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Land will Fösse unter Schutz stellen

Stadt Hannover lehnt ab Land will Fösse unter Schutz stellen

Weil Bund und Land hinterherhinken, soll jetzt in Hannover schnell ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) entstehen. Doch die Stadt lehnt ab, weil sie die Naherholung gefährdet sieht. Jetzt drohen weitere Konflikte.

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Naturnah ausgebaut, von Spazierwegen gesäumt: Die Stadt hat Sorge, dass neue Regeln für die Fösse in Badenstedt bald Probleme bereiten.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Das Land Niedersachsen will die Fösse im Westen des hannoverschen Stadtgebiets zwischen Stadtgrenze und Güterumgehungsbahn unter speziellen Naturschutz stellen. Es soll als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) bei der Europäischen Union angemeldet werden. Das Vorhaben stößt bei der Stadt auf wenig Gegenliebe. Sie fürchtet, dass der Bachlauf zwischen Davenstedt und Badenstedt dann nicht mehr wie bisher zur Naherholung genutzt werden kann - dabei wird er für diesen Zweck gern genutzt. Die Stadt hat der Region daher eine Ablehnung geschickt.

Der Vorgang entbehrt nicht einer gewissen Komik. Jahrzehntelang hat die Fösse salzhaltiges Wasser aus dem Kalibergbau transportiert und war ein biologisch totes, begradigtes Gewässer. Erst nach Ende der Bergbauaktivitäten gingen Stadtentwässerung, Naturschützer und Verbände daran, die Fösse zu renaturieren.

Ausgerechnet Nachwirkungen des Salzes haben aber Niedersachsens Umweltministerium auf den Plan gerufen. An der Fösse haben sich teilweise gefährdete Pflanzenarten angesiedelt, die auf Namen wie Kurzähren-Queller, Strand-Dreizack, Salz-Bunge oder Salz-Schuppenmiere hören und spezielle Bodenverhältnisse benötigen - Fachleute sprechen von Salzwiesen im Binnenland. Die waren zuvor auch schon am Fuß der Kalihalde Ronnenberg entdeckt worden. Weil die Vegetation dort aber in einem schlechteren Zustand ist, soll diese nicht als FHH-Gebiet geschützt werden, stattdessen fällt die Wahl nun auf die Fösse. Das Projekt läuft unter dem Namen „Binnensalzstelle an der Fösse“.

Die Stadt schreibt in einer Stellungnahme: „Wir begrüßen, dass die Anstrengungen der Renaturierung mit der Ausweisung zum FFH-Gebiet gewürdigt werden soll. Dennoch lehnen wir diese ab.“ Der Grünzug beidseits der Ufer mit den salzliebenden Gewächsen ist von Wander- und Spazierwegen durchzogen, auch ein sowohl bei Freizeitradlern als auch Fahrradpendlern beliebter Radweg führt dort entlang. Zudem gibt es Liegewiesen, Spielplätze, Kleingärten und eine Wassertretstelle. All das will gepflegt werden - und das, fürchtet die Stadt, würde erheblich erschwert, wenn strengere Naturschutzauflagen greifen. Neuplanungen wären sogar komplett unmöglich.

Das Land, das für den Schutz der FFH-Gebiete verantwortlich ist, und der Bund stehen in dieser Angelegenheit unter Druck. Weil Deutschland es bisher versäumt hat, genug FFH-Gebiete auszuweisen, droht die EU mit Strafen. „Die zugesagte vollständige Sicherung der FFH-Gebiete bis Ende 2018 wird hier als wesentlicher und notwendiger Schritt angesehen, um Strafzahlungen zu vermeiden“, teilt das Landesumweltministerium mit.

Die Region Hannover ist in der Angelegenheit gerade ebenfalls fleißig. FFH-Verfahren laufen etwa für die Leine zwischen Hannover und Sarstedt-Ruthe, für Meerbruch und Hagenburger Moor am Steinhuder Meer oder Teilbereiche der Waldstücke Bockmerholz und Gaim. Die Fösse westlich von Hannover ist nicht dabei. Sie steht in diesem Abschnitt bereits unter Schutz.

Angler fürchten ein FFH-Gebiet an der Leine

Nicht nur Spaziergänger und Radfahrer wären von der Ausweisung zusätzlicher FFH-Gebiete der Europäischen Union betroffen, auch Sportvereine könnten Leidtragende sein, etwa Kanuten oder Angler an der Leine. Das Land hat eine Musterordnung für FFH-Gebiete erarbeitet, die es verbietet, in den ausgewiesenen Gebieten zu tauchen, zu angeln, zu grillen oder „wildlebende Tiere zu beunruhigen“. Das kann im Zweifelsfall jede Nutzung der Flüsse unterbinden. Die Landkreise (in Hannover also die Region) müssen die Regeln erlassen. 380 potenzielle FFH-Gebiete hat das Land benannt, darunter auch Teile der Leine. An der Aller hat es bereits massive Konflikte gegeben wegen der geplanten Einschränkungen. med

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