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Plenarsaal

Landtag überlässt Votum zu Neubau den Abgeordneten

Von Klaus Wallbaum

Über den Abriss oder Umbau des Oesterlen-Plenarsaals in Hannover sollen die 152 Landtagsabgeordneten im März entscheiden – und zwar völlig frei von Festlegungen ihrer Fraktionen.
Die Modelle und Grafiken des internationaler Architektenwettbewerbs für einen Neubau eines Plenarsaal am Niedersächsischen Landtagsind im Landtag in Hannover ausgestellt.

Die Modelle und Grafiken des internationaler Architektenwettbewerbs für einen Neubau eines Plenarsaal am Niedersächsischen Landtagsind im Landtag in Hannover ausgestellt.

Darauf haben sich am Donnerstagabend die Fraktionschefs von CDU, SPD und FDP gemeinsam mit Landtagspräsident Hermann Dinkla verständigt.

In den vergangenen Tagen hatte es einige Verwirrung gegeben, weil das Meinungsbild in den Fraktionen von CDU und SPD uneinheitlich war. CDU-Fraktionschef David McAllister gilt als Anhänger einer Sparvariante, die auf einen teuren Umbau verzichtet und den Architektenwettbewerb abbricht. Dafür zeichnet sich aber keine Mehrheit in der CDU ab. SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner befürwortet den zweiten Preisträger, der die Grundmauern des alten, von Dieter Oesterlen entworfenen Gebäudes weitgehend bewahren will. In seiner Fraktion plädierten 17 Abgeordnete dafür, 13 aber für den ersten Preisträger, der einen Glaspalast anstelle des alten Plenarsaals vorsieht. Die von Jüttner favorisierte Variante stößt in der CDU auf Ablehnung, wird aber von den Grünen geteilt.

Weil das Stimmungsbild damit absolut unübersichtlich ist, soll der Landtag in seiner Sitzungswoche vom 16. bis 19. März eine freie Entscheidung treffen. Derzeit ist schwer absehbar, welche Lösung der Favorit sein wird. Manches spricht dafür, dass der erste Preisträger, Architekt Yi aus Köln, in einer Mehrheit aus großen Teilen der CDU-Fraktion, der FDP und einem Teil der SPD beschlossen wird. Dies wäre dann der Freibrief für die Entscheidung des Landtagspräsidenten, den alten Oesterlen-Bau abreißen zu lassen.

Die drei Fraktionsvorsitzenden McAllister, Jüttner und Christian Dürr von der FDP nehmen mit der Freigabe der Abstimmung Bezug zum früheren Umbau des Landtags in den fünfziger und frühen sechziger Jahren. Bevor sich das Parlament damals festlegte, gab es auch einen heftigen Streit unter den Abgeordneten über das Für und Wider des Oesterlen-Plenarsaals, über dessen Abbruch gegenwärtig gerungen wird. Auch damals wurde die Entscheidung, die prägend war für das Stadtbild in Hannover, in einer äußerst kontroversen und am Ende knappen Entscheidung getroffen.

In den drei Fraktionen wird nun auch auf ein anderes Beispiel hingewiesen: Als der Bundestag Anfang der neunziger Jahre entscheiden musste, ob die Bundeshauptstadt Bonn oder Berlin sein soll, gaben die Fraktionen ebenfalls die Abstimmung frei. Solche Festlegungen über das Arbeitsfeld der Abgeordneten seien fast wie Gewissensentscheidungen, heißt es. Bei Grünen und Linkspartei stößt die Entscheidung auf Kritik.

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  • Lösung: Prinzip Bürger – 09.03.10
    Liben Online-Readaktion,
    an welcher Stelle übertrete ich Nutzungsbedingungen?
    Die Handelkammer Hamburg hat ein „schwieriges“ Bauprojekt dergestalt gelöst, dass ein mehrgeschossiger Kubus aus spiegelenden und durchscheinenden Materialien in ein bestehendes historisches Gebäude (Denkmalschutz) frei hineingestellt hat. Ein neu geschaffener Raum frei und unabhängig von der Aussenhülle in einem bestehenden Gebäude (Haus im Haus) mit unterschiedlichen Plattformen hineingestellt! Nun kenne ich nicht die bautechnischen Details des Landtagsgebäudes in Hannover sowie das benötigte und gewünschte Raumprogramm, aber das wäre ein Lösung die ich persönlich untersuchen würde.
  • Lösung Prinzip Bürger – 09.03.10
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  • Lösung: Prinzip "Haus im Haus" Bürger und Architekt – 09.03.10
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  • Lösung: Prinzip "Haus im Haus" Bürger und Architekt – 09.03.10
    Kommentar von HAZ.de gelöscht. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen www.haz.de/nutzungsbedingungen.
  • hübsche gebäude ändern garnichts. nur kluge köpfe ändern etwas aletheia – 08.03.10
    Ein neubau für Das DOPPELTE, was eine sanierung kostet, aber bei der BILDUNG streichen..

    was für eine bigotterie, labern alle von der jugend, dem geistigen wert in deutschland, der punkt, in den investiert werden muss...


    aber die herren politiker möchten lieber sich selbst besser darstellen, sich besser representieren. das ist wichtiger als alles andere. (so erscheint es gerade.)

    und das ist unglaublich armselig. besonders in anbetracht der steigenden armut, der leeren kassen, der kapuuten strassen.

    ist ein neuer prachtbau das was wir brauchen? (am besten noch ein glaskasten,damit das land an den heizkosten eingeht..)

    Nein
    bildung ist das, was uns rettet. wir sind nicht so billig, wir haben lohnnebenkosten, krankenversicherung,ein sozialnetz, schutzvorschriften. wir können nicht für 20 dollar den monat arbeiten.
    wir haben nicht genug ackerbau um darin unseren wohlstand zu gründen.


    unsere einzige chance, teilzuhaben ist also, unseren geist einzubringen.



    es wäre eine große geste, die sanierung anzunehmen und die eingesparten 20mrd in den bildungsetat zu geben-dort wird er wirklich gebraucht. (und die politiker diskutieren troztzdem im warmen)

    aber ob einige selbstdarsteller dazu in der lage sind.

    ich wünsche es mir wirklich. wir brauchen ingenieure. wir brauchen lehrer, naturwissenschaftler, wir brauchen kluge menschen.

    hübsche gebäude ändern garnichts. kluge köpfe ändern etwas
  • 'Niedersächsisches Allerlei'?... Belo Horizonte – 07.03.10
    Ergebnisse von Wettbewerben sind aus einem langen Reifungsprozess entstandene, in sich geschlossene Gebilde, die man hinterher nicht einfach verfälschen und vermanschen darf, nach dem Motto: "Das Dach nehme ich von dem einen Beitrag, die Fenster gefallen mir beim anderen und eine historisch anmutende Säule darf es auch noch sein. Wenn einer der Architekten aufmucken sollte, hat er Pech gehabt."

    Das nennt man bei den Grünen also Kompromiss?

    Genau DAS beleidigt nicht nur die freischaffenden Architekten, die mit einem professionellen Ergebnis dem Thema Landtagsumbau Würde und konkrete Lösungsansätze verliehen haben, sondern auch jeden steuerzahlenden Normalbürger.

    Ich bitte Sie: wenn Sie jetzt das Thema auf dieser Ebene weiter betreiben wollen, lassen Sie es lieber ganz.

    Oder: machen Sie endlich Ihre Hausaufgaben und schauen Sie sich die Beiträge einmal etwas genauer an.

    Dann werden Sie (hoffentlich) auch feststellen, dass bei den Beiträgen Koch/ Panse und Gebhardt die einzige Gemeinsamkeit darin besteht, dass sie den Oesterlen- Bau respektieren. Hieraus zu folgern, dass sie deshalb auch aus dem ‚gleichen Holz’ geschnitzt wären, ist ein zentner-schwerwiegender Denkfehler!

    Fangen Sie doch einfach mal damit an, die Wettbewerbsergebnisse zu respektieren und unterlassen Sie es bitte den Entscheidungsprozess in eine eigene "Malstunde" umzufunktionieren.

    Die Professionalität, die die Architekten hier vorgelegt haben, erwarte ich auch von Ihnen, liebe Landtagsabgeordnete!
  • mein Kompromiss-Vorschlag Arnulf Neumann – 06.03.10
    nach meinem Rechts-Verständnis sollte der niedersächsische Landtag:

    in einem 1. Abstimmungs-Verfahren zunächst namentlich darüber abstimmen, ob der denkmalgeschützte Oesterlen-Bau aus der Liste der Denkmäler in Niedersachsen entfernt werden sollte oder nicht.

    (Wettbewerbsteilnehmer, die dadurch geschädigt werden, weil diese Rechtssicherheit nicht rechtzeitig und vor Beginn beider Wettbewerbs- Verfahren erfolgt hergestellt wurde, sind ggf. zu entschädigen).

    In einem 2. Abstimmungsverfahren wäre dann über die Konzepte, die dann noch in Frage kommen, weiterhin namentlich abzustimmen.
  • Kompromiss (?) Arnulf Neumann – 06.03.10
    K o m p r o m i s s ?

    Hinter den aktuellen Vorstellungen der (Grünen) Abgeordneten von einem Kompromiss steckt das Unvermögen, sich entscheiden zu können oder zu wollen und /oder zu meinen, sich nach allen Richtungen hin abzusichern zu müssen.

    Solches Verhalten geht hier jedoch nun eindeutig zu Lasten der Entwurfsverfasser (!)

    Wobei sich die Frage erhebt, weshalb ausgerechnet der der 1. Preis von einer Vor ab - Kompromiss-Vorstellung frei gehalten werden soll, obwohl dieser eindeutig gegen geltendes Recht (NDSchG) verstößt!

    Ein konsequent weiter gedachter 'Kompromiss' als Vorbedingung für ein Votum der Abgeordneten im Parlament sähe theoretisch etwas anders aus und soll die Unsinnigkeit des Kompromiss-Gedankens an dieser Stelle verdeutlichen:

    Wenn schon, dann doch bei solchen 'Zumutungen' aus Gleichbehandlungs-Gründen bitteschön die Vermischung aller Drei (3) zur Auswahl stehender Entwürfe: 1. Preis 2010/ 2. Preis 2010 / 1. Preis 2002 / und nicht zu vergessen: 4.) der süßen Vorstellung vom 'Nichts tun'.

  • Votum oder 'Trick 17' (?) Arnulf Neumann – 06.03.10
    was hier, - ich nehme an von Herrn Wallbaum - neuerdings als demokratisches "Votum" verkauft wird, sollte besser "Trick 17" genannt werden, einfach deshalb, weil unter diesen Vorbedingungen der 1. Preis relativ sicher, spätestens bei der weiteren Realisierung des Wettbewerbes, "unten rauskommen wird".

    Es dürfte doch auf der Hand liegen, dass zwei so grundsätzlich unterschiedliche Denk und Entwurfs-Ansätze, - hier Panse/Koch 1992 einerseits, dort Gebhard 2010 andererseits - sich kaum in der realen Welt vereinbaren bzw. inhaltlich vermischen lassen.

    Zumindest sollte bei diesen Büros vor einer "Abstimmung" mit solch haarsträubenden Vorbedingungen um ihr ausdrückliches Einverständnis für das Zusammenlegen ihrer "Konzepte" eingeholt werden.
    Andernfalls würde es sich aus meiner Erfahrung schlicht um die geistige 'Vergewaltigung' von Entwurfsverfassern handelt.

    F a z i t: wo hier der Hase (angeblich aus Kostengründen) lang laufen soll, liegt für mich klar auf der Hand - und dass sogar Herr Dinkla auf diesem Wege jedes Ergebnis akzeptieren kann glaube ich ihm aufs Wort!
  • Style Neo-Grec Bürger – 05.03.10
    An die Abgeordneten. Das Architektur im öffentlichen Raum auch immer etwas mit Politik zu tun hat, gilt für jedes bauliche Vorhaben. Das jetzt jeder einzelne Entscheidungsträger auch die Verantwortung hat, auch und gerade gegenüber seinem eigenen Gewissen, begrüße ich. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal einige Argumente für die Enscheidungsfindung anhand des Siegerentwurfs in den Raum stellen, weil ich mir natürlich um die Bedeutung des Vorhabens bewusst bin. Unter dem Gesichtspunkt der Baukunst, und darum sollte es hier gehen, haben wir es bei dem „Siegerentwurf“ mit einer Aussage zu tun, die sich an die klassische griechische und römische Kunst anleht. Die Aufnahme des antiken Vorbildes, ein Rückgriff auf die Antike. Man spricht auch vom Neo-Klassizismus. Den Einzelbau kennzeichnet ein kubischer Charakter, der Baukörper ist statisch, unterstrichen durch die großen Säulenordnungen, streng und monumental in additiver Reihung gehalten. Es überrascht zunächst warum der Entwurf unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen beim Auslober des Wettbwerbs so viel Zuspruch erfährt. Da es ein Parlamentsgebäude mit einem Plenarsaal werden soll, sieht man in dem Entwurf scheinbar eine symbolische Idealität, die durch die Bautypen- und formen Schönheit und bürgerliche Demokratie verkörpern soll. Dabei evoziert er einen machtvollen Stil. Dieses Antikisierende gab es in allen Zeit-Phasen. Nach der Zeit der Romantik und der Aufklärung (als Reflex auf den Feudalabsolutismus), leben wir jedoch im 21. Jahrhundert, geprägt durch Rationalismus und einer antifeudalen Staatsauffassung in einer modernen bürgerlichen Demokratie. Auch haben wir eine industrielle Revolution durchlaufen, die Wissenschaft wurde bestimmend und das wirkte sich auch in der Architektur aus durch exakte Berechnungsmethoden und neue Materialien (z.B. Stahlbeton). Vorherrschend ist dieser Entwurf daher eine „Bildvorstellung“ von der Antike. Das Sein tritt hinter dem gesetzten Bild zurück. Dieses Bild ist jedoch losgelöst von der Entwicklung der Bürgerinnen und Bürger. Es ist elitär und wenig emanzipiert. Es ist Historismus, verbunden mit romantischen Erwägungen als „nationaler Stil.“ Es ist eine monumentale städtbauliche Gesinnung. Es bleibt eine Antikenbeschwörung, die ich aber als eine Selbsttäuschung betrachte. Man ist der Meinung in diesem Stil liegen die ewigen Gesetze architektonischen Gestaltens- vielleicht glaubt man, dass damit die Leidenschaft der Debatten im Landtag auf der Höhe der großen geschichtlichen Tragödien zu halten sind. Es ist immer wieder der Versuch, auch durch liberale und demokratische Kräfte des Bürgertums zu glauben, die sich verschärfenden gesellschaftlichen Widersprüche durch eine Beschwörung der Antike umgehen bzw. beheben zu können, selbst im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Betonung der Macht wurde dieser Neo-Klassizismus benutzt. Dieses ewige Streben nach Monumentalität bei besonderen Aufgaben. Stilgeschichtlich ist es ein äußerst widersprüchlicher Stil in der Architektur. Man sollte wissen, das mit diesem „Sieger-Entwurf“ nur noch die mythologische Ikonografie und einzelne Formelemente nachleben. Um produktiv richtig verstanden zu werden, alle Bahnbrecher der neuen Baukunst, haben in einer klärenden Frühphase ihres Schaffens diesen Neo-Klassizismus-Stil durchlaufen, und sind dann zu ganz neuen zeitgemäßen Formen gelangt.
  • Was DA – 05.03.10
    für ein riesiger Dilentantismus in der Verwaltung, aber es bleibt spannend :-)
  • Denkmalschutz zum Festpreis ? (Berichtigung) Arnulf Neumann – 05.03.10
    @ Herrn Finanz-Minister Möllring

    Denkmalschutz war eigentlich noch nie zum "Festpreis" zu bekommen. Ich nahm an, dass Sie das als Finanzminister wüssten.

    Denkmalschutz steht auch nicht zur Disposition, auch nicht zu Ihrer !

    Beim Denkmalschutz handelt es sich um eine in hohem Maße kulturelle Aufgabe, die uns der Gesetzgeber im Niedersächsischen Denkmalschutz-Gesetz (NDSchG) zwingend auferlegt hat.

    Dahinter müssen andere Aspekte wie z.B. persönlicher Geschmack, Praktikabilitäts - und Wirtschaftlichkeits - Abwägungen (z.B. Kostenvorteile bei Fertighaus-Produkten), bei der Priorität schon noch deutlich hinter dem Schutzgedanken des Gesetzes zurück stehen.

    Von daher sollten sie aufhören, Abriss und Neubau öffentlich in dieser Form gegen das Denkmal (Oesterlen Bau) auszuspielen!

    Auch sollte der Eindruck nicht weiter entstehen, Sie würden in Rambo-Manier zum offenen Gesetzesbruch (beim Denkmalschutz) aufrufen. Das wäre rechtswidrig !

    Der Sinn des Denkmalschutzes besteht darin, das Denkmal zu schützen, gegebenenfalls auch vor Ihnen (!)
  • Koch/Panse 2002 ist gut Heinz aus Goethestr. – 05.03.10
    Pardon, 2002 war es wohl. Überhaupt hätte ich gerne Vorschläge hiesiger Architekten, die hier wohnen und arbeiten und das Gebäude häufiger sehen mehr gewürdigt.
  • Koch/Panse 2005 ist gut Heinz aus Goethestr. – 05.03.10
    Sehr schöner Kommentar von nolimt. Ganz meine Meinung.
    Zum Thema Transparenz fällt mir ein, daß man in der Stiftstr. den Redakteuren durch die Glasscheiben im Erdgeschoß zusehen kann. Was sieht man da? Menschen vor dem PC. Etwas anderes hätte ich nicht erwartet. Was sie dort aber eigentlich machen, weiß man nicht.
  • Style Neo-Grec Bürger – 05.03.10
    An die Abgeordneten:
    Architektur im öffentlichen Raum hat auch immer etwas mit Politik zu tun hat,das gilt für jedes bauliche Vorhaben. Das jetzt jeder einzelne Entscheidungsträger auch die Verantwortung hat, auch und gerade gegenüber seinem eigenen Gewissen, begrüße ich. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal einige Argumente für die Enscheidungsfindung anhand des Siegerentwurfs in den Raum stellen, weil ich mir natürlich um die Bedeutung des Vorhabens bewusst bin. Unter dem Gesichtspunkt der Baukunst, und darum sollte es hier gehen, haben wir es bei dem „Siegerentwurf“ mit einer Aussage zu tun, die sich an die klassische griechische und römische Kunst anleht. Die Aufnahme des antiken Vorbildes, ein Rückgriff auf die Antike. Man spricht auch vom Neo-Klassizismus. Den Einzelbau kennzeichnet ein kubischer Charakter, der Baukörper ist statisch, unterstrichen durch die großen Säulenordnungen, streng und monumental in additiver Reihung gehalten.
    Es überrascht zunächst warum der Entwurf unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen beim Auslober des Wettbwerbs so viel Zuspruch erfährt. Da es ein Paralamentsgebäude mit einem Plenarsaal werden soll, sieht man in dem Entwurf scheinbar eine symbolische Idealität, die durch die Bautypen- und formen Schönheit und bürgerliche Demokratie verkörpern soll. Dabei evoziert er einen machtvollen Stil. Dieses Antikisierende gab es in allen Zeit-Phasen. Nach der Zeit der Romantik und der Aufklärung (als Reflex auf den Feudalabsolutismus), leben wir jedoch im 21. Jahrhundert, geprägt durch Rationalismus und einer antifeudalen Staatsauffassung in einer modernen bürgerlichen Demokratie. Auch haben wir eine industrielle Revolution durchlaufen, die Wissenschaft wurde bestimmend und das wirkte sich auch in der Architektur aus durch exakte Berechnungsmethoden und neue Materialien (z.B. Stahlbeton). Vorherrschend ist dieser Entwurf daher eine „Bildvorstellung“ von der Antike. Das Sein tritt hinter dem gesetzten Bild zurück. Dieses Bild ist jedoch losgelöst von der Entwicklung der Bürgerinnen und Bürger. Es ist elitär und wenig emanzipiert. Es ist Historismus, verbunden mit romantischen Erwägungen als „nationaler Stil.“ Es ist eine monumentale städtbauliche Gesinnung. Es bleibt eine Antikenbeschwörung, die ich aber als eine Selbsttäuschung betrachte. Man ist der Meinung in diesem Stil liegen die ewigen Gesetze architektonischen Gestaltens- vielleicht glaubt man, dass damit die Leidenschaft der Debatten im Landtag auf der Höhe der großen geschichtlichen Trägödien zu halten sind. Es ist immer wieder der Versuch, auch durch liberale und demokratische Kräfte des Bürgertums zu glauben, die sich verschärfenden gesellschaftlichen Widersprüche durch eine Beschwörung der Antike umgehen bzw. beheben zu können, selbst im Zusammenhang mit den nationalsozialistischen Betonung der Macht wurde dieser Neo-Klassizismus benutzt. Dieses ewige Streben nach Monumentalität bei besonderen Aufgaben. Stilgeschichtlich ist es ein äußerst widersprüchlicher Stil in der Architektur. Man sollte wissen, das mit diesem „Sieger-Entwurf“ nur noch die mythologische Ikonografie und einzelne Formelemente nachleben. Um produktiv richtig verstanden zu werden, alle Bahnbrecher der neuen Baukunst, haben in einer klärenden Frühphase ihres Schaffens diesen Neo-Klassizismus-Stil durchlaufen, und sind dann zu ganz neuen zeitgemäßen Formen gelangt.
  • Denkmalschutz zum Festpreis? Arnulf Neumann – 05.03.10
    @ Herrn Möllring

    Denkmalschutz war eigentlich noch nie zum "Festpreis" zu bekommen. Ich nahm an, dass Sie das als Finanzminister wüssten.

    Denkmalschutz steht auch nicht zur Disposition, auch nicht zu Ihrer !)

    Beim Denkmalschutz handelt es sich um eine in hohem Maße kulturelle Aufgabe, die uns der Gesetzgeber im Niedersächsischen Denkmalschutz-Gesetz (NDSchG) zwingend auferlegt hat.

    Dahinter müssen andere Aspekte wie z.B. persönlicher Geschmack, Praktikabilitäts - und Wirtschaftlichkeits - Abwägungen (z.B. Kostenvorteile bei Fertighaus-Produkten), in der Priorität schon noch etwas hinter dem Schutzgedanken zurück stehen.

    Von daher sollten sie aufhören, Abriss und Neubau öffentlich in dieser Form gegeneinander auszuspielen.

    Auch sollte der Eindruck nicht entsteht, Sie würden in Rambo-Manier zum offenen Gesetzesbruch (beim Denkmalschutz) aufrufen. Das wäre rechtswidrig (!)


    Der Sinn des Denkmalschutzes besteht darin, das Denkmal zu schützen, ggf. auch vor Ihnen.
  • @ "nolimit" (Ergänzung) Arnulf Neumann – 05.03.10
    es muß natürlich heißen "angebliche profunde Insiderkenntnisse" denn..

    dass ein zweiter Wettbewerb von vorneherein das erklärte Ziel hatte, den Oesterlen-Bau abzureißen - das halte ich sowohl für ein Gerücht, als auch für eine Unterstellung.

    Die Ergebnisse des 2. Wettbewerbes sprechen jedenfalls nicht explizit für Ihre 'These' (siehe z.B. auch das Ergebnis 2.Preis).

    Und dass der 2. Preis das Oesterlen-Denkmal aus Ihrer Sicht geradezu 'schändet'
    kann ich nun gar nicht mehr nachvollziehen. Deshalb ordne ich Ihre 'Meinung', wie natürlich auch meine eigene, bei der Redensart "die Geschmäcker sind Gott sei Dank verschieden" ein.
  • suspekt amta – 05.03.10
    Je demonstrativer "transparent" (Glas, Stahl usw.) ein Verwaltungs- oder Parlamentsgebäude ist, desto unglaubwürdiger wird es. Auch in einem Gewächshaus kann schlecht gearbeitet werden. Irgendwann wird man sich an diesem ganzen Stahl-Glas-Kram sattgesehen haben, ähnlich wie man es heute mit den 1960er/70er-Jahre-Betonbauten hält.
  • @ nolimit Arnulf Neumann – 05.03.10
    dieser stark eingefärbte Fachbeitrag mit porofunden Insider-Kenntnissen w a r n t vor.....

    wie wäre es denn, in diesem Fall mit "Offenem Visier" (Namensnennung) zu arbeiten. So kann man doch nur erahnen, wo "es" her kommt (!)
  • namentliche Abstimmung? Arnulf Neumann – 05.03.10
    dass jeder Abgeordnete in dieser Frage seinem Gewissen nach (ohne Fraktionszwang)abstimmen sollte, das halte ich für selbstverständlich.

    Für die Nachwelt wäre aus meiner Sicht wegen der epochalen Weichenstellung für den Denkmalschutz-Gedanken allerdings
    n a m e n t l i c h e Abstimmung angebracht.
  • Entscheidung frei von Festlegungen??? Ralf Del Bianco – 05.03.10
    ...und ich dachte immer, Demokratie wird in Parlamenten gemacht, in denen Abgeordnete ihrem Wissen, Gewissen und womöglich ihrem Wahlkreis folgen...weit gefehlt! Alle paar Jahre wird für eine Entscheidung (meist geht es um Abtreibung) "der Fraktionszwang aufgehoben"... da frage ich mich, wozu üßberhaupt einen neuen Plenarsaal bauen, wenn doch 98% der Entscheidungen in anderen Gremien fallen. Ich würde den Fraktionen Hüte mit Angabe der Landtagssitze und meinen Besprechungsraum zur Verfügung stellen, dann könnten die Vorsitzenden in kleiner Runde tagen und man kann sich die ganze Bauerei sparen. Öffentlichkeit kann man auch noch anders herstellen... (siehe Fussball-WM)...das geht ganz ohne Glasfassade.
  • Weg mit dem Bunker Bornum – 05.03.10
    Freundlich,Einladend,Hell so sollte ein Haus für das Volk und seine Vertreter sein.Bitte kein Architekten Haus mehr.Aber auch keine Scheune.Die Farbe Grau und Schwarz sollte auch gestrichen sein.
    Wie sagte schon ein weiser Mann:Eine Wohnung kann einen Menschen genau so Töten wie eine Gewehrkugel.
  • In Regress nehmen nolimit – 04.03.10
    Warum wohl hat kein renommiertes hannoversches Architekturbüro (KSW, BKSP, S&E und natürlich Koch|Panse) an diesem Unsinnswettbewerb teilgenommen? Weil dort -wie in der großen Mehrheit der Architektenschaft- die Überzeugung besteht, dass der Abriss eines funktionalen, architektonisch nach wie vor überzeugenden, dazu noch unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes, eine nicht hinzunehmende Schandtat wäre.
    Die Ostfassade mit den großen Glasflächen ist übrigens vor wenigen Jahren energetisch saniert worden, die Verglasung ist auf neuestem Stand, die Natursteinfassade wurde behutsam entfernt, gelagert und nach Einbringung einer zeitgemäßen Dämmung wieder angebracht. Dass es einen wie auch immer gearteten Sanierungsstau gäbe, ist eine bewusste Lüge! Natürlich muss man jetzt weitermachen, wo ist das Problem?
    Ich warne übrigens vor dem 2. Preis dieses absolut unnötigen Wettbewerbes. Das Entfernen der mittigen Massivelemente entstellt Oesterlens Grundidee der gleichmäßig aufgeteilten Fassade, bestehend aus sieben Blöcken, die die damals existierenden nds. Bezirke symbolisierten. Das ist kein Umgang mit einem Denkmal! Dann wäre ein Abriss nur konsequenter...
    Oesterlens Ursprungsentwurf sah übrigens einen verglasten Plenarbereich vor, den die damaligen Abgeordneten ablehnten, weil sie lieber in Klausur tagen wollten. heraus kam dann der hölzerne, blickdichte Einbau.
    Diesen zu entfernen und durch eine Glaskonstruktion zu ersetzen, wäre also durchaus im Sinne Oesterlens. Gleichzeitig hätte er sicher nichts gegen eine Öffnung des Daches und weitere Anpassungen an den Zeitgeist. Ganz wichtig wäre die Attraktivierung des Sockelgeschosses, diese ist wirklich veränderungsbedürftig.
    Wie das alles charmant geht, zeigt der erstplazierte Entwurf von 2002, den das Büro Koch|Panse vorgeschlagen hatte. Alles richtig gemacht! Nur wie 's im Leben so geht, wurde dieser, in jeder Hinsicht passende Entwurf aus "Kostengründen" ad acta gelegt, um einen widersinnigen, kostentreibenden neuen Wettbewerb auszuschreiben.
    Ich rege an, diese Steuergeldverschwendung bei den Verantwortlichen in Form eines Regressverfahrens persönlich einzutreiben und sie dann politisch in die Wüste zu schicken...
  • Dinklas Lampenladen Rubber Duck – 04.03.10
    Wenn der neugriechische Tempel doch noch gebaut werden sollte könnte man ihn ja, in Anlehnung an den ehemaligen Palast der Republik, "Dinklas Lampenladen" nennen. So ähnlich sieht das Ding nämlich aus.
  • Glaspalast in diesen Zeiten? Bürger – 04.03.10
    Die Politik sollte sich genau überlegen ob sie für einen Glaspalast stimmt. Wer hier den Denkmalschutz mit Füßen tritt, 45 Millionen Steuergelder für den eigenen Komfort versenken möchte hat sich wohl etwas zu weit vom Wähler entfernt!
  • Ohne Fraktionszwang Stadtaffe – 04.03.10
    Ist wohl auch besser so. Vielleicht auch mal auf den Reichstag in Berlin schauen. Mit nem attraktiven Top und neuem Innenleben ist doch glatt ne Touristenattraktion daraus geworden. Ganz soviel Geld hat Niedersachsen natürlich nicht. Und wenn's wieder nicht klappt könnt ihr ja immer noch in die Markthalle umziehen. Die ist auch schön verglast ;-)
  • Also whoknows – 04.03.10
    haben sich die Fraktionschefs ausnahmsweise mal darauf geeinigt nicht gegen die Verfassung zu verstossen, denn der Abgeordnete ist eigentlich eh nur seinem Gewissen, nicht aber seiner Fraktion verpflichtet.

    Ich staune immer wieder wie schamlos und offen hier Verfassungsbruch begangen wird.

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