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Viele wollen lieber das Vorgängermodell

Sitze im TW 3000 Viele wollen lieber das Vorgängermodell

Zu hart und zu schmal, zu rutschig, zu hoch: Viele HAZ-Leser teilen die Kritik an den Sitzen im neuen Stadtbahnwagen. Üstra-Vorstand André Neiß verteidigt dagegen das Design des Interieur im neuen TW 3000.

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In der Kritik: Die Sitze im neuen TW 3000. Uestra-Chef Andre Neiß verteidigt das Design.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Stehbahnen mit Notsitzen“ - so gallig hat HAZ-Leser Jens Voshage am Donnerstag die neuen Stadtbahnen bezeichnet.  Er reiht sich damit in den recht eindeutigen Tenor der Internetkommentatoren ein, die den HAZ-Bericht über die Kritik an den in Längsrichtung aufgereihten Sitzgelegenheiten des TW 3000 diskutieren.

Durch die Bank werden die hölzernen Sitzmöbel als zu hart, zu schmal, zu rutschig und zu hoch bewertet. „Insbesondere die harten Ränder der Sitzflächen machen die Fahrten zu einem Martyrium“, merkt beispielsweise Carsten Schreiber an. Die Aussage der Üstra, dass Testgruppen die Sitze in einem Eins-zu-eins-Modell als bequem empfunden hätten, sei ihm und seiner Frau ein Rätsel.

Im Zuge der Diskussion sind sogar noch weitere Mängel moniert worden. So gibt es mehrere Kunden, die sich über die störenden Haltestangen hinter den Klappsitzen ärgern - sie drückten in den Rücken. Und einige behinderte Fahrgäste, an die die Üstra mit breiten Gängen, niedrigen Türknöpfen und orangefarbenen Haltestangen doch besonders intensiv gedacht hat, vermissen speziell gekennzeichnete Sitzplätze.

"Schlichte Nachbesserungen hätten gereicht"

Das Fazit vieler Kommentatoren: Sie nutzen lieber das Vorgängermodell, den Silberpfeil, als die neuen Züge. Dabei sind von diesen derzeit erst rund zehn Prozent der angepeilten 146 Wagen im Einsatz. Viele Üstra-Kunden kennen die zwischen Wettbergen und den nordöstlichen Quartieren pendelnden Züge noch gar nicht aus eigener Anschauung - möglicherweise kommt noch einiges auf das Nahverkehrsunternehmen zu.

So verwundert es nicht, dass HAZ-Leser Horst Bartels meint: „Ich hoffe, dass auf der Linie 4 auch künftig ausschließlich der sehr viel sympathischere Silberpfeil eingesetzt wird.“ Und er fragt sich, ob die Üstra unbedingt eine neue Stadtbahngeneration aufs Gleis schicken musste, sei dies doch mit riesigen Entwicklungskosten verbunden. Durch schlichte Nachbesserungen an den Silberpfeilen hätte man viel Geld sparen können, findet er. Die FDP-Fraktion im Stadtrat schlägt in die gleiche Kerbe, spricht von einem „millionenschweren Fehlkauf“. Die Üstra, sagt Fraktionschef Wilfried Engelke, müsse als kundenorientiertes Unternehmen sofort reagieren und die schmalen und unbequemen Sitze so schnell wie möglich austauschen. Zuvor aber solle das Unternehmen neue Mustersitze in den Verkaufsstellen aufstellen und die Kunden abstimmen lassen.

Der Üstra-Vorstandsvorsitzende André Neiß verweist darauf, dass es im Vorfeld viel positive Resonanz auf das neue Stadtbahn-Modell gegeben habe. Er gibt zu, dass die Erhöhung der Sitze kontrovers diskutiert worden sei, weil dies kleineren Fahrgästen durchaus Probleme bereiten könne. Doch weil es immer mehr Senioren gebe - die aus höherer Warte bequemer aufstehen könnten - und weil die Menschen generell immer größer würden, habe man sich für die höheren Bänke entschieden. Unterm Strich sei das Unternehmen stolz, den TW 3000 zu einem Stückpreis von rund 2,5 Millionen Euro gekauft zu haben: Das sei ein guter Preis, der bei einem aktuellen Neuabschluss sicher schon höher liege.

„Es ging nicht um Design-Ikonen“

 Es gibt vonseiten Ihrer Kunden massive Beschwerden über die neuen Sitze in der Stadtbahn TW 3000. Wie konnte es zu dieser Fehlplanung kommen?

Von Fehlplanung kann keine Rede sein. Die Üstra hat mit einem der größten deutschen Hersteller derartiger Sitze kooperiert und mehrere Modelle vorgestellt bekommen. Wir haben uns für diese entschieden, weil wir davon überzeugt sind.

Waren die Tests in der Planungsphase nicht gründlich genug? Durften auch Üstra-Kunden Probe sitzen?

Im Vorfeld haben 3000 Hannoveraner ein Eins-zu-eins-Modell begutachtet, darunter eine Gruppe von HAZ-Lesern. Dabei gab es kaum Kritik an den Sitzen, ebenso wenig wie bei einem Tag der offenen Tür. Den Kritikpunkt der zu scharfen Sitzkanten hatten wir aber schon frühzeitig aufgegriffen und diese abgerundet.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass bei der Entwicklung des Gestühls Design und Kostenzwänge eine gewichtigere Rolle gespielt haben als der praktische Nutzen für den Fahrgast. Hat die Üstra hier falsche Prioritäten gesetzt?

Zu den Auswahlkriterien der Üstra zählte sicher nicht, in den Fahrzeugen Design-Ikonen einzubauen, wir haben auch nicht gezielt den günstigsten Sitz ausgesucht. Andererseits spielen die Kosten immer eine Rolle, zudem kann man einen einteiligen Sitz mit glatten Flächen schneller und billiger reinigen als einen zweiteiligen oder einen gepolsterten. Auch den Fahrgästen sind saubere und hygienische Sitze sehr wichtig.

In den neuen Zügen sollen wechselnde Farbtöne der Beleuchtung für Wohlfühlatmosphäre sorgen. Sollte das Wohlfühlen beim Stadtbahnfahren nicht eher aus bequemem Sitzen resultieren?

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wir sind nach wie vor von der Ambientebeleuchtung überzeugt. Das Wichtigste ist doch, dass man mit dem TW 3000 schnell und sicher ans Ziel kommt.

Der TW 3000 scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Schweißnähte mangelhaft, zwei von drei Bremskreisläufen vorübergehend außer Kraft gesetzt, jetzt die heftigen Kundenbeschwerden zu den Sitzen: Wurde die Neuentwicklung mit heißer Nadel gestrickt?

Die Sache mit den fehlerhaften Schweißnähten und den zu hart eingestellten Bremsen hat uns geschmerzt, aber beide Probleme sind inzwischen behoben. Von heißer Nadel bei der Planung kann keine Rede sein, die Entwicklungszeit für das neue Fahrzeug betrug acht Jahre.

Wie groß sind die Chancen, dass die Beschwerden der Üstra-Kunden in Verbesserungen münden?

Wir werden uns die Sitze nochmals anschauen, aber bei Veränderungen nichts übers Knie brechen. Gegebenenfalls treten wir an den Hersteller heran und fragen ihn, ob er Abhilfe schaffen kann, etwa mit ausgeformten Sitzmulden. Doch auswirken kann sich das frühestens Ende 2016, wenn die Auslieferung der zweiten 50-Fahrzeuge-Charge beginnt.

Interview: Michael Zgoll

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