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"Krümelgate" sorgt für Medienrummel
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Keks-Diebstahl "Krümelgate" sorgt für Medienrummel

Der Bahlsen-Erpresser hält die Mitarbeiter der hannoverschen Keksmanufaktur weiter in Atem. Denn noch rätseln die Verantwortlichen des Unternehmens aus der List, wie sich der Täter zu dem Angebot von 52.000 Leibniz-Keksen für insgesamt 52 verschiedene Organisationen als Gegenleistung für die Rückgabe des vergoldeten Firmensymbols verhalten wird.

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Erpresserbrief, eingegangen bei der HAZ

Quelle: Thomas

Hannover. Nimmt das „Krümelmonster“ die Offerte an? Beharrt es weiterhin auf die Umsetzung seiner eigenen Forderungen? Fügt der Täter dem gestohlenen Goldkeks möglicherweise doch Schaden zu? Der Täter im Krümelmonsterkostüm hüllt sich bislang in Schweigen. Unterdessen ließ das echte Krümelmonster aus dem fernen New York einen Aufschrei der Empörung vernehmen: „Me no steal the golden cookie. But me willing to help find real cookie thief!“ („Ich habe den goldenen Keks nicht gestohlen. Aber ich will gerne helfen, den echten Keksdieb zu finden!“) postete das amerikanische Original, das „Cookie Monster“, auf dem Twitter-Account der „Sesame Street“ im bekannt holprigen Englisch.

Die Pressearbeit in dem Fall hat das „Cookie Monster“ an den NDR abgegeben, der die deutsche Fassung der „Sesamstraße“ produziert. Dieser hatte das Krümelmonster am Vortag mit dem Satz zitiert, die ganze Sache gehe ihm „ziemlich auf den Keks“. Mittlerweile, so scheint es, kennt die halbe Welt die Geschichte vom goldenen Leibniz-Keks, der Mitte Januar von der Bahlsen-Fassade an der Podbielskistraße verschwand. Am vergangenen Dienstag war bei Bahlsen und in der Redaktion der HAZ ein Schreiben mit den Forderungen des Erpressers eingegangen. Nach seinen Vorstellungen soll das Kinderkrankenhaus auf der Bult einen Tag lang mit Schokoladenkeksen versorgt werden. Das Tierheim in Langenhagen soll die ausgesetzte Belohnung in Höhe von 1000 Euro erhalten. Bei der Polizei sind die Ermittler bei der Aufklärung des Falls keinen Schritt weiter gekommen. „Es ist bislang nicht ein einziger Hinweis zu dem Täter eingegangen, Aussagen zur Echtheit des Fotos mit dem Goldkeks können wir bislang auch nicht machen“, sagt ein Sprecher. Unklar ist, welche Maßnahmen die Ermittler darüber hinaus ergriffen haben, um die Erpressung zu beenden. „Dazu sagen wir aus ermittlungstaktischen Gründen nichts“, sagt die Polizei.

Strafverteidiger Matthias Waldraff rät dem oder den Tätern dennoch, die Angelegenheit möglichst schnell zu Ende zu bringen. „Die Sache hat zwar Charme und ist hübsch verpackt, aber vor Gericht wird das knallhart durchgezogen“, sagt der erfahrene Jurist. Die Zeiten, in denen eine Art Robin-Hood-Mentalität bei einem Verfahren gewürdigt werde, seien lange vorbei. „Einzig und allein der Faktor, dass der Erpresser das Geld nicht für sich haben will, könnte sich strafmildernd auswirken, aber eine Gefängnisstrafe kommt dabei trotzdem heraus“, erklärt der Rechtsanwalt. Erpressung ist ein sogenanntes Offizialdelikt. Das heißt: Selbst wenn eine Strafanzeige zurückgezogen wird, müssen die Behörden Ermittlungen anstellen. Beim Tierheim in Hannover, dem nach den Vorstellungen des Erpressers die ausgesetzte Belohnung in Höhe von 1000 Euro zugute kommen soll, nimmt man den Vorfall etwas lockerer. „Es ist eine sehr humorige Geschichte, allerdings könnten wir das Geld gar nicht vorbehaltlos annehmen, weil es ja im Zusammenhang mit einer Straftat stünde“, sagt Tierheimchef Heiko Schwarzfeld.

Auch in der öffentlichen Diskussion um den Erpressungsversuch schlägt dem oder den Tätern weiterhin große Sympathie entgegen. Wolfgang Huste, ein Auktionator aus Bad Neuenahr, der sich per Mail in der HAZ-Redaktion gemeldet hat, unterbreitet dem „Krümelmonster“ einen ungewöhnlichen Vorschlag: Er will das Bekennerschreiben als Gesamtkunstwerk in seinem Auktionshaus versteigern und den Erlös für einen guten Zweck spenden. Auch im Internet regt der Fall die Nutzer zu kreativen Ideen an. Unter anderem ist dort ein selbstgemachtes „Fahndungsplakat“ des „Bundeskrümelnalamtes“ mit Fotos des Monsters aufgetaucht.

Kriminelle Vergangenheit? Die Nachricht, das Krümelmonster könne in kriminelle Machenschaften rund um einen goldenen Keks in Deutschland verwickelt sein, elektrisierte die internationale Fangemeinde der „Sesame Street“, wie die Sendung im amerikanischen Original heißt. Nachdem das „Cookie Monster“ auf der hauseigenen Twitterseite alle Vorwürfe mit den Worten „Me no steal the golden cookie“ zurückgewiesen hatte, überschlugen sich die Kommentare der Fans. „Wir wissen, dass du es hast“, twitterte etwa Nutzer Child to Cherish, und James Church schlug für eine der kommenden Sesamstraßen-Folgen ein „Wort des Tages“ zum Thema vor: „Alibi“. Twitter-Nutzer Dave hingegen hat einen Verdacht: Er wisse, wer den goldenen Keks gestohlen habe, schrieb er und schickte den Internetlink zu einer alten Folge der Sesamstraße gleich mit. In der Episode wird das Krümelmonster per Fahndungsplakat als „The Great Cookie Thief“, also als der „Große Keksdieb“, gesucht - kann sich am Ende aber herausreden.

Der Krümel-Krimi von Hannover hat in den vergangenen Tagen ein großes Medienecho ausgelöst. Nicht nur zahlreiche deutsche Zeitungen und Fernsehstationen griffen den Fall auf. Auch über die Grenzen Deutschlands hinaus sorgte der Erpressungsversuch der Keks-Dynastie für Schlagzeilen. Der internationale Hörfunksender der BBC thematisierte die Bahlsen-Erpressung in seinem Mittagsprogramm. Der amerikanische Fernsehsender NBC griff das Thema ebenfalls auf und fragte: „Ist das Krümelmonster böse geworden?“ Die Internetzeitung „Huffington Post“ titelte: „Krümelmonsters Erpresserbrief“. Die Zeitung „Times of Malta“ informiert ihre Leser ebenso über das Keks-Verbrechen von Hannover wie das Blatt „La Repubblica“ aus Italien und die Zeitung „Der Standard“ aus Österreich. Auch in der Pressestelle des Keksherstellers können sich die Mitarbeiter vor Anfragen aus dem In- und Ausland nicht retten. „Das Interesse ist sehr groß, es reicht von Kanada bis Neuseeland“, erklärt eine Mitarbeiterin. Bei der Sesamstraße laufen die Fäden der Öffentlichkeitsarbeit mittlerweile beim NDR zusammen. Der teilte zuerst mit, mit der Sesamstraße und dem Krümelmonster habe der ganze Keksraub „nichts zu tun“. Wenig später zitierte der Sender dann das Monster selbst. „Das geht mir mächtig aufn Keks“, sprach das Fellwesen, das sich in den vergangenen Jahrzehnten zwar einen Ruf als eigentümlicher Zeitgenosse, keineswegs aber als potenzieller Dieb erarbeitet hat. Ein amerikanischer Fan postete denn auch auf dem Internetdienst Twitter: „Wenn einer den Keksdieb finden kann, dann Krümelmonster.“tm/fx

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