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Aus der Stadt Landtag in Hannover droht der Abriss
Hannover Aus der Stadt Landtag in Hannover droht der Abriss
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20:17 13.02.2015
Seit knapp einem halben Jahr haben die Bauarbeiter im alten Landtagsgebäude in Hannover das Sagen, das nach bisheriger Planung bis zum Sommer 2017 wieder hergestellt sein sollte. Quelle: Thomas
Hannover

Bei den Sanierungsarbeiten am Niedersächsischen Landtages sind unvorhergesehene Probleme aufgetreten. So scheint die denkmalgeschützte Hülle des 1962 errichteten Plenarsaales so brüchig, dass sie möglicherweise doch abgerissen werden muss. „Noch ist alles offen, ich erwarte vom Staatlichen Baumanagement präzisere Angaben“, sagte am Dienstagabend ein verärgerter Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU). „Ein Abriss wäre eine höchst blamable Entwicklung“, ergänzte er gegenüber der HAZ.

Es ist ein Mammutprojekt: Drei Jahre lang soll der Umbau des Landtagsgebäudes in Hannover andauern. Ein Rundgang über die Baustelle.

Seit knapp einem halben Jahr haben die Bauarbeiter das Sagen im alten Landtagsgebäude in Hannover, das nach bisheriger Planung bis zum Sommer 2017 wiederhergestellt sein sollte – für knapp 53 Millionen Euro. Während die Landtagsabgeordneten im Georg-von-Kölln-Haus gegenüber der Marktkirche tagen, reißen die Bauarbeiter Innenwände im entkernten Plenargebäude nieder, das innen völlig neu gestaltet werden soll. Am Dienstag meldete die Baukommission, dass man eine Bauverzögerung von gut sieben Wochen fast wieder aufgeholt habe – doch dann kam die überraschende Nachricht: Das Baumanagement des Landes teilte den Abgeordneten mit, nähere Untersuchungen der Betonhülle hätten ergeben, dass diese möglicherweise brüchig sei.

Politik in einer ehemaligen Eisenwarenhandlung: Während des Landtagsumbaus debattieren Niedersachsens Volksvertreter in einem Provisorium. Ein Blick in den Übergangslandtag.

Die Bauexperten vermuten Korrosionsschäden innerhalb der Betonwände, die derzeit lediglich durch Stahlkonstruktionen und Anker gehalten werden. „Die Frage ist nun, ob die Betonhülle unter wesentlich höheren Kosten saniert werden muss oder ob möglicherweise doch Abriss der alten Hülle ratsamer wäre“, sagte Landtagspräsident Busemann.

Bei Architekten in Hannover gibt es indes erheblichen Zweifel an der Darstellung des Baumanagements, dass brüchiger Beton die Ursache für die Probleme sein soll. Der Landtag war 2004, als die Fassade für bessere Dämmung erneuert worden war, intensiv auf Bauschäden untersucht worden. Damals waren kleinere Schäden repariert worden, insgesamt galt der Bau aber als extrem stabil. „Möglicherweise hängen die aktuellen Probleme eher mit der Konstruktion des Umbauentwurfs zusammen“, mutmaßt ein Skeptiker. Solange die vertraulich tagende Baukommission aber keine Daten über die angeblichen Schäden kommuniziere, lasse sich der Umgang mit dem Problem kaum diskutieren.

Der Erbauer des Landtages, Dieter Osterlen, ist noch für weitere Gebäude in Hannover verantwortlich: Ein Überblick.

Der Parlamentspräsident hat dem Staatlichen Baumanagement nun aufgegeben, folgende Fragen zu beantworten: „Wir wollen wissen: Wie hoch ist der Schaden? Wie teuer kommt die Sanierung? Kann man so weitermachen? Kann man bei einer noch umfangreicheren Sanierung den Zeitplan halten?“ Ende kommender Woche soll sich nach Busemanns Worten eine Sondersitzung der Baukommission mit diesen Fragen beschäftigen.

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Um die denkmalgeschützte Hülle des Landtages ist in Hannover heftig gestritten worden. Nicht nur die Verwalter des Erbes des bekannten Architekten Dieter Oesterlen legten sich für den Erhalt des Baudenkmals ins Zeug – auch zahlreiche Bürger in Hannover. Denn ursprünglich sah die Planung des Landtags vor, den Oesterlen-Bau ganz abzureißen und ein komplett neues Gebäude auf den Platz der Göttinger Sieben stellen. Dafür hatte es schon einen Entwurf des Kölner Architekten Eun Young Yi gegeben. Doch als klar wurde, dass dieser Bau, auf den sich der Landtag bereits festgelegt hatte, wesentlich teurer geraten würde als die vereinbarten 45 Millionen Euro, schwenkte der Landtag um.

mbb/ran/med

Ein Palastentwurf und der Protest

Seit 2002 wird um die Erneuerung des Landtags gerungen, der als dringend sanierungsbedürftig gilt. Damals hatte das hannoversche Architekturbüro Koch Panse einen Wettbewerb für eine behutsame Modernisierung des Gebäudes gewonnen, das vom bekannten Nachkriegsarchitekten Dieter Oesterlen stammt. Nach einem Regierungswechsel fiel das Vorhaben Sparauflagen zum Opfer. Stattdessen gab es 2009/2010 einen neuen Wettbewerb, dessen Ergebnis einen Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes vorsah und den Neubau eines tempelartigen Glashauses nach Entwürfen des Architekten Prof. Yi. Dagegen formierte sich ein breiter Bürgerprotest. In 360 niedersächsischen Orten wurden innerhalb von acht Wochen 40 347 Unterschriften gesammelt. Weil die Umsetzung des Yi-Entwurfs zudem immer teurer wurde, verabschiedete sich der Landtag – nun schon zum zweiten mal durch Abfindungszahlung aus Steuergeld von der Umsetzung des Wettbewerbsergebnisses und gab einen dritten Wettbewerb in Auftrag. Dessen Gewinner, Blocher Blocher aus Stuttgart, lässt das Gebäude innen vollständig entkernen, um mehr Platz und Licht für die Abgeordneten zu schaffen. 2017 sollte alles fertig sein – doch das ist jetzt wieder offen.

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