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Fehlende Auskünfte

Reisende leiden unter Chaos im Zugverkehr

Keine Lautsprecherdurchsagen, fehlende Servicekräfte und nur wenig Informationen durch die Mitarbeiter der Bahn: In dem Chaos nach dem Oberleitungsschaden im Hauptbahnhof haben sich viele Fahrgäste über die mangelhaften Auskünfte der Bahn geärgert.

Viele Fahrgäste haben sich über die mangelnden Auskünfte der Bahn beschwert – zumindest im Hauptbahnhof war mehr Bahnpersonal im Einsatz.

Viele Fahrgäste haben sich über die mangelnden Auskünfte der Bahn beschwert – zumindest im Hauptbahnhof war mehr Bahnpersonal im Einsatz.

© Rainer Surrey

Wie geht es weiter, sind Anschlusszüge noch zu erreichen, wann bin ich wieder zu Hause – Fragen, auf die die Mitarbeiter der Bahn am Vormittag oft nur mit einem Achselzucken reagieren konnten.

Mit gepackten Koffern stehen Brigitte Elle und ihr Lebensgefährte Karl Klose aus Gehrden vor der riesigen Anzeigentafel in der Halle des Hauptbahnhofs. „Wie sollen wir denn jetzt in den Urlaub kommen?“, fragt die 66-Jährige fassungslos. Bei der Bahn weiß niemand Rat. Mit dem ICE wollte das Paar ursprünglich zum Düsseldorfer Flughafen fahren. Von dort sollte es am Nachmittag Richtung Montenegro weitergehen. Es ist die erste gemeinsame Reise der beiden. „Wir werden jetzt wohl mit dem Taxi zurückfahren, das Auto holen und hoffen, dass wir es noch rechtzeitig zum Flughafen schaffen“, sagt Klaus Klose.

Als die ersten S-Bahnen wieder fahren, besteigt der Hannoveraner Jürgen Rau einen Zug in Richtung Weetzen, um eine Station bis zum Bismarckbahnhof zu fahren. Sein Ziel ist Barsinghausen, dort wartet seine Mutter mit dem Auto, mit dem Wagen soll es weitergehen nach Düsseldorf. Am Bismarckbahnhof wird erst ein Zug in Richtung Haste angezeigt, dann aber verschwindet die Ankündigung wieder – kommentarlos. Jetzt wartet Jürgen Rau auf die nächste S-Bahn, danach soll es per Bus nach Wennigsen gehen, wo seine Mutter ihn einsammeln will. Am Ende könnte die Tour von Hannover nach Barsinghausen länger dauern als die von Barsinghausen nach Düsseldorf.

Auch auf den Bahnhöfen rund um Hannover wissen die Reisenden nicht, wie sie weiterkommen sollten. In Lehrte, wo am Morgen für viele Regionalzüge Endstation ist, fehlen sowohl Informationen als auch Transportmittel. „Es gab nur zwei Busse, die in Richtung Hannover fuhren“, berichtet Heidi Ulbrich aus Vöhrum bei Peine. „Niemand konnte etwas sagen, auch die Bahnmitarbeiter nicht“, sagt sie.

Die 48-Jährige ergattert schließlich mit einer anderen Frau ein Taxi, um zu ihrem Arbeitsplatz nach Hannover zu kommen. Später versucht die Bahn, die Hunderten Reisenden im Bahnhof in Lehrte mit einer Durchsage zu beruhigen: „Bitte achten Sie auf die Lautsprecherdurchsagen“. Genauere Ansagen gibt es jedoch nicht.

Der Bahnhof Laatzen am Messegelände wird gestern kurzerhand zu einer Art Ausweichbahnhof für den Hauptbahnhof umfunktioniert. Hier halten die ICE-Züge aus Richtung Hamburg und aus Richtung Frankfurt und München. Wer nach Hannover will oder dort umsteigen muss, wird in Laatzen aufgefordert, auszusteigen. Wie zum Beispiel Wilfried Heuer aus Bremen. Der 73-Jährige ist auf dem Weg zur libyschen Botschaft in Berlin. „Das kann ich jetzt vergessen, ich fahre zurück“, sagt er. Heuer ist empört über die fehlenden Informationen durch die Bahn. „Auf diesem Bahnhof gibt es noch nicht einmal einen Bahnmitarbeiter“, sagt er. Ein paar Minuten später steht in der Halle ein Arbeiter der Bahn, der wenigstens den Reisenden den Weg zur Stadtbahnhaltestelle erklärt.

Auch Brigitte Mann ist entsetzt über die Bahn. Sie ist in Laatzen aus dem ICE, der in Richtung Hamburg unterwegs ist, ausgestiegen. Dann weiß sie nicht weiter. „Niemand hat sich gekümmert, es gibt keine Ratschläge, keine Tipps“, beklagt die Frankfurterin. Sie ist auf dem Weg nach Juist für einen zweiwöchigen Urlaub und muss die letzte Fähre um 15.30 Uhr erreichen. „Ich hätte gern ein Taxi hier“, sagt sie mit Verzweiflung in der Stimme, während sie sich in der langen Schlange anstellt.

Auch ein misslauniger Zugbegleiter im ICE konnte ihr nicht weiterhelfen. „Es ist heute so stressig wie immer“, sagt der und bemüht sich um ein freundliches Gesicht. Gefragt, ob er alle Reisenden zufriedenstellen könne, antwortet er: „Was ich weiß, sag ich, aber ich weiß auch nicht alles.“

Mathias Klein, Tobias Morchner und Christian Albroscheit

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Hannover in Zahlen

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