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LeineHertz

Künstler wollen „echtes Bürgerradio“


Der Streit um die neue Musikfarbe des hannoverschen Bürgerradios LeineHertz eskaliert. Nach einer Podiumsdiskussion mit Politikern, Programmgestaltern und Kritikern der neuen Musikausrichtung des Senders haben nun hannoversche Künstler und Veranstalter eine gemeinsame Petition veröffentlicht.
Musiker wie Christoph Stein-Schneider (l.) haben gemeinsam mit Veranstaltern wie Gerd Kespohl (r.) vom Pavillon eine Petition für „ein echtes Bürgerradio“ veröffentlicht.

Musiker wie Christoph Stein-Schneider (l.) haben gemeinsam mit Veranstaltern wie Gerd Kespohl (r.) vom Pavillon eine Petition für „ein echtes Bürgerradio“ veröffentlicht.

© Martin Steiner

Unter dem Titel „Für ein echtes Bürgerradio“ fordern sie die Senderbetreiber erneut auf, sich einem ergebnisoffenen Dialog mit den Kritikern zu stellen. Streit gibt es über die neue Musikfarbe von LeineHertz, die sich von eher alternativen Songs hin zu den Hits der vergangenen 50 Jahre verändert hat.

Zu den Unterzeichnern der Petition gehören die Betreiber der Kulturzentren Pavillon, Musikzentrum, Faust, Béi Chéz Heinz, Glocksee, Spandau-Projekt und 3Raum. Auch Künstler und Bands wie Fury in the Slaughterhouse, The Jinxs, Spax, Dominik Decker von Marquess und Jens Eckhof von Wir sind Helden gehören zu den Kritikern, die eine Zusammenarbeit mit dem Radio „infrage stellen“.

„Wir haben uns gefreut, mit LeineHertz wieder ein Bürgerradio in Hannover zu haben. Aber zwischen den sülzigen Songs finden wir uns nicht mehr wieder“, sagte am Freitag Gerd Kespohl beim Pressegespräch, der neben Veranstaltungen im Pavillon auch das „Masala“-Festival und das „Fest der Kulturen“ am Trammplatz organisiert. „Ein Alleinstellungmerkmal gibt es nicht mehr“, sagte Karsten Skarbnik vom Faust-Vorstand. „Auf unsere Kritik wird nicht reagiert“, ärgerte sich Heiko Heybey vom Spandau-Projekt, der auch das „Boot Boo Hook“-Festival veranstaltet. „Die meisten Radios sind gleichgeschaltet. Das gallische Dorf Bürgerfunk wird nun auch aufgelöst“, kritisierte Christof Stein-Schneider von Fury in the Slaughterhouse. Die Initiative der Kulturschaffenden fordert die Geschäftsführung von LeineHertz und die Vertreter des Aufsichtsrates des Senders zur Teilnahme an einem runden Tisch am Dienstag, 22. Februar, im Kulturzentrum Faust auf. Die Verantwortlichen sollen des Weiteren die Ergebnisse einer Hörerbefragung veröffentlichen, mit denen LeineHertz-Geschäftsführer Markus Mayer die Neuausrichtung der Musikfarbe begründete. Zudem soll die Geschäftsführung aufhören, kritische Mitarbeiter „durch Suspendierung und Verfügungen zu bedrohen“. „Uns sind solche Fälle bekannt“, erklärte Heybey, der von einer „Mobbing-Kultur“ sprach.

Sollte der Sender nicht auf die Petition reagieren, drohten einige der Unterzeichner weitere Schritte an. „Wir werden den Sender nicht mehr über Veranstaltungen informieren und die Mitarbeiter nicht mehr für Veranstaltungen akkreditieren“, erklärte Heybey. Rapper Spax sagte, er würde künftig nicht mehr für Interviews zur Verfügung stehen und auch keine Musik mehr an den Sender weitergeben. LeineHertz ist unser Bürgerradio. Wenn das Lokalkolorit wegfällt, hat der Bürgerfunk keinen Sinn mehr“, sagte er.

LeineHertz-Chef Mayer konnte sich am Freitag nicht zur Petition äußern. Er ist bis Montag im Urlaub. Achim Wiese, Chef vom Dienst beim Sender, wies die Vorwürfe zurück. „Die Kritik geht ins Leere. Wer uns derart kritisiert, hat unser Programm nicht gehört.“

Jan Sedelies

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