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Aus der Stadt Kran richtet Bockwindmühle auf
Hannover Aus der Stadt Kran richtet Bockwindmühle auf
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21:17 10.07.2012
Von Mathias Klein
Handwerker haben am Dienstag den ersten Teil der Bockwindmühle auf dem Hügel im Löns-Park wieder aufgestellt. Quelle: HAZ
Hannover

Ulrich Blümner hat die Ruhe weg. „Bei uns hat noch alles gepasst“, sagt der Ingenieur. Vor ein paar Wochen hat der Chef einer Zimmerei mit seinen Mitarbeitern die Mühle schon mal aufgebaut, zur Probe auf dem eigenen Betriebsgelände in der Nähe von Stendal. Dann sei aber der Statiker gekommen und habe in einzelne dicke Eichenbalken noch Metall einsetzen lassen. „Jetzt müssen wir erst einmal schauen, ob es klappt“, sagt Blümner und beißt in sein Pausenbrot.

Dienstagmittag hat er mit seinen vier Mitarbeitern mit dem Aufbau der Bockwindmühle im Hermann-Löns-Park begonnen. Schon am kommenden Dienstag soll das komplette Grundgerüst stehen - falls das Wetter den Zimmerleuten keinen Strich durch die Rechnung macht.

Dieses Schauspiel gibt es nicht alle Tage zu sehen: Am Dienstag hat der Wiederaufbau der Bockwindmühle begonnen. Zimmerleute setzten die ersten Balken, bis zum nächsten Dienstag soll das Grundgerüst stehen.

„Jetzt gibt es kein Zurück mehr“, sagt Joachim Preiser aus dem Vorstand des Bürgervereins Kirchrode. Er sitzt auf einer Bank im Schatten und hat die Baustelle fest im Blick. Die beiden Bürgervereine von Kirchrode und Kleefeld haben den Wiederaufbau der 45 Tonnen schweren Bockwindmühle massiv vorangetrieben.

Im Jahr 2008 war aus Sicherheitsgründen mit dem Abbau der Mühle begonnen worden. Teile der Stützbalken waren durch Insekten und Witterungseinflüsse so marode, dass das Gebäude vom Einsturz bedroht war. So musste die Zimmerei aus der Nähe von Stendal, spezialisiert auf die Restaurierung von Fachwerkhäusern und Holzkirchen, in monatelanger Puzzlearbeit viele alte Balken durch neue Eichenbalken ersetzen.

Die Bockwindmühle hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Sie wurde im Jahre 1701 durch den Mühlenbaumeister Hans Behrendts südlich des Aegidientors errichtet. Rund 50 Jahre später wurde sie an die nach ihr benannte Windmühlenstraße umgesetzt. Später gelangte die Bockwindmühle in das Dörfchen Hohnebostel bei Celle. Als 1938 der Hermann-Löns-Park angelegt wurde, konnte die Mühle nach Hannover zurückgebracht werden.

„Das ist jetzt ist ein toller Moment“, sagt Wolfgang Kartscher. Er ist Vorstandsmitglied des Kleefelder Bürgervereins. Insgesamt 12.000 Euro haben die Bürgervereine bislang gesammelt. Das Geld ist für die Innenausstattung gedacht und auch für ein bisschen Werbung. Denn schließlich soll die Mühle nach der im Oktober geplanten Fertigstellung für Kindergärten und Schulklassen zur Verfügung stehen – um ihnen die frühere Funktionsweise von Mühlen zu erklären. Wie das dann ganz genau abläuft, müsse noch entwickelt werden, sagt Kartscher. Immerhin gibt es schon 15 Männer und Frauen, darunter auch Nachkommen von Müllern, die bereit sind, Schülern das Wissen zu vermitteln.

Sie gehört zu den schönsten Stücken des historischen Erbes der Stadt: Nach knapp vier Jahren wird die Bockwindmühle wieder aufgebaut.

Jetzt greift Zimmermeister Heinz Jürgen Rohbeck erst einmal zur Kettensäge. Zwei der tonnenschweren Balken, auf denen später die ganze Mühle stehen soll, passen noch nicht zusammen.

Insgesamt kostet der Bau rund 350.000 Euro, je 20.000 Euro kommen von der Bingo-Stiftung und der Region Hannover, 10.000 Euro steuert die Denkmalpflege bei - den Rest zahlt die Stadt Hannover.

„Man muss hier die Stadt mal wirklich loben“, sagt Preiser vom Bürgerverein Kirchrode. Und er macht das in höchsten Tönen: „Die Verwaltung war nicht nur kooperativ, sie hat auch ganz viel Eigeninitiative ergriffen“, sagt der 69-Jährige.

Lob gibt es auch von der CDU, allerdings nur für die engagierten Bürger, nicht jedoch für die Stadt. Denn die Verwaltung habe durch ihr langes Nichtstun offenbar austesten wollen, ob die Bürger die Demontage der Mühle einfach hinnehmen würden, sagte CDU-Ratsherr Maximilian Oppelt.

Thomas Bursch ficht der politische Streit nicht an. Der Wirt des benachbarten Restaurants „Alte Mühle“ ist froh, dass das Gebäude wieder entsteht. „Viele meiner Gäste haben an die Mühle schöne Erinnerungen“, berichtet er. Zum Beispiel, weil sie unter den Flügeln ihren ersten Kuss bekommen haben. Und noch aus einem anderen Grund freut er sich. „Ohne die Mühle wäre der Name meines Restaurants komisch gewesen.“

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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