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Aus der Stadt Kunstfreunde freuen sich auf XXL-Schau
Hannover Aus der Stadt Kunstfreunde freuen sich auf XXL-Schau
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20:10 03.02.2014
Von Ronald Meyer-Arlt
Arbeit von Reynold Reynolds im Sprengel Museum. Quelle: Steiner
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Hannover

Großes Kino im Foyer des Sprengel Museums: Am Sonntagnachmittag wurde hier ein Film gedreht. Und außerdem war Hannovers Kunstszene fast vollständig versammelt. Man feierte die baldige Eröffnung von „Made in Germany“, der großen Gemeinschaftsausstellung von Sprengel Museum, Kunstverein und Kestnergesellschaft. Und ein bisschen auch sich selbst. Schließlich sind es die in Vereinen organisierten Kunstfreunde, die gemeinsam mit Stiftungen, kunstfreundlichen Unternehmen und anderen Förderern mithelfen, dass Großprojekte wie „Made in Germany“ überhaupt möglich sind.

Vor fünf Jahren war die erste Ausgabe dieser Gemeinschaftsausstellung der drei großen Hannoverschen Kunsthäuser ein Riesenerfolg. Daran will man natürlich anknüpfen. Am Dienstag wird die Schau den Medienvertretern vorgestellt. Am Mittwochabend ist große Eröffnung mit anschließender Party - und dann soll alle (Kunst-)Welt nach Hannover schauen und hier die jungen deutschen Kunstpositionen finden, die auf der etwa zeitgleich laufenden documenta in Kassel wohl nicht in dieser Breite vertreten sein werden. Schließlich ist die documente eine Weltkunstschau - „Made in Germany“ dagegen eine Leistungsschau der jungen deutschen Kunst.

Und die gibt gerne viel. Ein Werk, zu dessen Entstehungsbedingungen auch ein erheblicher körperlicher Einsatz gehört, konnten Hannovers Kunstfreunde gleich zu Beginn ihres Sonntagsbummel im Sprengelfoyer bewundern. Der in Berlin lebende Künstler Reynold Reynolds hat hier ein Filmset aufgebaut; das Studio sieht aus wie eine Mischung aus Fausts Studierzimmer und pathologischem Institut der Vorkriegszeit. Eine junge Frau wird auf einem Untersuchungstisch festgeschnallt, eine andere junge Frau entkleidet sich und steigt in einen gläsernen Zylinder, der mehr als zwei Meter hoch mit Wasser gefüllt ist. Die etwas älteren Besucherkinder nehmen vor dem Glaszylinder Platz, in dem durch die Glaswölbung merkwürdig vergrößert die nackte Dame paddelt - das ist spannender als das Kinderkunstprogramm, das die Kunstfreunde extra für die jungen Besucher eingerichtet haben.

Die arme Darstellerin muss im Minipool, der mit Leitungswasser gefüllt war, erst unter- und dann mit gehörigem Pathos wieder auftauchen, weil die Szene - angelehnt an Fritz Langs „Metropolis“ von der Erschaffung eines Retortenmenschens handelt. Der fertig geschnittene Film wird dann in der Kestnergesellschaft zu sehen sein, wo Reynold Reynolds in mehreren Räumen von einem Filmprojekt erzählt, das er rekonstruiert. Seine Arbeit mit dem Titel „Lost“ ist erzählerisch, medienübergreifend und recht kompliziert. Man muss sich darauf einlassen.

Doch dafür war am Previewtag gar nicht so viele Gelegenheit. Denn es mussten ja drei große Ausstellungen besucht werden. Und weil noch keine Hinweistafeln angebracht waren, rätselte manch Besucher lange, von wem welches Werk denn nun sein könnte. Oder auch nicht: Ursula Sandmann vom Freundeskreis der Kestnergesellschaft meinte, es sei doch gerade gut, mal nicht zu wissen, vom wem was ist.

Manchmal war es aber auch ganz leicht herauszufinden: Die Mitarbeiter des Sprengel Museum, die gerade die Fotos von öden Stadtrandplätzen an die Wände schraubten, hatten einen Plan dabei. Auf dem stand der Name des Fotografen: Sven Johne. Der ist dem kleinen Zirkus Probst hinterhergereist. Sofort, nachdem der Zirkus abgereist war, hat er die Plätze fotografiert, wo noch vor wenigen Stunden das Zelt aufgeschlagen war. Man sieht Spuren von Sägemehl und niedergetrampeltes Gras irgendwo in der Stadtödnis. Eine traurig schöne Arbeit, die sehr still von Abschied und Abglanz der Artistik erzählt.

Ihre Fertigstellung ist einfach: Bilder befestigen, das war’s. Anderes wird dagegen erst kurz vor der Eröffnung fertig sein. Dirk Dietrich Hennig, der einzige Künstler aus Hannover, der bei „Made in Germany Zwei“ dabei ist, baut in der Kestnergesellschaft mehrere Zimmer einer Psychiatriestation nach. Das Ganze wirkt ihm noch zu neu. Er muss noch etwas Patina schaffen. Das macht er mit Sonnenblumenöl, in dem er Ölfarbe auflöst. Zwanzig Liter hat er vorbereitet. Die wird er an die Wand bringen, wenn die Besucher verschwunden sind. „Ich muss noch ein paar Nachtschichten einlegen“, sagt er. Gute Patina braucht eben Zeit.

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