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Nach Pumpgun-Vorfall

Kritik an Kontrolle von Waffenbesitzern in Hannover

Von Sonja Fröhlich

Schärfere Kontrollen bei Waffenbesitzern fordert die Opferhilfeorganisation Weißer Ring von der Stadt. Anlass ist der Prozess gegen einen psychisch kranken Hannoveraner, der mit einer Pumpgun und 300 Schuss Munition durch Hildesheim gezogen war.
Die Opferhilfeorganisation Weißer Ring fordert schärfere Kontrollen bei Waffenbesitzern.

Die Opferhilfeorganisation Weißer Ring fordert schärfere Kontrollen bei Waffenbesitzern.

© dpa (Archivbild)

Hannovers Stadtverwaltung hatte dem 32-Jährigen noch ein Jahr zuvor seine Waffenbesitzkarte verlängert – obwohl dieser bereits psychisch auffällig war. „Die Mechanismen zur Kontrolle sind äußerst fragwürdig“, sagte Landesvorsitzender Rainer Bruckert. Der Weiße Ring fordert von der Stadt, die Waffenbesitzer regelmäßig persönlich zu überprüfen.

Dem Gesetz zufolge muss die Stadt die Inhaber von Waffenbesitzkarten mindestens alle drei Jahre kontrollieren. Meist ist die Verlängerung der Lizenz aber eine schriftliche Formsache – maßgeblich ist nur ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis. „Dadurch ist faktisch keine Verwaltung in der Lage, zu prüfen, ob ein Waffenbesitzer nach Jahren noch dieselbe Persönlichkeit ist, die er bei Antragstellung war“, kritisiert Bruckert, hauptberuflich Kriminalbeamter beim Landeskriminalamt (LKA): „Unter Umständen hat sich der Waffenbesitzer zu einem neurotischen oder paranoiden Einzelgänger entwickelt, der im Besitz großkalibriger Waffen zu einer tickenden Zeitbombe geworden ist.“

Im November vergangenen Jahres war der 32-jährige Hannoveraner mit einer Pumpgun, einer Vorderschaftrepetierflinte, und 300 Schuss Munition vor einem Krankenhaus in Hildesheim aufgetaucht. Nach einem Hinweis nahm ihn die Polizei dort fest. In dem Strafprozess stellte sich nun heraus, dass der psychisch labile Mann unter Wahnvorstellungen litt und sich von Feinden umzingelt fühlte – er hätte sich wohl auch bei einer vermeintlichen Bedrohung verteidigt. Schon einige Tage zuvor hatte ein 42-jähriger Jurist zwei Detektive in der Galeria Kaufhof mit einem geladenen 357er Magnum-Colt bedroht, weil sie ihn bei seinem Beutezug erwischt hatten. Der Mann habe aus „Abenteuerlust“ gehandelt, wie ein Psychiater später feststellte. Beide Männer waren als Sportschützen beziehungsweise Jäger registriert und durften die Schusswaffen zwar nicht in der Öffentlichkeit mit sich herumtragen, aber eben besitzen.

Stadt will nichts ändern: Nach Auskunft von Stadtsprecher Udo Möller sind in Hannover derzeit 4383 Waffenbesitzer mit 17 510 Waffen registriert. Die Stadt will an der Durchsetzung des Waffengesetzes nichts ändern. Möller verweist auf die verdachtsunabhängigen Kontrollen, die das Gesetz seit dem Amoklauf in Winnenden vorsieht. Zwei neue Mitarbeiter seien eingestellt worden, letztes Jahr wurden 311 Waffenbesitzer in Hannover kontrolliert. Auch die Polizeidirektion sieht keinen Bedarf, die Kontrollen weiter zu verschärfen. Probleme bereiteten eher diejenigen, die sich am Steintor illegal Waffen besorgten, so Behördensprecher Thorsten Schiewe.

Dem widerspricht LKA-Mann Bruckert. Es sei ein weit verbreitetes Märchen, dass Normalbürger sich dort mal eben eine Waffe organisieren könnten. „Die meisten schweren Straftaten werden nach wie vor mit legalen Waffen begangen.“ Dabei gehe es um Eifersuchtstaten ebenso wie Amokläufe. Wie der in Winnenden am 11. März 2009, als ein 17-Jähriger nahe einer Schule 15 Menschen und sich selbst tötete. Dafür hatte er die Waffen benutzt, die sein Vater als Sportschütze in einem Schrank aufbewahrte. Wie sich herausstellte, befand er sich schon vor der Tat in psychiatrischer Behandlung. In der 27.000-Einwohner-Stadt werde seitdem jeder Waffenbesitzer regelmäßig zu Hause besucht, sagt Volker Bühler vom Ordnungsamt in Winnenden: „Nach so einer Tat sind wir natürlich in höchstem Maße sensibilisiert.“

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