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Geburtenrekord bringt Stadt bei Krippen in Not

Kinderbetreuung Geburtenrekord bringt Stadt bei Krippen in Not

Die Stadt Hannover kommt mit dem Krippenausbau nicht hinterher – und das, obwohl sie allein bis Ende 2016 noch rund 400 Plätze für Ein- bis Zweijährige schaffen wird. Grund dafür ist das anhaltende Geburtenhoch in Hannover. Zugleich wird weiter über die Erhöhung der Kita-Gebühren diskutiert.

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Eltern haben einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz.

Quelle: dpa

Hannover. Die Stadt Hannover schafft es kaum noch, genügend Krippenplätze für Kinder einzurichten. Der Grund: In Hannover werden immer mehr Kinder geboren. Nach derzeitigen Schätzungen hat die Zahl der Ein- und Zweijährigen im September erstmals die Grenze von 10.000 überschritten. Vor zwei Jahren waren es noch rund 700 Krippenkinder weniger. Das geht aus dem Halbjahresbericht zur Kinderbetreuung in Hannover hervor, der am Montag im Jugendhilfeausschuss Thema war.

Da Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz haben, baut die Stadt weitere Einrichtungen auf. 107 Plätze sollen noch 2015 entstehen, rund 300 Plätze 2016. Weil das nicht ausreicht, sollen in Hannover-Mitte und im Sahlkamp provisorische Betreuungseinrichtungen in Containern entstehen. Dennoch kritisierte Désirée Barnert (SPD), es gehe zu schleppend vorwärts. Wegen des Babybooms ist in Hannover trotz des Ausbaus von Krippen und Kitas die Versorgungsquote um ein Prozent auf 53,4 Prozent gesunken - die Stadt kann also wieder weniger Kindern einen Betreuungsplatz bieten. Damit geht die Stadtverwaltung das Risiko ein, verklagt zu werden. Denn inzwischen können sich Eltern auf einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz berufen. Eine eventuell höhere Nachfrage nach Plätzen durch die hohen Flüchtlingszahlen ist hier noch nicht einmal eingerechnet.

Debatte um Gebührenerhöhung

In der Sitzung hat die Stadt auch die neue Gebührentabelle für Kitas und Krippen eingebracht. Der Höchstsatz steigt dabei um 61 Euro, zugleich hebt die Stadt die Einkommensgrenzen an, sodass Eltern mit mehr Haushaltseinkommen auch mehr Geld für Kinderbetreuung zahlen. Vom Kita-Stadtelternrat hagelt es Protest. Ob es Zufall sei, dass die Elternbeiträge genau in dem Moment erhöht würden, in dem die Gewerkschaften mehr Geld für Erzieher forderten, fragte dessen Sprecher Georg Weil gestern. Der Elternrat hält die neue Gebührenordnung für ungerecht. Bis zu 25 Prozent stiegen die Beiträge in manchen Fällen. Das Gremium plädiert dafür, Kinderbetreuung umsonst anzubieten. Hannover aber will seine Einnahmen aus den Elternbeiträgen um 1,4 Millionen Euro steigern. „Die Qualität in den Kitas hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht“, sagte Sozialdezernent Thomas Walter (CDU) gestern.Qualität habe auch ihren Preis.

Der Vergleich mit anderen Großstädten zeigt, dass Eltern in Hannover besonders hohe Kita-Beiträge zahlen. In München liegt der Höchstsatz für eine Ganztagsbetreuung im Kindergarten bei 202 Euro, in Hannover sollen es künftig 305 Euro sein. Aber nur Münchner Gutverdiener mit einem Jahreseinkommen von mehr als 60 000 Euro zahlen den vollen Betrag, in Hannover reicht etwa die Hälfte dieses Jahreseinkommens für die höchste Gebührenkategorie. In Hamburg ist die Halbtagsbetreuung von Kindern bis zur Einschulung kostenfrei. Wer mehr Zeit braucht, zahlt 175 Euro Höchstsatz für einen Kita-Platz. In Berlin ist das letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung umsonst, der Höchstsatz für die Ganztagsbetreuung liegt bei 466 Euro - jedoch für Eltern mit einem Jahreseinkommen von mehr als 81 000 Euro.

Von Jutta Rinas und Andreas Schinkel

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