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Aus der Stadt Kunstunterricht mal anders
Hannover Aus der Stadt Kunstunterricht mal anders
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00:17 10.07.2015
Von Uwe Janssen
„Das kennen wir hier so nicht“: Viele – von Kindern – selbst gemalte Bilder zieren die Galeriewände. Quelle: Janssen
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Hannover

Ausstellungseröffnung, Normalzustand: Menschen wiegen ihr Kinn in der Hand, schreiten gemächlich und mit erkenntnisgewinnendem Blick von Bild zu Bild und umrunden Skulpturen. Wenn der Ausstellungsmacher das Wort ergreift, versammelt sich alles im lockeren Kreis, um seinen Worten und anschließend denen des Eröffnungsredners zu lauschen und ab Minute 15 professionell das Gähnen zu unterdrücken. Anschließend wird Sekt gereicht. Der Künstler ist anwesend.

Ausstellungseröffnung „Unter meinem Dach“. Nord/LB Art Gallery. Ausnahmezustand. 100 Kinder laufen wild durcheinander, rufen, schreien, lachen, laufen Arm in Arm von Kunstwerk zu Kunstwerk. Als der künstlerische Leiter Edin Bajric das Wort ergreifen will, läutet er unüberhörbar und lange eine Glocke, um sich Gehör zu verschaffen. Alles versammelt sich vor ihm, um nach einer Minute Aufmerksamkeit fröhlich weiterzureden. Es wird Saft gereicht. Die Künstler sind anwesend. Es sind die Kinder.

Mit Licht „gemalt“

In der gläsernen Kunsthalle an der dem Rathaus zugewandten Ecke der Nord/LB geht es für gewöhnlich ruhiger zu. „Das kennen wir hier so nicht“, sagt Gabriele Marx, die das vom Verein Kunst und Warum angeschobene Projekt begleitet. In drei Monaten Arbeit hat Künstler Bajric mit fast 500 Schülern aus elf Schulen Kunstunterricht mal anders gemacht. Aufgabe: Die Themen Heimat und Zuhause sollten in verschiedenen Formen bearbeitet werden. Die Schüler füllten Holzhäuser mit Gläsern, die sie mit Dingen und aufgeschriebenen Gedanken zum Zuhause-Begriff füllen sollten. Es wurde mit Licht „gemalt“ und fotografiert, Bajric hat Interviews geführt und aufgenommen, und er hat viele Bilder malen lassen.

Das alles ist nun in der Galerie zu sehen und zu hören. In vier Gruppen konnten die Kinder nun ihr Werk in der Endfassung bewundern. Viele suchten ihre Gläser und Zeichnungen und präsentierten sie stolz, wenn sie sie gefunden hatten. Wie Hadis von der Fichteschule in Hainholz. „In meinem Glas ist ein Auto. Das hat mir meine Tante zum Geburtstag geschenkt“, berichtet der Achtjährige. Es ist ein blauer Rennwagen. Er will selbst Rennfahrer werden, „weil man damit viel Geld verdienen kann“.

Sein Kumpel Jakub ist auch fündig geworden. Sein Glas ist in einem zweiten Holzhaus aufgestellt. Ganz unten. Auch er ist Autofan. „BMW“, wie er verrät. Es ging vor allem darum, dass sich die Kinder, viele mit Migrationshintergrund wie der Künstler selbst, über ihr Zuhause, ihre Wünsche und Bedürfnisse Gedanken machen und sie auf viele Arten ausdrücken.

Eröffnung am Freitag

Edin Bajric steht inmitten des Gewusels und freut sich. Er hat in der Projektarbeit auch viel über sich und seinen Zugang zu Kunst erzählt. Nun ist er sehr zufrieden mit seinen jungen Kunstschülern. „Einige haben es sich etwas einfacher gemacht“, sagt er, „aber viele Kinder haben sich wirklich sehr viel Mühe gegeben, um das Thema mit künstlerischen Mitteln zu fassen“.

Von Freitag an ist die Schau für jedermann geöffnet, bis zum 16. August, täglich bis auf Montag von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Führungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr. Infos über Sonderaktionen unter www.kunstundwarum.de.

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