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Landesmuseum bietet Audio-Führung auf Platt

Gemäldesammlung Landesmuseum bietet Audio-Führung auf Platt

Die Gemäldesammlung des Landesmuseums zählt zu den wichtigsten Europas. Jetzt bietet das Haus als erstes Museum in Deutschland 
Audioguide-Führungen auf Plattdeutsch an – und die neue Sprache eröffnet einen ganz neuen Blick auf die alten Bilder. Sechs Hörbeispiele.

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Auch "Der Morgen" von Caspar David Friedrich wurde für den Audioguide des Landesmuseums auf Platt vertont.

Quelle: Landesmuseum

Hannover. Der „Autodidakt“ war ein bisschen kniffelig. „Autodidakt“ ist eines jener Wörter, die Schuld daran sind, dass in Museen die gelehrten Freunde heerer Hochkultur oft unter sich bleiben. Ein „Autodidakt“ sei der große Maler Carl Hasenpflug gewesen, erklärt der Audioguide des Landesmuseums, wenn Besucher mit Kopfhörern an der entsprechenden Hörstation die entsprechende Datei anklicken. Und wer nicht weiß, was ein Autodidakt ist, spürt sofort, dass er nicht weiß, was ein Autodidakt ist.

Jetzt aber hat der Audioguide, der bislang neben einer hochdeutschen und einer englischen Version auch eine Fassung speziell für Kinder im Programm hatte, gewissermaßen eine neue Sprache gelernt. Er bietet jetzt eine Führung durch die Landesgalerie auf Plattdeutsch an. Der „Autodidakt“ aus der Hochdeutschversion hat dem Übersetzer Reinhard Goltz vom Bremer Institut für Niederdeutsche Sprache kurz Kopfzerbrechen bereitet. Dann aber fand er eine ziemlich geradlinige Lösung: „Düsse Mann hett sik dat Malen sülvest bibröcht.“

Goltz, der auch Nachrichtenmeldungen für Radio Bremen in niederdeutsche Worte fasst, hat 42 Audiodateien, jeweils ein bis zwei Minuten lang, ins Plattdeutsche übersetzt. Herausgekommen ist dabei ein ziemlich bodenständiger Rundgang durch die Kunstgeschichte: Max Liebermann und Claude Monet werden auf Platt vorgestellt, Peter Paul Rubens und „Lukas Cranach de Öllere“. Zu den Texten präsentiert das Gerät auch Fotos und Videos, und eingangs gibt es eine Art Gebrauchsanweisung für die Landesgalerie: „Sortiert sind de Biller na’er Tied un nach dat Land“, heißt es da. Und das „Middelöller“ bietet „grote Karkenkunst“.

„Das ganze ist schon ein ungewöhnliches Projekt“, sagt Übersetzer Goltz. „Da treffen zwei Welten aufeinander, die sich sonst nicht berühren.“ Die Idee zu diesem Brückenschlag zwischen Hochkultur und Alltagssprache hatte Museumsdirektorin Katja Lembke. Sie selbst habe bei ihren Großeltern in Schleswig-Holstein noch viel Platt gehört, könne es aber selbst nicht mehr sprechen: „Ich empfinde das als Mangel – hier wollen wir die Sprache wieder lebendig machen“, sagt sie. Außerdem werde oft verkannt, dass die Landesgalerie mit ihren hochkarätigen Gemälden zu den wichtigsten Kunstsammlungen Europas zähle: „Da ist der Rundgang auf Plattdeutsch ein niedrigschwelliges Angebot für Besucher.“ Unterstützt wurde das Projekt vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur, das den Erhalt des Plattdeutschen fördert.

Die neue Audioversion entzaubert manche hochtrabende Worthülse: „Aus einem langen Satz im Hochdeutschen haben wir manchmal drei oder vier auf Platt gemacht“, sagt Goltz. „Die Gedanken werden anders gegliedert, Abstraktes verschwindet.“ So eröffnet die neue Sprache oft auch einen neuen Blick auf die Kunstwerke. Wenn die hochdeutsche Variante beispielsweise elegisch das Werden und Vergehen im Zyklus der Tageszeitenbilder von Caspar David Friedrich beschreibt, heißt es auf Platt ebenso nüchtern wie selbstbewusst: „En kompletten Gang dör den Dag mit sien Tieden, maalt vun Caspar David Friedrich, gifft dat op de ganze Welt blots hier in’t Lannsmuseum Hannover.“

Anders als manche Geräte der älteren Generation sind die neuen Audioguides leicht zu bedienen. Dafür sind die Texte nicht im Calenberger Platt gehalten, das um Hannover geläufig ist. Er habe sich am nordniedersächsischen Standardplatt orientiert, sagt Übersetzer Goltz: „Was das Hannoversche fürs Hochdeutsche ist, ist Nordniedersächsisch fürs Plattdeutsche – es wird von allen verstanden.“

Manche Gemäldebeschreibung auf Platt sei schon eine Herausforderung gewesen, sagt Ilka Brüggemann, Plattdeutschredakteurin beim NDR, die die Texte mit ihrem Kollegen Ludger Abeln eingesprochen hat. „Wenn darin Eigennamen von holländischen Malern vorkamen, die englische Schiffe vor französischen Küstenorten gemalt hatten, gab es bei den Aufnahmen schon einiges zu lachen.“ Lockerer, lebendiger als das Wissenschaftsdeutsch hochdeutscher Kunsthistoriker sei die niederdeutsche Fassung der Audioführung: „Das ist eben die Stärke des Plattdeutschen.“


Gerrit Dou – „Bildnis eines Mohren“ : De Jung kickt över sien Schuller direkt na den Tokieker hen. He hett en Turban op un driggt en gullen Keed. Sien witt Hemd maakt den Ünnerscheed to sien swatte Huutfarv noch düütlicher. Düt Bild vun en swatten Mann is woll keen Porträt. Nee, dat is sachts en Studie vun den Charakter, in de nederlandsche Spraak hebbt se fröher dor „tronie“ to seggt. Nich op den Minsch kümmt dat hier an, nee, dat geiht dorüm, woans he utsüht un wat för Kledaasch he anhett. Düsse Mann hier schall exotisch utsehn.

Lucas Cranach der Ältere – „Luther als Portraitikone“ : Martin Luther höört in sien Tiet to de Lüüd, de an’n meisten afmaalt worrn sünd. 1520 sünd vele, vele Luther-Portraits maakt worrn – as Grafik un ok maalt. So is sien Bild överall bekannt worrn. Luther stünn to düsse Tiet al dorför, dat he sik in Düütschland gegen de Siet vun den Papst stellt harr. 1517 harr he siene 95 Thesen gegen den Aflaathannel öffentlich maakt. Dat Bild, dat Cranach vun Luther geven hett, is över de Johrhunnerten vör den een oder annern Achtergrund jümmers wedder insett worrn.

Paula Modersohn-Becker – „Selbstbildnis mit Hand am Kinn“ : In dat Sülvstpotrait mit de Hand an’t Kinn hett sik de Malersche Paula Modersohn-Becker in en lütten Deel vun dat Bild maalt, un mit Ogen, veel grötter as normaal. Düsse Oort vun Maleree hett se 1903 utbillt, vörher harr se en Reis na de europäisch Kunst-Hauptstadt Paris maakt. So seeg un höör se wat vun de franzöösche Kunst ut düsse Tiet. Un dat hett ehr heel un deel innahmen.

Peter Paul Rubens – „Madonna mit stehendem Kind“ : Een mutt blots kort op dat Bild kieken, un glieks weet een, wokeen Rubens hier maalt hett. De Hilligenschien maakt dat kloor, ok wenn Rubens den blots fien andüüdt hett: Dat is Maria mit dat Jesuskind. Man dat Bild kümmt een glieks so bekannt vör. Wo dat woll an liggen deit? Peter Paul Rubens hett hier sien Söhn Albert un sien eerste Fro Isabella Brant maalt. Se starvt 1626 an de Pest. Al in sien egen Tiet möögt de Lüüd Rubens siene Biller. He hett en grote Maal-Warksteed. Hier arbeit vele Lüüd, de sik laterhen sülvst en Naam as Maler maakt.

Der Göttinger Barfüßeraltar : Wenn de Altoor apen steiht, is he acht Meter breet. He hett fief Dele. So is dat de gröttste Altoor, de in en Museum steiht. Dat Middelstück is fast, na beide Sieden hen gifft dat twee Flünken. Düsse Flünken köönt beweegt warrn. Dör dat Karkenjohr hebbt se de Flünken op- un toklappt. So hett de Altoor jümmer mal wedder en nee Gesicht kregen. Links baven köönt se sehn, woans de Schriftgelehrten dat opnehmt, wat Jesus as Antwoort gifft. En poor sünd nadenkern, annere vergrellt. Een Minsch ritt en Siet ut sien Book ruut, en tweten maakt de Knööp vun sien Kleed op, en drütten böört sien Book hooch un wiest Jesus sien Tung.

Caspar David Friedrich – „Der Morgen“ : Friedrich is de gröttste düütsche Landschaftsmaler ut de Romantik. Bi Dag un Dau lööst sik fröh an’n Morgen de Daak. De Nacht vörher weer koolt, diesig un natt. Wat stünn nu för de Malers in de Romantik bavenan? Se wullen nich blots akraat afbillen, woans sik Wedder, Wind, Wulken, Heven un Licht wannelt – över Dag un dör de Johrstieden. Friedrich hett nich in de Natur maalt, nee: he bleef in sien Atelier. Ganz för sik un in alle Roh hett he hier siene „Geföhlslandschaften“ op de Leinwand bröcht. Dor stünn sien Sinn na: En Künstler schall nich blots dat ümsetten, wat he vör sik süht, man ok dat, wat he föhlen deit. Deep ut sien Hart ruut hett Friedrich egentlich nix anners maalt as: Woans klingt de Seel vun de Welt in de Natur.
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