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Ärzte operieren das falsche Knie

Pfusch im Krankenhaus Ärzte operieren das falsche Knie

Verhängnisvolle Operation in einem Krankenhaus in Hannover: Ein Mann geht in die Klinik, um sein linkes Knie operieren zu lassen. Er wacht nach dem Eingriff auf und stellt zu seinem Entsetzen fest: Die Ärzte haben beide Knie operiert. Nun ringt der 64-Jährige um Schmerzensgeld.

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Hilfe fürs Knie: Röntgenaufnahme einer Schlittenprothese. 

Quelle: Foto: Manske

Hannover. Es könnte eine Szene aus einem Albtraum sein: Ein Mann geht ins Krankenhaus, um sein linkes Knie operieren zu lassen. Er wacht nach dem Eingriff auf und stellt zu seinem Entsetzen fest: Die Ärzte haben beide Knie operiert. Die Mediziner entschuldigen sich, die Versicherung kündigt eilig an, 5000 Euro überweisen zu wollen - aber für den Patienten beginnt ein Leidensweg.

Andere können nach einem ähnlichen Eingriff sich meist schnell wieder mit Gehhilfen fortbewegen. Dem 64-jährigen ehemaligen Architekten gelingt das nicht. Er kann zunächst gar nicht laufen. Später folgen drei Wochen Reha in Bad Nenndorf. Aber Rehabilitationsmaßnahmen sind darauf ausgerichtet, dass die Operierten ein gesundes Knie bei den Übungen zum Heilungsprozess einsetzen können. Dieser Patient hat aber auch Schmerzen in seinem vorher noch gesunden Knie. Lange Zeit kann er keine Treppen steigen. Einen mit viel Enthusiasmus geplanten Amerika-Urlaub muss die Familie absagen. Die Schmerzen sind immer noch da.

Chronik einer verhängnisvollen Operation

Die verhängnisvolle Operation hat in einem hannoverschen Krankenhaus stattgefunden. Der Rechtsanwalt des Patienten, Frank Albert Sievers, sagt, hier sei in einem außergewöhnlich hohen Maß gegen alle ärztlichen Regeln und Erfahrungen verstoßen worden. Das sei als „grober ärztlicher Behandlungsfehler“ nur unzulänglich beschrieben.

Seit Wochen sind der Patient und sein Anwalt nun dabei, den Hergang der Operation aufzuklären. Der Architekt hatte bereits 2014 seine erste Meniskusoperation. Mit wenig Erfolg. Die Schmerzen blieben. So entschloss er sich, eine renommierte orthopädische Praxis in Hannover aufzusuchen. Dort entschied man, dass er ein Kandidat für eine sogenannte Schlittenprothese sei. Der Patient willigte ein. Die Operation sollte in einem hannoverschen Krankenhaus stattfinden, in dem die Orthopäden Belegbetten haben. Wahrscheinlich lag in der Übertragung der Patientenunterlagen zwischen der Praxis und dem Krankenhaus eine erste Ursache für die verhängnisvolle Operation. Angeblich war es technisch nicht möglich, die Krankenakten aus der orthopädischen Praxis ins Krankenhaus zu übertragen. Warum dann trotzdem mit der Operation begonnen wurde, steht dahin. Zumal das zu operierende Knie auch nicht - wie sonst üblich - mit einem Edding-Stift markiert wurde. Eine simple Methode, um Fehler auszuschließen.

Unzureichende Sicherheitscheckliste

Geradezu entlarvend ist aber die Sicherheitscheckliste des Krankenhauses. In dem Formblatt sind Fragen aufgeführt, die vor einer Operation zu klären sind. Unter anderem, ob der Patient vor der OP aufgeklärt wurde. „Ja“ oder „Nein“ muss auf dem Vordruck angekreuzt werden. Es gibt hier kein Kreuz. „Arzt hat den Patienten gesehen“. Kein Kreuz. „Seite markiert“. Kein Kreuz. „Akte vollständig“. Kein Kreuz. Die Checkliste wurde denn auch nicht von einem Arzt unterschrieben. Sie trägt nur die Signatur einer Pflegekraft. Frank Albert Sievers hat schon viele Prozesse in Arzthaftungssachen geführt, so einen Sachverhalt hatte er noch nie auf seinem Schreibtisch: „Hier haben offensichtlich das nicht ärztliche und auch das ärztliche Personal kollektiv versagt.“

Praxis und Krankenhaus haben inzwischen ihre Fehler eingestanden. Um die finanzielle Entschädigung für die erlittenen Qualen des Patienten, der immer noch nicht schmerzfrei Treppen steigen kann, gibt es dennoch ein zähes Ringen. In Arzthaftungsprozessen geht es am Ende meist um drei Positionen: das Schmerzensgeld, die materiellen Schäden (wie zum Beispiel Verdienstausfall und andere Kosten) und den Feststellungsanspruch, der die künftigen materiellen und nicht vorhersehbaren immateriellen Schäden umfasst. Darunter würden zum Beispiel alle Arztkosten fallen, die die folgenschwere Operation vielleicht noch nach sich zieht.

Das Ringen ums Schmerzensgeld

Auf das geltend gemachte Schmerzensgeld von 12.500 Euro hat die Allianz Versicherungs-AG bisher eine Anzahlung geleistet. Es bleiben darüber hinaus noch 5000 Euro für die materiellen Schäden, über die Formulierung des Feststellungsanspruchs wird immer noch verhandelt. Dem Patienten ist eine zehn Zentimeter lange Narbe am rechten Knie geblieben. Und die beständigen Schmerzen, wenn er sein rechtes Bein beansprucht. Der 64-Jährige hat Angst, dass diese Schmerzen ihn lebenslang begleiten werden.

Von Hans-Peter Wiechers

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