber das Thema weiterführen und es vor allem auf des Menschen Parade-Sünden abgeklopft, auf Hochmut, Habgier, Begehren, Zorn, Maßlosigkeit, Neid und Faulheit. Daphne Vielmetter und Lena Dobbert wurden beim flämischen Maler Bartholomäus Spranger und dessen Bild „Die heilige Familie mit dem Johannesknaben“ fündig. „Wir haben herausgefunden, dass Spranger eine 14-Jährige geheiratet hat, 20 Jahre jünger als er“, sagt Daphne Vielmetter, die ihrem Herrenkostüm deshalb eine überdimensionierte, mit einer Taschenuhr verzierte Schamkapsel verpasst hat, den modischen Hosenlatz des Mittelalters. Die Kostümdesigner haben enormen Aufwand betrieben, aber nicht nur sie. Insgesamt 120 Menschen sind an dem Projekt beteiligt, das den Titel „Lustvoll nah“ trägt. Mehr als 60 Schauspieler werden die Kostüme bei der Eröffnung tragen und sich unters Volk mischen, inszeniert wird die Performance von den beiden Regisseurinnen Marie-Delphine Rauhut und Eileen Winkler. Eine Gruppe tritt komplett als Dienstmädchen auf, zunächst mit Schürze, später mit einer Halskrause – um zu zeigen, wie dieses Accessoire den Status der Person zu ändern vermag. „Sie geben das Dienstmädchen ab“, sagt Professorin Maren Christensen, die mit Maya Brockhaus das Projekt in Hannover über die vergangenen Monate betreut hat.

„Wichtig war, dass es keine 1:1-Darstellung der Personen auf den Bildern wird“, sagt Brockhaus, „das wäre total langweilig gewesen. Sie sollten ihren eigenen Weg der Umsetzung finden.“ Ein Semester habe beispielsweise zum Thema Maler und Muse gearbeitet und über das Bild hinaus inspirierende Personen des Künstlers erschaffen – für die „lebende“ Variante in Braunschweig. Wie auch Vielmetter und Dobbert bei Bartholomäus Spranger. Wie das Publikum dann auf den erweckten Spranger im Museum reagieren wird, ist vielleicht die spannendste Frage – nicht nur für die Kostümdesignerinnen aus Hannover.

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