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Ärger bei Kunden über Post-Streik nimmt zu

Darauf warten die Menschen in Hannover noch Ärger bei Kunden über Post-Streik nimmt zu

Der Ärger der Kunden über den Streik bei der Post nimmt zu. Auf einen Aufruf der HAZ haben sich jetzt rund 70 Leser aus Stadt und Umland gemeldet, die zum Teil seit zwei oder drei Wochen auf Briefe und Pakete warten. Sie berichten von Geburtstagsgeschenken, Eintrittskarten für Konzerte oder dringend benötigten Rezepten, die noch nicht zugestellt wurden.

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Am Postverteilzentrum in Pattensen sitzen die Streikenden.

Quelle: Marta Krajinović

Hannover. „Wegen des Streiks sind meine Bewerbungsunterlagen fürs Masterstudium verspätet angekommen, deshalb wurde ich aus dem Zulassungsverfahren ausgeschlossen. Bin wirklich sauer. Es war für mich sehr wichtig“, berichtet eine Leserin.
Die verspäteten Zustellungen wundern die Gewerkschaft nicht. Laut Verdi-Sekretär Hans-Uwe Behrens befinden sich derzeit 930 hannoversche Post-Mitarbeiter im Streik. Demnach gebe es durch den hohen Beamtenanteil nur im Stadtgebiet noch einige pünktliche Briefzustellungen, die Paketzustellung in der Stadt und die Postzustellung in der Region sind stark verspätet.

Mehrere Dutzend Mitarbeiter haben das Postverteilerzentrum in Pattensen bestreikt.

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Post richtet Sonderausgabestellen ein

Die Post hat deshalb vereinzelte Sonderausgabestellen eingerichtet, bei denen einzelne Kunden ihre Pakete abholen können – darunter auch in Laatzen und im Landkreis Hildesheim. „Wir haben eine punktuelle Abholung organisiert – allerdings nicht flächendeckend“, bestätigt Postsprecher Jens-Uwe Hogardt. Gebe es Kunden, die dafür in infrage kämen, würden diese aber gezielt durch eine Mitteilungskarte benachrichtigt. „Einfach zu der nächsten Filiale zu fahren, geht nicht“. Nach welchen Kriterien die Kunden bestimmt werden, die ihre Pakete abholen dürfen, kann Hogardt nicht sagen. „Wir können keine Prioritätenliste erstellen, wir wissen ja nicht, was in den Paketen ist.“

Neben Städten wie Berlin und Hamburg wurden auch im Landkreis Hildesheim sowie auf dem Mitarbeiterparkplatz der Postfiliale in der Robert-Koch-Straße in Laatzen Sonderausgabestellen eingerichtet. „Meine Eltern wurden aufgefordert, ihr Paket in einem Verteilzentrum im Sarstedter Gewerbegebiet abzuholen“, berichtet ein Leser. Die Ausgabe des Pakets sei allerdings holprig verlaufen. Seine Eltern hätten zwar ein Paket bekommen und seien damit nach Hause gefahren – dort aber stellte sich heraus, dass es das Falsche war. „Wir haben einen Allerweltsnamen, da hat man wohl was verwechselt.“ Hogardt bestätigt, dass die ungewöhnliche Auslieferung Kapazitäten fordert. „Die betroffenen Stellen brauchen Personal, das die Pakete vorsortiert, die Empfänger benachrichtigt und dann die Sendungen ausgibt“, erklärt er.

Wenig Verständnis bei den Kunden

Bei den Kunden findet der andauernde Streik wenig Verständnis. Die HAZ-Leser sehen die Schuld bei der Post: Sie sei in der Pflicht, Briefe und Pakete trotzdem auszuliefern. „Was ist denn das für ein Krisenmanagement? Die Post hat doch den Auftrag, die aufgegebenen Sendungen zuzustellen!“, ärgert sich etwa ein Leser aus Hannover. Bemängelt wird außerdem, dass es keine Informationen darüber gebe, wann die Post nachgeliefert werde – und warum Briefe und Pakete in den Stadtbezirken nicht abwechselnd zugestellt werden könnten, damit möglichst viele Kunden die Chance hätten, ihr Paket zu bekommen.

Verdi hält unterdessen weiter am unbefristeten Streik fest, erst am Freitag soll es neue Verhandlungen geben. Die Streikenden trafen sich derweil gestern vor dem Briefzentrum in Pattensen, um dort für 24 Stunden einen Streikposten zu errichten. „Der Streikwille ist ungebrochen“, sagt Behrens.

Streik bei der Post: Darauf warten die Menschen in Hannover

  • Heike Spangenberg:  Am 17. Juni habe ich ein Rezept mit einem für mich wichtigen Medikament an eine Online-Apotheke geschickt. Von deren Seite bekam ich noch keine Eingangsbestätigung per Mail, was mir sagt, dass dieser Brief dort noch nicht angekommen ist.
  • Marita Herkenhoff: Meine Tochter wartet dringend auf ihren schriftlichen Vertrag für ein Freiwilliges Soziales Jahr.
  • Ernst Fischer, Hannover: Ich warte dringend auf die Nachricht zur Beitragszahlung zur KFZ-Versicherung, die am 1. Juli fällig ist. Ich habe Sorge bei nicht rechtzeitiger Zahlung den Versicherungsschutz zu verlieren.
  • Nomi Glückspilz, per Facebook: Wegen des Streiks sind meine Bewerbungsunterlagen fürs Masterstudium verspätet angekommen, ich wurde deshalb aus dem Zulassungsverfahren ausgeschlossen.
  • Sabine Polle, Hemmingen: Wir haben inzwischen den dritten Donnerstag keine unserer abonnierten Zeitschriften erhalten. Das bedeutet auch, dass über zwei Wochen keine Post bei uns angekommen ist.
  • Martina Brucki, Pattensen: Ich habe ein Haus verkauft, und der Schriftwechsel mit dem Notar und Eigentümer etc. hat sich dadurch erheblich verzögert.
  • Heiner Behrens, Lehrte-Sievershausen: Es fehlen unter anderem Fachzeitungen, ein bestelltes und sehr wichtiges Fachbuch sowie wichtige Bankdokumente.
  • Brigitte und Peter Rhenisch, Burgwedel-Wettmar: Besonders ärgerlich ist der Streik wegen eines Briefes der Rentenversicherungsanstalt und meines Arztes. Auch die abonnierten Zeitschriften werden nicht zugestellt.
  • Erika Sögtig: Für Freunde im Weserbergland hatte ich zwei Karten für das AC/DC Konzert am 21. Juni in Hannover besorgt und am 12. Juni in einem Briefumschlag verschickt. Bis heute ist die Post noch nicht angekommen. Ich bleibe auf den 200 Euro sitzen.
  • Almut Michel, Pattensen: Wir erwarten dringend ein Abschlusszeugnis der Berufsschule meines Sohnes.
  • Udo Keuns: Wir warten seit über einer Woche auf die David-Guetta-Tickets.
  • Ludwig Schacht, Burgdorf: Seit mehr als 10 Tage warte ich auf die Zustellung von Ersatzteile für einen Serviceauftrag. Nicht nur ich warte, sondern auch der Kunde wartet und ist sauer.
  • Thomas Henk: Ich warte auf eine Sendung, die Anfang Juni bestellt wurde und für eine Hochzeit benötigt wurde. Hochzeit ist jetzt vorbei; alles sehr ärgerlich.
  • Wolfgang Neumann, Burgdorf: Rechnungen erhalten wir nicht und können deshalb nicht fristgerecht zahlen. Es ist davon auszugehen, dass vielleicht Mahnungen vor den Rechnungen eingehen.

Von Sabrina Mazzola

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