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Hannoverscher Fotograf hilft Kollegen aus Syrien

Kreatives Duo Hannoverscher Fotograf hilft Kollegen aus Syrien

Seine Arbeit als Fotograf (und die Teilnahme an einer Demonstration gegen das Assad-Regime) haben Nader Ismail ins Gefängnis gebracht. Seine Kamera hat er während seiner Flucht aus Syrien nach Hannover retten können. Hier hilft ihm der Hannoveraner Nico Herzog jetzt bei seinen Fotoarbeiten.

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Kreatives Tandem: Nico Herzog (links) ist vor allem von Nader Ismaels Fotos berührt, die der Syrer auf seiner Flucht gemacht hat.

Quelle: privat

Hannover. Als er in Hannover ankam, war Nader Ismail barfuß. Seine Schuhe waren verloren gegangen, aber seine Kamera hing um seinen Hals. Mit dieser Nikon hat der heute 25-Jährige schon in seinem Heimatland Syrien fotografiert.

Per Flüchtlingsboot in Richtung Italien

Seine Arbeit als Fotograf (und die Teilnahme an einer Demonstration gegen das Assad-Regime) hat ihn ins Gefängnis gebracht. Ismail konnte in die Türkei fliehen, wo ein Teil seiner Familie bereits seit einer Weile lebt. Von dort aus trat er in einem Flüchtlingsboot seine Reise übers Mittelmeer Richtung Italien an. Seit Oktober 2014 lebt er in einer Flüchtlingsunterkunft in Ahlem.

Als der Badenstedter Kulturtreff Plantage eine Ausstellung mit Naders Fotos zeigte, war auch Nico Herzog unter den Besuchern. Der hannoversche Fotograf, der auch für die HAZ arbeitet, war vor allem von den Aufnahmen, die der Syrer auf dem Boot im Mittelmeer gemacht hat, berührt und begeistert. „Man sieht sofort, dass er Talent hat“, sagt der 30-Jährige. Außerdem könne Ismail eine „Innenperspektive“ vermitteln: Die meisten Flüchtlingsfotos zeigen eine Außenperspektive - wenn Fotografen ankommende Boote an Land oder vom Hubschrauber aus aufnehmen.

Ein kreatives Duo

Mittlerweile treffen sich die beiden Männer regelmäßig. Nico Herzog versucht Nader Ismail, „Werkzeug an die Hand zu geben“. Das heißt zum Beispiel: Ihm zu vermitteln, dass eine Fotoreportage eine Dramaturgie braucht, einen roten Faden, einen Protagonisten, von dem die Bilder erzählen. Geld bekommt Herzog für sein Engagement nicht. Das sei ihm auch nicht wichtig. „Ich finde es schön, jungen Fotografen etwas mit auf den Weg zu geben“, sagt der Absolvent der hannoverschen Hochschule für Fotografie, der regelmäßig Workshops für Nachwuchsfotografen leitet.

Herzogs und Ismails Treffen sind quasi ein Pilotprojekt. Die zwei bilden ein kreatives Duo, wie es sich der hannoversche Verein kre-H-tiv, ein Netzwerk für Künstler und Kreative, erhofft. Projektleiter Kai Schirmeyer will zwischen kreativen Hannoveranern und Flüchtlingen Brücken bauen. Chor- und Kunstprojekte für und mit Flüchtlingen gibt es, doch die jüngste Idee ist, Tandems wie Ismail und Herzog auf den Weg zu bringen.

Der Syrer ist froh über jede Möglichkeit, sich zu betätigen. Man spürt, dass ihm die Arbeit und die Aufmerksamkeit, gut tun, dass er auch gern mit Karsten Grimpe von der Initiative KunstLichtBlick, der ihn ebenfalls unterstützt, zusammenarbeitet. Demnächst zieht Nader Ismail in eine kleine Wohnung nach Linden. Seinen Traum, in Hannover Fotografie zu studieren, hat er erst mal aufgegeben. Er möchte sein IT-Studium, das er in Syrien begonnen hat, fortsetzen. „In Deutschland als Fotograf zu arbeiten, ist hart“, sagt er, das habe er in der kurzen Zeit in Hannover bereits erkannt. Ein kreativer Realist.

Für den 4. September, 18.30 Uhr, lädt kre-H-tiv ins Kleefelder Trafolab, Nackenbergerstr. 2, ein: Dort zeigen Hannoveraner auf Fotos und kurzen Filme ihre Stadt - eine Einladung, über den Begriff Heimat zu sprechen.

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