Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Mann gesteht Brandstiftung in eigener Bar
Hannover Aus der Stadt Mann gesteht Brandstiftung in eigener Bar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:51 30.08.2017
Von Michael Zgoll
Der 32-jährige Barbesitzer Mahir Q. muss sich seit Mittwoch wegen schwerer Brandstiftung vor dem Landgericht Hannover verantworten. Quelle: HAZ-Collage
Hannover

Zunächst schien der Wirt der Misburger Gold-Bar das Opfer einer brutalen Erpressung geworden zu sein. Doch schnell wurde er als Brandstifter enttarnt, der seine eigene Kneipe mittels Kraftstoff angezündet hatte. Von einem raffinierten Versicherungsbetrug ist die Tat aber weit entfernt, dazu stellte sich der Laatzener Mahir Q. allzu dilettantisch an. Seit Mittwoch muss sich der 32-Jährige vor dem Landgericht wegen schwerer Brandstiftung, Versicherungsmissbrauchs und Vortäuschens einer Straftat verantworten. Das Urteil wird bereits am Freitag erwartet.

In einer Bar in Misburg hat es in der Nacht zu Mittwoch gebrannt. Drei junge Männer hörten Hilferufe und retteten den 31-jährigen Barbesitzer vor den Flammen.

Das Feuer war am 14. März dieses Jahres kurz vor Mitternacht ausgebrochen. Die Carport-Kamera eines Anwohners zeichnete auf, wie die Gaststätte nahe Meyers Garten plötzlich lichterloh brannte, die Eingangstür von der Wucht einer Verpuffung aufsprang. Gäste einer naheliegenden Bar und Nachbarn schlugen die Scheiben mit Gullideckel und Blumenkübeln ein, um möglichen Opfern den Weg in die Freiheit zu bahnen. Doch die Hilfeschreie, die sie hörten, kamen aus einem Keller im Hinterhof.

Q. erzählt Märchen

Zwei junge Männer traten so lange auf eine Metalltür ein, bis sie aufging. Dahinter taumelte ihnen der Wirt entgegen, hustend und gefesselt – allerdings nur an den Beinen. Ansonsten gab es keine Verletzten.
Zunächst erzählte der damals 31-Jährige der Polizei, drei Unbekannte hätten ihm eine Kalaschnikow vorgehalten und Geld von ihm erpressen wollen. Weil er sich geweigert habe, hätten sie ihn gefesselt und das Feuer gelegt. Doch die Videoaufzeichnungen des Nachbarn zeigten schnell, dass Q. den Ermittlern Märchen erzählt hatte.

Geschichte eines tragischen Scheiterns

Es ist die Geschichte eines tragischen Scheiterns, die am Mittwoch vor der 3. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Renata Bürgel sichtbar wurde. Q. war 2007 mit seiner Familie aus dem Irak nach Deutschland gekommen. Hier schlug sich der dreifache Vater, der die Schule nach der 6. Klasse verlassen und nie eine Berufsausbildung absolviert hatte, mit Gelegenheitsjobs durch. Irgendwann kam der Laatzener auf die Idee, sich selbstständig zu machen. Er konnte die Verwandtschaft von seinen Plänen überzeugen, eine Kneipe in Misburg zu pachten.

Gäste bleiben aus

So lieh sie dem Hoffnungsträger der Familie 55.000 Euro, die er in den Umbau der Gold-Bar steckte. Er übernahm sie zum 1. Januar 2017, eröffnete sie sechs Wochen später – und steckte sie vier Wochen später in Brand. Und warum? Weil die Gäste ausblieben. „Mein hoch verschuldeter Mandant mochte der Familie sein Scheitern jedoch nicht offenbaren, darum entschloss er sich zu einer heißen Sanierung“, sagte Verteidiger Manfred Koch. Viel ungeschickter als Q. könne man sich aber kaum anstellen, offenkundig habe dieser aus purer Verzweiflung gehandelt.
Im Februar hatte der Wirt eine Inventarversicherung über 60.000 und eine Betriebsausfallversicherung über 200.000 Euro abgeschlossen, stellte nach dem Brand aber keinerlei Ansprüche. Die vier kleinen Wohnungen im Haus konnten zwei Monate nicht genutzt werden und der Gebäudeschaden liegt bei 130.000 Euro – hier wird sich die Versicherung sicher noch an Q. wenden. Dabei habe dieser noch Glück gehabt, so Anwalt Koch: „Wenn die Helfer nicht so beherzt die Kellertür eingetreten hätten, wäre mein Mandant heute tot.“ 

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Aus der Stadt Ernst August und Ekaterina - Gibt es Nachwuchs bei den Welfen?

Im März soll das erste Kind von Ernst August und Ekaterina von Hannover zu Welt kommen, das berichtet zumindest die "Bunte". Das Welfenpaar hält sich bisher bedeckt - dementiert die Meldung allerdings auch nicht.

Simon Benne 30.08.2017
Aus der Stadt Pilotprojekt nach drei Jahren beendet - Kultur macht Schule

Theaterstücke, Lichtinstallation, Film-Arbeitsgemeinschaft, Kunstaktion mit Spieluhren die Projekte sind ganz unterschiedlich, aber Kreativität it immer gefragt. Am Mittwoch ist das Pilotprojekt "Kultur durch Schule" mit rund 40 Modellschulen zu Ende gegangen.

Saskia Döhner 02.09.2017

Sie sind so etwas wie die heimlichen Stars des Zoo: die Erdmännchen. Am 24. Juli haben sie Nachwuchs bekommen. Am Mittwoch wurden die drei quirligen kleinen Racker vorgestellt.

30.08.2017