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Aus der Stadt Landesfeier zum Volkstrauertag in der Marktkirche
Hannover Aus der Stadt Landesfeier zum Volkstrauertag in der Marktkirche
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17:08 19.11.2017
Von Michael Zgoll
Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Ist der Volkstrauertag ein überholtes Ritual greiser Überlebender des Zweiten Weltkriegs, ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge etwas Gestriges und Überholtes? Die Antworten, die am Sonntagnachmittag in der Marktkirche gegeben wurden, liefen alle auf ein entschiedenes „Nein“ hinaus. Als „größte Bürgerinitiative für den Frieden“ bezeichnete Professor Axel Saipa, Vorsitzender des niedersächsischen Landesverbands, den Volksbund: „Und unsere Aufgabe ist noch lange nicht beendet.“

Die Erinnerung an die Toten des Krieges steht im Zentrum des Volkstrauertages am Sonntag. In der Marktkirche hält Rolf Wernstedt, Ehrenvorsitzender des Volksbundes, die Gedenkrede.

Zur Landesfeier anlässlich des Volkstrauertags waren etliche Landespolitiker sowie hannoversche Ratsmitglieder erschienen, daneben viele Vertreter verschiedener Institutionen und Religionsgemeinschaften. Das Kammerorchester Pro Artibus rahmte in der halb gefüllten Marktkirche die Redebeiträge mit schwermütigen Klängen ein. Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann flocht in ihre Begrüßungsrede einige persönliche Bemerkungen zu Schuld und Sühne ein, Landtagspräsident a.D. Bernd Busemann sprach ein Grußwort.

Bewegend war das szenische Spiel von Schülern der Leibnizschule zum Thema Menschenrechte. Sie erinnerten an frühere Helden wie den Feldwebel Anton Schmidt, der in Vilnius 300 bis 400 Juden vor dem Tod im Vernichtungslager rettete und im April 1942 von den Nazi-Schergen hingerichtet wurde. Und sie schlugen den Bogen zu einem syrischen Flüchtling, der für keine Seite in den Krieg ziehen wollte und den es nun – in seinem Heimatland vom Tode bedroht – nach Deutschland verschlagen hat.

Kritische Töne gegenüber der eigenen Organisation schlug Axel Saipa an. So hätte sich der Volksbund mit der Wehrmachtsausstellung der neunziger Jahre kritischer auseinandersetzen müssen. Immerhin habe man sich 2016 einem neuen Leitbild verpflichtet, das beispielsweise die Verantwortung der Deutschen für einen verbrecherischen „Angriffs- und Vernichtungskrieg“ unter nationalsozialistischer Herrschaft klar benenne – so wie es der Deutsche Bundestag schon 1997 getan hatte. „Hätte es dieses Leitbild nicht gegeben, hätte ich mich nicht als Landesvorsitzender zur Verfügung gestellt“, machte Saipa klar. Jetzt gelte es, im Volksbund die Jugend-, Bildungs- und Versöhnungsarbeit voranzutreiben.

„Wie konnte es zu Zeiten des Nationalsozialismus passieren, dass völkisches Gedankengut die Politik kaperte?“, fragte der frühere niedersächsische Kultusminister und Volksbund-Vorsitzende Rolf Wernstedt. Das Resultat seien 22 Millionen Tote gewesen, das massenhafte legitimierte Töten im Krieg und ein „industrieller Völkermord an Juden, Sinti und Roma“. Nun aber liege es in der Verantwortung der jetzt Lebenden, in Deutschland nie wieder einen derartigen Zivilisationsbruch zuzulassen: „Wir haben allen Grund, auf uns als Volk aufzupassen.“

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