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Aus der Stadt Land will frühere Heimkinder entschädigen
Hannover Aus der Stadt Land will frühere Heimkinder entschädigen
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00:20 11.02.2018
Die Kinder- und Jugendpsychiatrie gehört heute zum Klinikum Region Hannover – früher war sie ein Landeskrankenhaus. Quelle: Foto: Hollem
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Hannover

 Bei der Aufarbeitung der umstrittenen und möglicherweise illegalen Medizinversuche in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Wunstorf will das Land auch klären, wie die Betroffenen entschädigt werden können. Das kündigte Claudia Schröder, Abteilungsleiterin im Sozialministerium, am Donnerstag im Sozialausschuss des Landtages an. „Wir können nur anerkennen, dass hier in höchstem Maße Unrecht geschehen ist und der Staat das nicht verhindert hat“, sagte Schröder. Es müsse so schnell wie möglich Geld für die Opfer bereitgestellt werden, forderte Grünen-Fraktionsvorsitzende Anja Piel. „Allerdings ist eine Entschädigung für das erlittene Unrecht kaum möglich. “

Die Vorgänge an der Wunstorfer Klinik waren durch Recherchen der Krefelder Pharmakologin Sylvia Wagner bekannt geworden. Demnach sollen mindestens 286 Kinder und Jugendliche,  die in den Sechziger- und Siebzigerjahren in Heimen untergebracht waren, von den Tests mit Psychopharmaka und Impfstoffen betroffen sein. Auch schmerzhafte Gehirnwasserentnahmen wurden laut Wagner vorgenommen. Beim Sozialministerium hätten sich bereits einzelne Personen gemeldet und von den medizinischen Tests in ihrer Kindheit berichtet, sagte Schröder. Auch sollten Patientenakten gesichtet werden – so weit diese noch vorhanden sind. 

Offen ließ Schröder, in welcher Höhe Entschädigungen möglich sind. Zunächst will das Ministerium die Ergebnisse einer weiteren wissenschaftlichen Studie abwarten. Das Land hatte nach Wagners Recherchen beim Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung (IGM) ein umfassendes Guachten in Auftrag gegeben, um Hintergründe und Ausmaß der Medizintests an niedersächsischen Heimkindern zwischen 1945 und 1976 aufzuklären. Ein Zwischenstand wird Ende Juni erwartet, der Abschlussbericht Ende dieses Jahres. Grundsätzlich steht allen, die als Kinder und Jugendliche zwischen 1949 und 1975 Leid und Unrecht in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder der Psychiatrie widerfahren ist, der von Bund, Ländern und Kirchen gegründete Stiftungsfonds „Anerkennung und Hilfe“ offen.

Dass das Ministerium das externe IGM beauftragt hat, liegt auch daran, dass das Land selbst von den Vorgängen in der Wunstorfer Psychiatrie tangiert ist. Der inzwischen verstorbenen Psychiater Hans Heinze junior, der die Versuche geleitet haben soll, arbeitete dort von 1961 bis 1974. Danach konnte er zum Psychiatriereferent im Sozialministerium aufsteigen, wo er 15 Jahre tätig war und die Aufsicht über die damaligen Landeskrankenhäuser hatte, zu denen die Einrichtung in Wunstorf zählte. Sein Vater Hans Heinze senior war von 1954 bis 1960 Leiter der dortigen Klinik und soll ebenfalls an den Medizintests beteiligt gewesen sein. Seine Rolle ist besonders brisant: Der Senior war in der Zeit des Nationalsozialismus Gutachter von Euthanasieprogrammen – und konnte seine Karriere dennoch in Wunstorf fortsetzen.

Von Juliane Kaune

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