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Umbau

Kröpcke-Center soll größer, höher, weiter werden

Von Conrad von Meding

Der Umbau des Kröpcke-Centers soll termingerecht starten - auch ohne Zustimmung aller Anlieger.

Das Wort des Oberbürgermeisters soll plötzlich nicht mehr gelten. Im Konflikt um die Größe des neuen Kröpcke-Centers müsse der Düsseldorfer Investor sich mit sämtlichen Anliegern einigen, sonst werde die Stadt seine Pläne nicht unterstützen: Das hatte OB Stephan Weil am 28. September während einer Diskussionsrunde auf Nachfrage der HAZ ausdrücklich betont. Der Investor hat sich nicht mit allen Anliegern geeinigt – doch die Stadt will den Umbau des Betonklotzes jetzt trotzdem forcieren. Mit einem neuen Bebauungsplan, der die „Schwächen der alten Baugenehmigung heilt“, wie es inoffiziell im Rathaus heißt, soll der Spagat zwischen Versprechen und Realität gemeistert werden. Der Vorgang ist ein kommunalpolitisches Paradebeispiel dafür, wie schnell sich Sichtweisen ändern können, wenn eine 200-Millionen-Euro-Investition auf dem Spiel steht.

Nahezu alle Anlieger stehen dem geplanten Umbau kritisch gegenüber. Etliche von ihnen haben gegenüber der HAZ bestätigt, nur zähneknirschend zugestimmt zu haben. Einerseits, weil sie wollen, dass sich endlich etwas tut, auch wenn sie die neue Größe des Kröpcke-Centers für bedrohlich und die Gestaltung höchstens für „besser als das Bestehende“ halten. Andererseits, weil sie nicht wieder öffentlich als „Blockierer“ dargestellt werden wollen wie vor gut zehn Jahren. Damals haben sieben Anlieger des Kröpcke-Centers eine Klage gegen die Umbaugenehmigung finanziert – und am Ende nach jahrelangem Rechtsstreit in höchster Instanz verloren.

 

Nun sind die Anlieger nicht irgendwelche anonymen Hauseigentümer, Fondsgesellschaften oder Projektentwickler. Im Kern dieser Stadt sind die Besitzverhältnisse noch ganz traditionell: Fast alle Häuser am Kröpcke sind im Besitz alter hannoverscher Familien wie Buhmann, Bartels, Böx, Prenzler, Gauglitz oder Radelfahr, die dort zum Teil seit Generationen Geschäfte betreiben oder Immobilieneigentum haben, wenn auch vereinzelt in neuen Rechtsformen. Einige von ihnen sind nach dem Krieg faktisch teilenteignet worden, als ihnen verboten wurde, ihre Häuser in alter Tiefe wieder aufzubauen: Zugunsten des Stadtbildes sollten die Straßen breiter werden. Jetzt darf ein auswärtiger Investor die Straße wieder schmaler machen, indem er sein Kröpcke-Center erweitert. Der Investor wird das Gebäude marktfein machen und es anschließend verkaufen. Die Familien hingegen bleiben Hannover treu. Viele von ihnen haben jahrzehntelang Geld und Liebe in die Qualität der Einkaufsstadt gesteckt, haben die City-Gemeinschaft und ihre Vorgängerorganisation mitgegründet, begleiten Hannover durch Höhen und Tiefen. „Der Stadtspitze ist der auswärtige Investor offenbar mehr wert, als wir Alteingesessenen es sind“, sagt ein Anlieger enttäuscht.

Schon einmal, in den siebziger Jahren, haben viele dieser alteingesessenen Familien gegen das „Monster Kröpcke-Center“ protestiert, das damals geschaffen wurde. Sie fürchteten, dass es den Kröpcke, das Herz der Stadt, verschandeln würde. Etwa die Hälfte war dagegen, der damalige Stadtbaurat hat wortreich argumentiert, das Kröpcke-Center werde ein „Baudenkmal der sechziger und siebziger Jahre“ werden. In gewisser Hinsicht hat er damit recht gehabt, wenn auch anders als gedacht – das Kröpcke-Center gilt heute als Schandfleck. Doch um den Fehler von damals zu korrigieren, soll das neue Center nun noch größer werden. Investoren kennen eben kein Zurück, für sie muss es immer größer, höher, weiter sein, damit die Rendite stimmt. Doch niemand kann garantieren, dass das jetzt modernisierte Gebäude in 30 Jahren nicht wieder als zu groß empfunden wird – und ein neuer Investor dann fordert, dass er es erneut als Gegenleistung fürs Verschönern ein wenig vergrößern darf.

Formell geht es in dem Konflikt nur um ein paar Arkaden rund ums Haus, die laut Baugenehmigung verpflichtend angeordnet sind und die der Investor – nun mit Billigung der Stadt – künftig schließen will. Der Investor argumentiert, dass unter Arkadengängen oft gebettelt werde und der Handel daher Arkaden vermeiden wolle. Beim Kröpcke-Center aber geht es nicht nur um Gestaltung, sondern um viel Geld. Die Anlieger haben errechnet, dass das Schließen der Arkaden rund 750 Quadratmeter mehr Verkaufsfläche bringe – in Erdgeschosslage im Herzen einer Großstadt, wo jeder Quadratmeter kostbar ist. Die dadurch mehr erzielte Mieteinnahme dürfte bei rund einer Million Euro liegen – pro Jahr. Das sind Summen, von denen alteingesessene hannoversche Familien nur träumen können.

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  • Im März soll der Umbau starten Dieter Raschke – 06.03.09
    Den Kommentatoren dieses Artikels - aber auch den Stadtoberen - scheint nicht klar zu sein, was da entsteht. Dieses Gebäude - im Entwurf so sonnig beschienen - ist architektonischer Einheitsbrei im Großformat. Mit seiner fantasielosen, um das gesamte Gebäude herumreichenden Kasten und Zeilenstruktur und seinen tausend immergleichen Fenstern schiebt es sich bis zur Mitte des Platzes (Kröpcke) und erdrückt ihn!
    Ein Gebäude mit einer solchen Fassade hat vor allem einen Vorteil: Wegen der Wiederholteile ist es billig herzustellen! Billig wirkt es aber auch in seiner Gesamtheit!
    Ich war jedenfalls erschrocken, als ich mich einmal dort hin gestellt habe, wo der Bau auf dem Kröpcke spitz auslaufen wird und mir die monströsen Flanken in der geplanten Höhe vorgestellt habe! Alles davor - bis in die Bahnhofstraße hinein - wird in einen ewigen Schatten gestellt, denn die Sonne zieht nun mal über den Südhimmel.
    Von der südlichen Karmarschstraße aus gesehen dürfte der Komplex das heute dort vorhandene an Monströsität noch übertreffen, denn er nimmt zusätzlich einen Gutteil der Straße in Anspruch und drückt diese zu einem Passageschlauch zusammen. Den Durchblick in die Bahnhofstraße und auf den Hauptbahnhof wird es von dort nicht mehr geben! Das erklärt, warum aus dieser Perspektive niemals Ansichten veröffentlicht wurden.
    Ich befürchte, dass, kaum ist das Gebäude ausgerüstet, das große Jammern über die Hannoveraner kommen wird, denn dann ist es mit dem Flair und der Gemütlichkeit, die sich bei Sonnenschein auf dem Kröpcke als Treff- und Verweilpunkt immerhin einstellen, endgültig vorbei!
    Nur endlos shoppen können wir dann -und danach die Stadt schnellstens wieder verlassen!
  • Kröpcke-Center C. Lanz – 13.02.09
    Es stimmt mich traurig, dass die Stadt Hannover diesem Projekt zugestimmt hat. Es gab gute Gründe, den Investor dazu anzuhalten, die Arkadengänge offenzulassen. Das Gebäude ist einfach zu massig.
    Man hätte hier einen echten und wirklichen Schritt zur Stadtreperatur tun können, und die alten Baufluchten des Continental-Hauses aus der Vorkriegszeit wiederaufnehmen können. Damit hätte der Kröpcke wieder etwas von seinem alten Gesicht zurück bekommen, der Opernplatz wäre wieder besser als Dreieck wahrgenommen worden, die Georgstraße hätte ihre ganze Pracht als klassizistische Achse entfalten können. Jetzt wird das gleiche geschehen, wie schon in den siebzigern mit dem vollkommen absurd überdimensionierten Neubau des Kröpcke-Cafés: Der Kröpcke wird noch weiter überfrachtet, die Karmarschstraße zur Kanüle degradiert (Wie die Rathenaustraße).
    Und das alles nur, weil die Stadt Hannover einfach keinen Mut hat, endlich einmal Entscheidungen zu treffen, die zwar nicht den Wünschen der Investoren entsprechen, aber dem Stadtbild guttun würden.
  • Exposé Felix Hoffmeyer – 12.02.09
    Gibt es zufällig schon ein Exposé zum Kröpcke Center? Auf dem einen Bild mit "Hier ist ihr Logo" sieht es ja so aus, als ob dies aus einem solchen stammt...
  • Kröpcke Benjamin – 12.02.09
    ENDLICH!!!
    Dazu noch etwas Grün/Licht/Wasser und Sitzgelegenheiten in die Innenstadt und Hannover kann sich sehen lassen!
  • Fotos Sascha Aust / HAZ.de – 12.02.09
    Die gewünschten Bilder haben wir auch noch nachgeliefert – in einer kleinen Fotostrecke.

    Viele Grüße
    Sascha Aust / HAZ.de
  • Hintergrundinfos Sascha Aust / HAZ.de – 12.02.09
    Hallo T. Grützmacher,

    wir haben zu Ihrer Frage noch einen zusätzlichen Text mit weiteren Informationen eingestellt. Den Link dazu finden Sie direkt am Ende des ursprünglichen Textes über den Umbau des Kröpcke-Centers.

    Viele Grüße
    Sascha Aust / HAZ.de
  • kröpcke Leserin – 12.02.09
    Hallo liebe Online-Redaktion, jemand zu Hause? Wie wäre es mit einem Bild zum Thema? Am Besten mit einem vom neuen Modell?
  • Kpöpke-Center BP – 12.02.09
    In dem Artikel steht eigentlich alles wesentliche.
    Letztlich wird nach dem Motto: „Geld regiert die Welt“
    • das Bauwerk verschlimmbessert und
    • der Bürger zwangsbeglückt.
    Ein Boden, auf dem die Nichtwähler wachsen und gedeihen.
  • Kröpcke ich – 12.02.09
    die Schönheit kann meinetwegen bleiben.
    Von der Massigkeit sollte man noch einiges wegnehmen, auch deshalb, um keine Leerstands Ruinen in Hannover zu erzeugen!
  • Kröpcke ich – 12.02.09
    welcher Oberbürgermeister wollte oder konnte sich in Hannover schon mal gegenüber den sog. Investoren-Interessen durchsetzen?

    Erinnert sei hier nur an den Baubeginn des Millionengrabes "Ihme Zentrum", damals begleitet von OB Schmalstieg und seinem glücklosen Baudezernenten. (Das würde ja auch ein Konzept vonseiten der Stadt Hannover voraussetzen)
  • Peter sehr schön – 12.02.09
    Also ich find den Entwurf gelungen und begrüße die Umgestaltung. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich sowohl einige Bürge als auch ansässige Geschäfte beschweren. Aber passieren musste was.

    Und dem Kommentar eines Vorredners kann ich nur widersprechen, grade das Volk sollte nicht befragt werden da sie erstens keine eindeutige Meinung haben werden und zweitens uns designteschnisch sonst was vor die Nase gesetzt wird. Grad die Anpassung an das Stadtbild überlasse ich da lieber den Profis!
  • Beschwerde? Holger – 12.02.09
    Die Deutschen haben immer was zu meckern.. ungeglaublich! Wir können den Kröpcke ja so hässlich lassen.
  • Kröpcke-Center JB – 12.02.09
    Wann hat dieses ewige Hin und Her endlich ein Ende. Die Alteingesessenen sollen doch froh sein, dass ein auswärtiger Investor soviel Geld in die Hand nimmt, um das Bild der Innenstadt zu verschönern und damit mehr Käufer anzulocken, die am Ende allen Händler nutzen.Und der bisher bekannte Entwurf ist mit oder ohne Arkaden um ein Vielfaches attraktiver als dieser schäbige Betonklotz.Außerdem wird das unansehnliche Loch mitten am Kröpcke geschlossen, welches weder einen ästhetischen noch einen praktischenen Nutzen hat.Es ist vollkommen verständlich, dass der OB dieses Projekt nun energisch vorantreibt, das ja ursprünglich schon zur EXPO beendet sein sollte (im Jahr 2000!!).
  • Kröpcke RREbi – 12.02.09
    Hier kann man ablesen, was das Wort des Oberbürgermeisters noch gilt - nichts. Da wird vollstreckt - wie schon bei Boehringer in Kirchrode - ohne Rücksicht auf Verluste...
    Nachbarklagen beim Verwaltungsgericht, die den Bau verzögern und den Investor verschrecken können, werden in Kauf genommen... Und in der Region arbeitet man auch langsam so, keine große Gewerbeansiedlung im Expo-Park - schwupps entstehen dort IKEA, BMW und nun Möbel-Staude.
  • Kröpcke T. Grützmacher – 12.02.09
    Wann gehts denn los???
  • Wer fragt denn die Bürger? Dirk P. – 12.02.09
    Als Bürger ist man bei der Stadtentwicklung nie gefragt. Es wird einem einfach wieder nur ein neuer zukünftiger Schandfleck vor die Nase gesetzt - Basta!
    Die, die darüber entscheiden, wie so etwas aussieht, sind eh weit weg.

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