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Aus der Stadt Kritik an Idee zum Umbau der Markthalle
Hannover Aus der Stadt Kritik an Idee zum Umbau der Markthalle
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00:26 21.01.2016
Von Conrad von Meding
Quelle: Surrey
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Hannover

„Stillstand ist nie gut“, sagt Café-Inhaber Jonas Jost: „Wenn alles so bleibt, wie es ist, dann wird die Markthalle zum Auslaufmodell.“ Seit genau zehn Jahren betreibt er sein „Il Monello“ am Südende der Halle, und er kann den Plänen der Hamburger Investoren durchaus etwas abgewinnen, den Nachkriegsbau abzureißen und eine Rekonstruktion der kriegszerstörten Jugendstilhalle zu errichten. „Aber man müsste dann eine Ausweichfläche schaffen für uns Standbetreiber während der Bauzeit“, sagt er.

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Die Markthalle auf einer Aufnahme um das Jahr 1892. 

Die Nachricht vom möglichen Neustart im Bauch von Hannover war in den letzten Tagen das Gesprächsthema schlechthin in der Markthalle – und hat einiges Grummeln ausgelöst. Man kann die Positionen vereinfacht so zusammenfassen: Die meisten Händler wollen am liebsten nichts Grundlegendes ändern, sie haben sich in der Immobilie ganz gut eingerichtet. Bei den von der HAZ befragten Kunden dagegen sieht das völlig anders aus: Alle sprechen sich für eine Modernisierung im Inneren aus – und finden die Jugendstilfassade schöner als den derzeitigen Zustand. Das geht so vom 75-jährigen Rentner Fritz Decher aus Bemerode („Ist ja alles ein bisschen verstaubt hier“) bis zur 23-jährigen Auszubildenden Nele Weber aus der Südstadt („Innen könnte es gemütlicher sein und von außen stilvoller.“) – wobei beide trotzdem auch in diesem Gebäude gerne auf einen Kaffee vorbeikommen.

Was halten die Händler von den Plänen....

Muzzafer Seyrek, Gemüsestand „Grüne Insel“: Unsere Markthalle ist gut. Wenn sie abreißen, sollen sie die neue Halle mit Tiefgarage aufbauen.

Karen Klemme, „Fleischerei Karen Klemme“: Wenn unsere Markthalle schließt, dann gehe ich. Was soll ich sonst in der Wiederaufbauphase tun?

Jonas Jost, Café „Il Monello“: Wenn alles so bleibt, wie es ist, dann wird die Markthalle ein Auslaufmodell.

...und was die Kunden?

Monika Flohr, Reiseverkehrskauffrau, Laatzen: Die Jugendstil-Halle wäre ein Aushängeschild für Hannover. Aber die Händler täten mir leid.

Inge Letschert, Medizinassistentin, Misburg: Heute ist die Markthalle hässlich. Ich fände den Neubau super – wie auf diesem Bild hier.

Janni Papageorgion, Mobilfunkangestellter, Döhren: Atmosphäre und Preise hier sind gut. Aber die Halle hat den Charme eines Media-Markts.

Richtig sauer ist hingegen Markthallenverwalter Gerhard Schacht. „Diese angeblichen Investoren haben einen Sturm im Wasserglas entfacht und Ängste bei den Mietern geschürt“, ärgert er sich. Es sei „eine Unverschämtheit, beim Baudezernenten vorstellig zu werden, bevor man mit den Eigentümern oder der Verwaltung gesprochen“ habe. Im Kern bestätigt er aber: Ja, es habe ein Verkaufsinteresse bei mindestens einem Anteilseigner gegeben. „Durch die Berichterstattung ist der Preis jetzt aber von 13,5 auf 18 Millionen Euro gestiegen.“ Im Übrigen seien die Rekonstruktionspläne schlicht nicht zu verwirklichen.

Nicht nur, dass der Glasaufzug der U-Bahnstation und die umgestaltete Karmarschstraße der sehr viel breiteren Jugendstilhalle im Wege stünden. Nicht nur, dass von den 68 Einzelmietverträgen diverse noch über fünf Jahre und einige sogar noch fast zehn Jahre liefen. Vor allem der Denkmalschutz stehe Abrissplänen entgegen. „Wir haben hier ganz klare Denkmalauflagen für die Markthalle, die uns Investitionen von Hunderttausenden Euro abverlangt haben – ich glaube nicht, dass sie einfach abgerissen werden darf.“

Aktuelle Markthalle: Zeugnis der Wiederaufbaugeschichte

Das bestätigt der zuständige Landesdenkmalpfleger Rocco Curti. Hannovers aktuelle Markthalle sei ein wichtiges Zeugnis der Wiederaufbaugeschichte. „In jedem Fachbuch über deutsche Nachkriegsarchitektur ist Hannovers herausragende Rolle beschrieben, und die Markthalle gilt mit ihrer Leichtigkeit und Transparenz als besonderes Beispiel“, sagt er. Deshalb stehe sie bereits seit 1989 unter dem Schutz des Gesetzes. Curtis Prognose, ob sie zugunsten eines Jugendstilreplikats abgerissen werden darf, fällt ziemlich prägnant aus: „Nein“.

Für Cafébetreiber Tijam Valipur ist das eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich. Seit 2000 betreibt er sein Café am Nordende der Markthalle. Zwei Bilder vom Jugendstilvorläufer hängen bei ihm an der Wand, eines hat er sogar extra von einem Künstler colorieren und in Goldrahmen fassen lassen. „Die alte Version finde ich viel schöner“, schwärmt er. Und doch graust ihm vor den Investorenplänen. „Die Mieten werden steigen – und wo soll ich während der bestimmt mehrjährigen Umbauphase mein Geld verdienen?“, fragt er. Auch Fleischerin Karen Klemme, die ihren Stand in zweiter Generation betreibt, hat Zweifel. „Diese Investoren könnten sich mal um die Toiletten kümmern und um einen einheitlichen Fußboden“, sagt sie: „Ich bin es leid, ständig von Kunden auf den Sanierungsbedarf angesprochen zu werden.“

Gemüsehändler Muzzafer Seyrek dagegen, seit 36 Jahren Mieter und damit dienstältester Markthallen-Standinhaber, hat einen ganz anderen Wunsch: „Wenn neu gebaut wird, könnte man eine Tiefgarage einrichten.“ Denn mit den Neubauplänen der Stadt am Köbelinger Markt gingen demnächst viele Parkplätze verloren. Doch im Grunde ist er sehr skeptisch, was einen Neubau betrifft. „Die Markthalle funktioniert, wie sie ist“, sagt er, und jede Neuerung birgt ein Risiko.“

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