Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Landgericht Hannover: Täter muss in die Psychiatrie
Hannover Aus der Stadt Landgericht Hannover: Täter muss in die Psychiatrie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:32 19.08.2010
Quelle: Rainer Dröse (Archiv)
Anzeige

Ein 23-Jähriger, der im November 2009 einen elfjährigen Jungen in Vahrenwald vergewaltigt hat, muss eine Freiheitsstrafe von vier Jahren verbüßen. Das Landgericht Hannover entschied am Mittwoch, dass der vorbestrafte Mann aus Montenegro in einer Psychiatrie für Straftäter untergebracht werden soll. Damit folgte die Kammer der Empfehlung eines Sachverständigen. Dieser hatte nach einer zweiten Begutachtung des Angeklagten eine „suchtartige Steigerung“ seiner Pädophilie festgestellt. Damit sei er hochgefährlich. Der bereits einschlägig vorbestrafte 23-Jährige aus Montenegro hatte den Schüler im November vergangenen Jahres in Vahrenwald angesprochen und ihn dann in einem Hausflur schwer missbraucht. Die Vorsitzende Richterin Monika Thiele sagte, es handele sich um ein „abscheuliches Verbrechen“. Aufgrund des Gutachtens stellte sie aber eine eingeschränkte Schuldfähigkeit fest. Verteidigerin Tanja Brettschneider hatte in dem Prozess darauf hingewiesen, dass sich ihr Mandant ausdrücklich einer Therapie im Maßregelvollzug unterziehen wolle. „Er war und ist unfähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen“, sagte Brettschneider. „Er will sich dem Problem aber stellen.“

Erschrecken hinterließen auch die Angaben über seine eigenen Erfahrungen mit Gewalt und Missbrauch, die der Angeklagte dem Gutachter geschildert hatte. Als Jugendlicher war der 23-Jährige in einem Asylbewerberheim in Laatzen-Rethen von Homosexuellen vergewaltigt worden. Dies, so gab der Befragte an, sei für ihn nicht so schlimm gewesen. Nebenklagevertreterin Doris Kahle sagte dazu: „Ich hoffe, dass er lernt, Mitgefühl mit sich selbst zu haben, erst dann kann er dies auch für andere empfinden.“ Wenn nicht, komme er aus der Psychiatrie wohl auch nach vier Jahren nicht frei.

Sonja Fröhlich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Eine DNA-Probe führte die Fahnder zum Tatverdächtigen: Drei Wochen nach dem sexuellen Missbrauch eines Elfjährigen in Hannover hat die Polizei ihn festgenommen.

Tobias Morchner 04.12.2009

Der Jugendliche, der wegen der Vergewaltigung eines Elfjährigen in Vahrenwald gesucht wird, hat möglicherweise schon andere Kinder bedrängt. Nach der Veröffentlichung einer Phantomzeichnung des Sextäters haben sich die Eltern eines zehn Jahre alten Jungen bei den Ermittlern gemeldet.

Tobias Morchner 28.11.2009

Eine DNA-Probe führte die Fahnder zu ihm: Drei Wochen nach dem sexuellen Missbrauch eines Elfjährigen in Hannover hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen.

03.12.2009

Verbindungstunnel vom Raschplatz zur Lister Meile: Bei einem Schlagabtausch im Bauausschuss des Rates wurde am Mittwoch entschieden, dass der „Stinketunnel“ von der zuständigen Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG) in einen akzeptablen Zustand gebracht werden soll.

Conrad von Meding 19.08.2010

Berlin will kurzen Prozess: Bei überlangen Verfahren sollen Bürger klagen dürfen. Ein Negativbeispiel zu einem solchen Fall kommt aus Hannover. Im Mai 1982 wurde Mustafa Sürmeli in Wunstorf in einen Verkehrsunfall verwickelt. Nachdem der Rechtsstreit um Schadensersatz vor dem Landgericht rund 17 Jahre später immer noch nicht entschieden war, wandte sich der Mann an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

19.08.2010

Die Regierungsparteien wollen Kinder früher vom Gymnasium verweisen und rütteln damit am freien Elternwillen. Eltern und Lehrer reagieren gespalten gegen die „Zwangsabschulung“.

.

Bärbel Hilbig 18.08.2010
Anzeige