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Kreativzentrum Hafven eröffnet in der Nordstadt

Großprojekt Kreativzentrum Hafven eröffnet in der Nordstadt

Gemeinsam geht doch alles besser: Die Denk- und Austauschwerkstatt Hafven in der Nordstadt geht am Sonnabend an den Start – und lädt zum Tag der offenen Tür ein. Das Großprojekt für Kreative überzeugt mit einem neuen Arbeitskonzept unter dem Motto "Tisch, Stuhl, Internet".

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Das Atelier im ersten Stock und seine wesentlichen Elemente: Tische, Stühle, Laptops, Menschen.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Es ist eine Baustelle. In jedem Raum arbeiten Handwerker. Sägen, schleifen, hämmern, reden, telefonieren, diskutieren, helfen sich gegenseitig. Das passt in dieses Haus. Die Eröffnung steht vor der Tür. Grund genug, hektisch zu werden und ein wenig zu verzweifeln. Irgendwie ist noch nichts fertig. Denkt der Laie. „Work in Progress“, sagt Pauline Raczkowski. Und dann fängt sie mitten im Baulärm zu schwärmen an.

Von Inspiration und Spirit dieses Projekts, das den seltsam verrätselten Namen Hafven trägt und in der Nordstadt, an der Ecke Weidendamm/Kopernikusstraße emporragt. Ein dunkelgrauer Klotz von außen, der an den Sprengel-Anbau erinnert, aber durch seine schräge, offene Dachkonstruktion auch schon von hier eine verspielte Leichtigkeit hat. Innen verfliegt die Klotzigkeit durch eine offenen Bauweise mit Innenhof und vielen Fensterfronten, die viel Licht reinlassen. „Das Haus steht fürs Mitmachen und miteinander Dinge zu schaffen“, sagt Raczkowski.

Das Kreativzentrum Hafven in der Neustadt geht am Sonnabend an den Start. Ein Blick in die Räumlichkeiten.

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Das Besondere, das Neue an dem Großprojekt ist das Arbeitskonzept. Coworking Space heißt eines der Schlüsselworte, das eine Arbeitswelt beschreibt, die sich nicht mehr über ein festes Kollegenteam mit festen Arbeitsplätzen definiert. „Tisch, Stuhl, Internet“, so beschreibt es Hannes Buchholz, einer der Gründer des Hafvens. Der frühere Design-Student der Hochschule Hannover kommt wie die Fotohistorikerin Raczkowski auch aus dem Edelstall, einer Bürogemeinschaft für Kreative, die in Linden sechs Jahre lang erfolgreich den Coworking-Gedanken vorangetrieben hat. Für Menschen, die außer „Tisch, Stuhl, Internet“ erst mal nichts brauchen, weil ihre Arbeitsgeräte Laptop und Smartphone sind. Was eine Coworking-Umgebung ihnen bieten kann, ist Austausch mit anderen Kreativen, mit denen sie ihr Wissen teilen und sich gegenseitig unterstützen können. Und damit auch den Gedanken des allmächtigen Netzwerks relativieren, der eine Messe wie die Cebit hat schrumpfen lassen. Hier wird sich nun wieder getroffen, echte Menschen in echten Räumen. „Natürlich ist es beides“, sagt Buchholz, „wir können gemeinsam natürlich eine große Reichweite für Ideen schaffen. Aber wir haben auch gelernt, dass es gut ist, einen Raum zu haben, in dem man gemeinsam arbeitet.“

Das Besondere ist das Konzept

Der Hafven geht beim gemeinsamen Arbeiten nun einen Schritt weiter. Neben dem Edelstall geht auch das Projekt Die Werke in dem Kreativklotz auf. Das sind offene Werkstätten, ein Makers Space hauptsächlich für Holz und Metall, in denen man Maschinen und Werkzeuge nutzen kann, für die nicht jeder junge Handwerker das Geld hat. In einem sogenannten FabLab können weitere Produktionsmittel genutzt werden wie Laserschneider oder Druckmaschinen.

In den Werkstätten entstehen auch viele Tische und Schränke, die in den Ateliers, Räumen, Areas und Spaces stehen werden. Das Wort Büro ist im Sprachgebrauch der Hafvenarbeiter über Bord gegangen. Auch der Name Hafven, wie zu vermuten gemeinschaftlich entstanden, spiegelt den Denglisch-Mischmasch wider, der in dieser Arbeitsgeneration, dieser Community, eine Selbstverständlichkeit ist.

Rund 2200 Quadratmeter Space stehen insgesamt zur Verfügung. Neben den Ateliers, Besprechungszimmern, Coworking-Räumen und Werkstätten gibt es ein Café mit Küche, großzügige Open-Air-Plattformen in den verschiedenen Atrium-Etagen, die sowohl Arbeits- als auch Freizeitfläche sind. Im Keller ist eine Tiefgarage für knapp 20 Autos. Das Dach bietet die Möglichkeit, Solarstrom zu erzeugen und möglicherweise irgendwann ein bisschen Urban Gardening zu betreiben, also etwas anzubauen, das dann in der Küche zubereitet werden kann. Auch hier will man zumindest teilweise einen eigene Produktionskette schaffen.

Gut 5 Millionen Euro hat der Bau gekostet. Finanziert vom Unternehmer Jürgen Pleteit, der im Team der Werke war, die Mitte September dichtgemacht haben und nun im Hafven aufgehen. Pleteit, von Haus aus Elektrotechniker, hat als Investor und Bauherr das Haus an die Hafven GmbH vermietet, deren Geschäftsführer er nun ist. Über Beiträge der bislang gut 300 Mitglieder und die Nutzungsrechte für Räume und Maschinen fließt etwas zurück, aber man wird auch Geduld haben müssen.

"Ein ganz schöner Oschi"

„Manchmal macht mir das schon Angst“, sagt er, das Projekt sei ein „ganz schöner Oschi“, aber er sei auch voller Zuversicht. Der zweite Hafven-Geschäftsführer Jonas Lindemann ergänzt: „Dass Coworking ein funktionierendes Geschäftsmodell sein kann ist bewiesen. Wir wollen zeigen, dass das auch mit Werkstätten geht und dass man keine eigene Infrastruktur mehr besitzen muss, weil hier alles Nötige zur Verfügung steht.

Der Standort nah an der studentischen Nordstadt scheint perfekt gewählt. Aber diese Wahl hat auch pragmatischere Gründe, wie Pleteit ganz unprätentiös erklärt: „So viele freie Grundstücke gibt es nicht in zentraler Lage. Wir haben geguckt, was es gibt. Und dieses hier war frei.“

Am Sonnabend nun ist Tag der offenen Tür, der hier, klar, open House heißt. Es wird nicht alles fertig sein. Aber der Spirit, der ist schon drin im Hafven. Den sollen die Leute spüren, finden Buchholz und Raczkowski. Nachbarn und Interessierte sollen diese neue, flexible Arbeitswelt begreifen, die so spielerisch, manchmal fast ein wenig esoterisch klingt und doch erwiesenermaßen Synergieeffekte von großer Wucht erzeugen kann.

Schweißen, Siebdrucken, Skulpturen

Einen kleinen Einblick in das Spektrum des Havfens gibt es auch: Einblicke in das Schweißen, Siebdrucken und die Bedienung einer CNC-Portalfräse, eine Szenografin erklärt, wie man eine Festivalskulptur baut, eine Einführung ins Drohnenbauen, Erfahrungsberichte aus der Virtual Reality, Stand der Dinge zum hannoverschen Surfprojekt Leinewelle, dazu Musik und Kulinarisches. Hinzu kommt das, was sich aus dem Tag so ergibt. Es geht eben immer weiter im Hafven. Eine Baustelle zu sein, ist vielleicht gar nicht so schlimm.

Was ist eigentlich ...

Coworking Space: Offene Räume, in denen kreative Freiberufler und andere nebeneinander und gegebenenfalls zusammenarbeiten und voneinander profitieren. Mach du meine Fotos, , ich bau dir die Website. Zum Beispiel. Auch Großunternehmen sind längst auf die Arbeitsweise aufmerksam geworden.

Maker Space bezeichnet Produktionsstätten, in denen die Maker, die Hersteller also, mithilfe von Produktionsmitteln Lösungen jenseits kommerzieller Wege suchen. Oft sind Neugier und Lernwille die Antriebe, mit den Maschinen und Hilfe anderer Neues zu schaffen.
 
FabLab: steht für „Fabrication Laboratory“ und bezeichnet eine offene Werkstatt, in der teure Maschinen wie Lasercutter oder computergesteuerte Fräsen für die Nutzer zur Verfügung stehen.

Meetup : Ein Sozialnetzwerk, bei dem sich Gruppen mit speziellen Interessen, seien es Musiker, Sammler oder Weinkenner, verabreden, um sich vor Ort zu treffen.

BarCamp ist eine offene Tagung, eine Mischung aus Diskussionen und Workshops zu bestimmten Themen, die die Teilnehmer selbst organisieren und bei denen jeder aufgefordert ist, mitzudiskutieren oder Vorträge zu halten.

Inkubator ist ein Gründerzentrum, ein Brutkasten für Start-Up-Unternehmer, das die jungen Gründer unterstützt und vernetzt. Meist bringen diese Zentren in einem städtischen Umfeld Arbeitsräume und Freizeitumfeld zusammen.

Design Thinking geht davon aus, dass unterschiedliche Disziplinen schneller zu nutzerorientierten Lösungen kommen, wenn sie in einem kreativen Umfeld gemeinsam zunächst die - designertypische - Frage klären, was der Nutzer überhaupt will oder wollen könnte.

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