Hannover. Knapp eine Woche nach dem Eingang des ersten Bekennerschreibens zum Bahlsenkeks-Klau, ist in der HAZ-Redaktion ein zweites Schreiben eingegangen. Wieder stammt es von einer Person, die in einem Krümelmonsterkostüm steckt. Der Verfasser des Briefes kündigt an, er werde den goldenen Keks zurück geben: "Weil der Werni den Keks so lieb hat wie ich und der jetzt immer weint und den Keks ganz dolle vermisst geb ich den zurück!!!"
Mit "Werni" ist Werner Michael Bahlsen gemeint. Der Chef des hannoverschen Traditionsunternehmens hatte am Mittwoch die Rückgabe des Kekses verlangt und gesagt: "Wir lassen uns nicht erpressen. Wir werden auf die Forderung nicht eingehen".
Dieses Mal hat der „Erpresser" nur einen Brief an die HAZ-Redaktion geschickt. Den ersten Brief hatte er mit einem identisches Exemplar auch dem Unternehmen zukommen lassen.
Ein Datum und eine Uhrzeit, wann die Rückgabe des Kekses erfolgen soll, nennt der Absender im neuen Brief nicht. Dem Schreiben beigefügt ist auch in diesem Fall ein Foto. Es zeigt eine als Krümelmonster verkleidete Person, die in einen goldenen Leibniz-Keks beisst und einen Artikel der HAZ zum Thema in den Händen hält.
Das Unternehmen Bahlsen prüft derzeit das weitere Vorgehen, will zunächst aber die Ermittlungen der Polizei abwarten. Die ermittelt weiterhin wegen Diebstahls und versuchter Erpressung. Immer noch sei unklar, ob die Briefe tatsächlich vom Dieb oder von einem Trittbrettfahrer stammten, sagte eine Polizeisprecherin am Montag. "Natürlich wird jetzt auch der zweite Brief geprüft."
Im Internet dagegen wird der Inhalt des zweiten Schreibens überwiegend positiv aufgenommen. „Liebes Krümelmonster, schön, dass Du bereit bist einer unterhaltsamen Aktion mit Werbewirkung auch ein Happy End zu verschaffen“, heißt es da beispielsweise. Und eine andere Internet-Nutzerin schreibt: „Prima! Keks zurück: Happy End einer total witzigen Geschichte!“
Das Wahrzeichen der Firma samt der beiden Brezelmänner, die den Keks zwischen sich tragen, wurde im Jahr 1913 von dem Bildhauer Georg Herting geschaffen. Der Künstler ist mit mehreren Werken in der Landeshauptstadt präsent, unter anderem mit dem Arbeiter-Standbild vor dem Hanomag-Gebäude oder dem Duve-Brunnen auf dem Mittelstreifen vor dem niedersächsischen Umweltministerium.
Anfang Januar war das Firmensymbol vom Unternehmenssitz in der List verschwunden. Im ersten Schreiben hatte der Verfasser gefordert, Bahlsen möge dem Kinderkrankenhaus auf der Bult einen Tag Schokoladenkekse schenken. Zudem sollte die von Bahlsen ausgeschriebene Belohnung in Höhe von 1000 Euro an das Tierheim in Langenhagen fließen. Werner Michael Bahlsen dagegen hatte angekündigt, er werde 52.000 Leibniz-Kekse an 52 verschiedenen Einrichtungen spenden - aber erst, wenn der Keks wieder in den Händen des Unternehmens ist.
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