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Aus der Stadt So schmeckt das Essen in der L’Osteria
Hannover Aus der Stadt So schmeckt das Essen in der L’Osteria
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00:20 12.06.2018
Die Pizzen in der L’Osteria gibt es in XXL. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Vielleicht beginnen wir diese Kostprobe mit ein paar Zahlen: 3.500 Mitarbeiter, 89 Filialen in fünf Ländern. Im letzten Jahr 145 Millionen Netto-Umsatz mit italienischer Küche. Es lässt sich also nicht zweifeln, dass L´Osteria eine Restaurantkette ist. Und ohne alle Filialen besucht zu haben, sondern am Fallbeispiel der Dependance am Thielenplatz, lässt sich eine weitere Tatsache festhalten: Genuss und System sind keine zwei Gegensätze, die sich zwingend ausschließen. Schon die Serviceleistung müssen wir anerkennen. Beim ersten Mal werden wir überschäumend höflich, beim zweiten Besuch freundlich distanziert umsorgt. Bei dem herausragenden Brot, das uns serviert wird, können wir sogar nur staunen: Das hätten wir in einer Kette nicht erwartet.

Gereicht wird das Gebäck beispielsweise zum Insalata Campagnola (10,25 Euro), der fast exemplarisch veranschaulicht, wie sich heutzutage Frisch- und Fertigware sinnvoll verbinden lassen. Die Rote Bete wirkt wie vorgegart und im Vakuumbeutel bezogen, auch die Mischsalate und Karottenstifte wurden nicht im Haus gezupft bzw. geschnitten. Die feinsäuerliche Salatdressing wird höchstwahrscheinlich in einer Zentrale gefertigt. Die Apfelstücke sind frisch, der Ziegenkäse hat einen guten Eigengeschmack, wurde leicht karamellisiert, die malzige Note fasst ganz exzellent die fruchtigen, bitteren und erdigen Komponenten ein – ein tolles Gericht!

HAZ-Feinschmecker Hannes Finkbeiner findet in der Pizzeria-Kette fast nichts zu mäkeln – und wenn, dann nur auf ganz hohem Niveau.

Auch Bresaola (9 Euro) und Proscutto (ein Teil der Antipasti für 9,50 Euro), die wir verkosten, sind von guter Qualität. Der typische Artgeschmack von Schwein und Rind ist erkennbar. Die Scheiben sind allerdings zu dick geschnitten, was rustikal wirkt, aber das feine Aroma der Spezialitäten nur durch langes Kauen freigibt. Gut ist die saftige Bruschetta (5,50 Euro) auf Röstbrot. Die dezente Knoblauchnote lässt dem Geschmack von Öl und Kräutern viel Raum. Einziger Makel: Nur exzellente Tomaten ergeben exzellente Bruschetta – eine einfache Gleichung.

Bei den Spaghetti Pomodoro e Basilico (7,50 Euro) sind die Nudeln gut gegart, die Tomatensoße ist fruchtig-würzig. Nicht ganz einig sind wir mit den Orecchiette di Manzo al Limone (12 Euro). Die Nudeln sind zwar spitzenmäßig, haben durch ihre Beschaffenheit (Form und Dicke) einen tollen Biss, auch das Rinderfilet (wenngleich etwas zäh) schmeckt gut, allerdings fällt die Mascarpone-Soße sehr schwer aus und wird nur entfernt von der Frische von Zitronen aufgelockert. Mit kandierten Zitruszesten oder etwas Limettenabrieb hätte man hier schon viel erreicht. Wir bedienen uns eines greifbaren Geschmacksaufhellers und arbeiten etwas Pfeffer aus der Mühle unter die Soße – nix mehr zu meckern!

Süßlich sautierte Zwiebeln und Rauchspeck ist eine Kombination, die sich schon bei Zwiebelkuchen und Elsässer Flammkuchen bewährt hat. Bei einer Pizza funktioniert sie ebenfalls, in der L´Osteria allerdings in einer 2.0-Version: Die Pizza il Vecchietto (11 Euro) wird zusätzlich mit Ei, Mozzarella und Rosmarin serviert. Schmeckt großartig, nicht zuletzt wegen des knusprigen, dünnen Teigbodens und der pikanten Note. Die Pizza ist übrigens so groß wie ein Wagenrad, na ja, wie ein kleines Wagenrad, weswegen es sich empfiehlt, das Gericht zu zweit zu essen oder ein Teil mit nach Hause zu nehmen. Einer Bitte, der die Servicekräfte gerne nachkommen – dann bleibt auch noch Platz für ein Dessert.

Wir probieren eine luftig aufgeschlagene Mascarponecreme (4,75 Euro), die in Verbindung mit Erdbeeren toll funktioniert. Die Creme allein bleibt sehr verhalten, weswegen uns das Aroma von Zimt, Gewürznelke oder Ingwer gefallen hätte – Zutaten, die nicht aus der Luft gegriffen, sondern fest in der italienischen Küche verankert sind. Venedig war schließlich schon im frühen Mittelalter einer der größten Dreh- und Angelpunkte für Gewürzhandel mit dem Mittleren Osten. Eine echte Wucht ist sogar der Rabarbaro con Granello (5,75 Euro): Rhabarberkompott gratiniert mit Amarettini, deren warme Mandelnote perfekt mit dem feinsäuerlichen Gemüse harmoniert. Dazu gibt es Vanilleeis. Eine simple und köstliche Kombination, die wir umgehend in unserem Notizbuch vermerken ... Wir haben ja vielleicht irgendwann mal wieder Gäste zu Besuch. Ja, auch wir arbeiten mit System.

Fazit Es lässt sich nicht von der Hand weisen: L´Osteria scheint eine Restaurantkette zu sein, die verstanden hat, dass sich unkomplizierter Genuss vervielfältigen lässt. Respekt!

Gesamtnote: 8/10 (Küche 8, Service 8, Ambiente, 7)

Kontakt:

L´Osteria

Lavesstraße 1-2

30159 Hannover

Telefon: +49 511 84877138

Öffnungszeiten: Mo bis Sa, ab 11 Uhr, So und Feiertage, ab 12 Uhr

E-Mail: hannover@losteria.de

Barrierefreiheit: ja

Von Hannes Finkbeiner

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