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Aus der Stadt Neue Wege bei Behandlung von Lebermetastasen
Hannover Aus der Stadt Neue Wege bei Behandlung von Lebermetastasen
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00:15 13.05.2017
Von Susanna Bauch
Neuer Weg Richtung Hoffnung: Nicola Jahnkes Perspektive ist nach der Operation viel besser geworden. Quelle: Kutter
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Hannover

Zwei Tage nach der Diagnose lag Wilfried C. bereits auf dem OP-Tisch. Bei dem 63-Jährigen aus Garbsen wurde ein Tumor im Darm entdeckt und sogleich entfernt. Allerdings hatte dieser bereits Metastasen in der Leber gebildet – theoretisch eine schwierige Prognose. „Zumal der kaum befallene Leberlappen des Patienten außergewöhnlich klein war“, sagt Prof. Josef Fangmann, Leiter der noch jungen Abteilung für Leberchirurgie im Krankenhaus Siloah.

Wilfried C. erinnert sich, dass er mit gebremster Hoffnung vor dem Professor saß. „Er hat dann auf einem Blatt Papier kurz skizziert, was er vorhat, und vor allem hat er das Wort Heilung ausgesprochen“, sagt der 63-Jährige. Und dieses Wort, der Gipfel aller Hoffnung, hat ihn beflügelt. Da sein linker Leberlappen zu klein war, konnten die Ärzte den anderen, stark von Metastasen befallenen Lappen nicht ohne Weiteres entfernen. Eine „onkologisch sehr komplizierte Situation“, wie Fangmann sagt. Also suchten die Mediziner nach einer Alternative.

Neue Möglichkeiten

Dickdarmkrebs gehört zu den häufigsten Tumorerkrankungen. Rund 70.000 Menschen erkranken jährlich an Darmkrebs, fast die Hälfte dieser Patienten entwickelt Lebermetastasen. Noch nie aber waren deren Prognosen so hoffnungsvoll wie heute, denn die Möglichkeiten in der Leberchirurgie haben sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Fast alles ist möglich. „Wir können das Organ vergrößern, verkleinern, die Tumoren beeinflussen und Leberarsenale verändern“, so Fangmann. Längst könne man die Leber plastisch manipulieren und Metastasen nicht nur palliativ behandeln. Die Ärzte können auch radioaktive Partikel in die Leber schwemmen, die im besten Fall den Tumor vernichten.

Bei Herrn C. fiel Prof. Fangmann und seinem Team eine andere Lösung ein: „Wir haben zunächst einmal den Primärtumor sowie die Metastase in dem kleinen Leberlappen in einer Operation entfernt“, sagt Fangmann. Dann wurde die sogenannte Pfortader, die die beiden Leberlappen verbindet und versorgt, zu der befallenen Seite geschlossen. Auf diese Weise floss das gesamte Blut nur noch in den mittlerweile gesunden Leberlappen. Dieser wuchs dadurch und funktioniert nun gewissermaßen alleine. „In einer zweiten OP haben wir dann den befallenen Leberlappen komplett entfernen können, sodass Herr C. nun im medizinischen Sinne tumorfrei ist“, sagt der Professor. Tumorfrei. Darauf hatte C. kaum zu hoffen gewagt.

Nach einer Chemotherapie besteht nun die Hoffnung auf komplette Heilung. „Früher hätte man in dieser Situation wohl nur eine Chemotherapie angesetzt“, sagt Wilfried C. Die neue Perspektive ergebe auch für die Psyche eine komplett andere Situation. „Ich bin mehr als glücklich, dass mich mein Hausarzt an die Leberchirurgie überwiesen hat, es ist so viel möglich heute“, sagt Wilfried C.

Neue Hoffnungen machen auch Immuntherapie und Medikamente. „Durch die chirurgische Entfernung von Lebermetastasen wird die Prognose viel günstiger, sehr oft können wir sogar von Heilung sprechen“, betont der Professor. In der Region Hannover gebe es rund 1000 jährliche Neuerkrankungen an Dickdarmkrebs, rund 400 davon entwickeln sogenannte Tochtergeschwülste in der Leber.

Fangmann rät zu regelmäßiger Vorsorge. Ultraschallkontrollen der Leber etwa seien weder gesundheitsschädigend noch kostenaufwendig, dafür aber in puncto Früherkennung extrem effektiv. Denn nicht nur Dickdarmkrebs streut oft in die Leber. Auch Tumore in der weiblichen Brust, im Magen oder in der Bauchspeicheldrüse können Metastasen in der Leber bilden.

Die Akte war schon geschlossen

Auch Nicola Jahnke verdankt ihre Lebensperspektive der Leberchirurgie im Siloah. Ende 2015 hatte man in einem hannoverschen Brustzentrum ihre Akte bereits zugeklappt: „Brustkrebs mit Metastasen in der Leber.“ Sie sei nur noch palliativ zu behandeln, das Kind sei bei ihr ja schon in den Brunnen gefallen, hieß es. „Sätze, die sind eingebrannt in meinem Kopf und haben mich fast aufgeben lassen.“ Aber die alleinerziehende Mutter zweier Töchter wollte sich dem Krebs nicht so leicht geschlagen geben.

Sie ließ sich gegen den Rat der Ärzte die Brust operieren und wurde wegen der Lebermetastasen ebenfalls an die Leberchirurgie und Prof. Fangmann verwiesen. Sämtliche Metastasen in beiden Leberlappen wurden dann in einer Operation entfernt. Diese liegt rund eineinhalb Jahre zurück, und die 45-Jährige aus der Wedemark ist seitdem krebs- und metastasenfrei.

„Ich weiß natürlich, dass ich auf einem Pulverfass sitze“, sagt sie. Aber sie habe jetzt eine gute Grundlage und eine neue Perspektive. Sie rät Krebspatienten, sich stets mehrere Meinungen einzuholen und auch außerhalb der Leitlinien zu agieren. „Jeder Fall muss individuell betrachtet werden“, sagt auch Chirurg Fangmann. Alles andere sei unseriös.

Nicola Jahnke hat ihren eigenen Weg Richtung Hoffnung gefunden. Und ist angekommen.     

Hohe Zahlen an Tumoren

Seit März 2015 besteht am Klinikum Siloah die Sektion für Hepatobiliäre Chirurgie (HPB Chirurgie) unter der Leitung von Prof. Josef Fangmann. Sie wurde einerseits eingerichtet, weil Leberchirurgie und Gallengangschirurgie hochkomplexe Eingriffe sind, die enorme Erfahrung und Kenntnisse des Operateurs voraussetzen. Andererseits steigt die Zahl der Patienten mit Lebertumoren und insbesondere mit Lebermetastasen enorm an. Bösartige primäre und sekundäre Tumorerkrankungen der Leber, die Karzinome der Gallenwege und der Gallenblase führen unbehandelt zum Tod.

Im Siloah werden bösartige Tumore der Leber, der Gallenblase und der Gallengänge in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der Klinik für Gastroenterologie, der Radiologie, der Strahlentherapie und der Klinik für Onkologie behandelt.

Im Rahmen von wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Tumor-Konferenzen, an denen Ärzte der Leberchirurgie, der Inneren Medizin, der Onkologie, der Radiologie und der Pathologie teilnehmen, werden nach Durchsicht und Diskussion aller Befunde die weiteren Behandlungsschritte gezielt geplant. „Weiterhin beteiligen wir uns an klinischen Studien, in denen vor allem Verbesserungen der bestehenden Therapieformen und neue Therapieformen (etwa Medikamente) für Patienten in fortgeschrittenem Erkrankungsstadium geprüft werden“, erläutert Prof. Fangmann. sub

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