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Aus der Stadt Kritik an Plänen zur Platzbebauung
Hannover Aus der Stadt Kritik an Plänen zur Platzbebauung
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22:05 23.06.2009
Von Conrad von Meding
Nach dem Krieg brutal auseinandergeschnitten: Die Nikolaikapelle könnte einem Entwurf des Büros Jabusch + Schneider zufolge unter einer Glaskuppel zu neuer Würde kommen. Quelle: Kris Finn

Sie ist so etwas wie das Mahnmal der Nachkriegszeit: „Seht, solche Wunden kann der einseitige Glaube an die Beschleunigung reißen“, scheint die fast 760 Jahre alte Nikolaikapelle in der Goseriede zu sagen. Nach dem Krieg hat man das älteste Bauwerk der Innenstadt einfach diagonal durchgesägt, um Platz zu schaffen für den Straßenraum zwischen Steintor und Klagesmarkt. Der barbarische Akt folgte der gleichen Logik, mit der auch die Celler Straße quer durch den benachbarten Denkmalsfriedhof gelegt wurde. Die Stadt will sich dieser Geschichte jetzt stellen. „Die Nikolaikapelle wird wieder aufgebaut“, hieß es plakativ beim Zukunftsdialog Hannover City 2020 am Montagabend vor fast 500 Interessierten im Sprengel Museum. Wie genau das geschehen soll, wird sich im internationalen Planerwettbewerb klären, der im nächsten Jahr Lösungen für die Problemzonen Hannovers entwickeln soll.

Speziell für die Kapelle gibt es allerdings bereits einen Entwurf, den das hannoversche Büro Jabusch + Schneider vor zwölf Jahren in einem Wettbewerbsbeitrag zur Umgestaltung des Klagesmarkts erarbeitet hat. Seine Qualität liegt darin, dass er die mutwillige Zerstörung der Kapelle nicht verschweigt, sondern der Ruine eine neue, gläserne Hülle gibt, unter deren Kuppel das Mauerwerk bewahrt wird und die zugleich eine Nutzung des einstigen Sakralraums etwa als innerstädtischen Tagungsort ermöglicht.

Wie die Stadt den zerschnittenen Friedhof wieder besser verzahnen will, darauf gab es am Montagabend noch keine Antworten. Einen Vorschlag aus der Runde, per Verkehrsgutachten eine vollständige Sperrung der dortigen Celler Straße zu prüfen, will die Stadtspitze zunächst nicht weiterverfolgen. Dabei scheint das Klima derzeit gut für den Rückbau von Straßen: An der städtischen Idee, die Straßenspuren des südlichen Cityrings am Leineufer zu reduzieren, entzündete sich kaum Widerspruch. Dafür gab es deutliche Warnungen aus dem Publikum vor einer übermäßigen Bebauung der innerstädtischen Plätze. Starken Applaus erhielt ein Wortbeitrag, der sich gegen die Bebauung des Steintorplatzes wandte – dabei ist der gar nicht Bestandteil des City-2020-Diskussionsprozesses, sondern schon in der konkreten Baurechtsvorbereitung. Wenn nun auch noch am Klagesmarkt, Köbelinger Markt und Marstall „nachverdichtet“ werde, drohe der Stadt genau die Qualität verloren zu gehen, die nach dem Krieg geschaffen wurde, wandten mehrere Redner ein: die Größe des Raums. Baudezernent Uwe Bodemann hielt dagegen, dass Hannovers Räume vielfach unwirtlich seien und Reparaturversuche etwa am Klagesmarkt bislang wenig gebracht hätten. Auch für eine mögliche Bebauung des durch Straßenreduzierung gewonnenen Freiraums am Leineufer gab es nur wenig Verständnis – dagegen viel Applaus für die „listigen Strategien“ der Freiraum-planerin Undine Giesecke. Sie regte etwa das Pegelanheben der Innenstadt-Leine an, um den Aspekt Wasser in der Stadt stärker zu betonen, oder das Verbinden bestehender Grünräume von Leine zu Ihme.

Populistische Forderungen wie die nach einem Abriss des Maritim Grand-Hotels brachten erwartungsgemäß lauten Applaus ein – vergeblich führte Bodemann aus, dass die Stadt keinen Einfluss auf bestehende Privatimmobilien habe. Dafür kam am Dienstag ein erster Vorschlag, wie die ganzen Pläne für den Umbau der Innenstadt überhaupt bezahlt werden können. Für die Verkleinerung von Straßen sind schließlich Millionen nötig, wofür im städtischen Haushalt derzeit kein Geld vorgesehen ist. Der Grünen-Baupolitiker Michael Dette regt jetzt an, nach dem Vorbild der kommunalen Tochtergesellschaft HRG, die sich etwa um Passerellen- und Raschplatzumbau kümmert, eine „Hannover Grundstücksgesellschaft City 2020“ zu gründen. Die könnte Kosten für den Rückbau von Straßen und für landschaftsgestalterische Projekte finanzieren, wenn ihr im Gegenwert bebauungsfähige Grundstücke etwa am Köbelinger Markt oder an der einstigen Wasserkunst überlassen würden. Baudezernent Bodemann wollte den Vorschlag am Dienstag noch nicht öffentlich kommentieren, deutete aber an, dass man „in solch eine Richtung“ auch schon denke: „Über den städtischen Haushalt sind solche Projekte wohl tatsächlich nicht zu finanzieren.“

Das ist „City 2020“

Der Zukunftsdialog soll Perspektiven für Hannovers Stadtentwicklung des nächsten Jahrzehnts und darüber hinaus aufzeigen. Derzeit laufen die Bürgerforen, in denen Interessierte unter speziellen Fragestellungen mit Experten über Ideen und Perspektiven diskutieren können. Das nächste und vorerst letzte Forum ist am 9. September mit dem Thema „Die aktive Stadt“. Im Herbst startet ein internationaler Planerwettbewerb zu ausgewählten „Interventionsorten“. Unter der Adresse www.hannovercity-2020.de gibt die Stadt Informationen zum Prozedere.

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