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Abrisses des Plenarsaals

Landtagsneubau wird zur Machtprobe in CDU-Landtagsfraktion

Von Klaus Wallbaum

Der Streit um den Landtagsneubau wächst sich in der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion zu einer Machtprobe aus: Mehrere Befürworter eines Abrisses des alten Plenarsaals wollen damit ein Zeichen setzen – gegen die Abrissgegner in der Stadt Hannover, aber auch gegen Bedenkenträger in Fraktionsführung und Landesregierung.
Die Anhänger des ersten Preisträgers, der einen Abbruch des von Dieter Oesterlen geschaffenen Plenarsaals empfiehlt, fühlen sich bestärkt.

Die Anhänger des ersten Preisträgers, der einen Abbruch des von Dieter Oesterlen geschaffenen Plenarsaals empfiehlt, fühlen sich bestärkt.

© Steiner (Archiv)

„Inzwischen geht es längst nicht mehr um die Sache, sondern um die Frage, wer das Sagen hat“, berichtete ein Abgeordneter am Mittwoch. Das richte sich auch gegen Ministerpräsident Christian Wulff, der kürzlich in einem Gespräch mit Architekten zur Bescheidenheit gemahnt hatte. Die Äußerung war an die Öffentlichkeit gelangt und als ein Versuch des Regierungschefs gedeutet worden, dem Parlament Ratschläge zu geben und die Debatte umzudrehen.

Inzwischen aber fühlen sich im Gegenteil die Anhänger des ersten Preisträgers im Architektenwettbewerb bestärkt, der einen Abbruch des von Dieter Oesterlen geschaffenen Plenarsaals empfiehlt. Deutlich wurde dies, wie Teilnehmer berichten, in der jüngsten CDU-Fraktionssitzung. Der Vorsitzende David McAllister erläuterte die Einwände gegen den ersten Preisträger: Es drohten womöglich ausufernde Kosten, außerdem werde der Bau nicht bis zur Landtagswahl 2013 fertig sein, im Übrigen sei ein Abriss des Oesterlen-Baus eine Kampfansage an dessen starke Anhängerschaft in Hannover. Als McAllister hinzufügte, die Fraktion wolle wegen der Kritikpunkte „heute noch nicht entscheiden“, rief sein Stellvertreter Heinz Rolfes aus Lingen ironisch „Wie mutig!“ dazwischen. Abgeordnete berichten, spätestens in diesem Moment sei die Stimmung „unterkühlt“ gewesen.

Auffällig sei gewesen, dass die Vize-vorsitzenden McAllister nicht unterstützt hätten. Deutlich hätten nur die Befürworter von Abriss und Neubau ihre Position vertreten. Manche verknüpften dies mit dem Hinweis, dass sie Landtagspräsident Hermann Dinkla ausdrücklich den Rücken stärkten. Dinkla hatte sich früh zum ersten Preisträger bekannt, seine Autorität ist mit dieser Diskussion verknüpft worden. In der Fraktionssitzung erhielt Dinkla den stärksten Beifall, während sich Wulff nicht zu Wort meldete. Teilnehmer sahen in dem Verlauf eine kleine Demonstration gegen Wulff, der sich in der Debatte um das ureigene Recht des Landtags, sein eigenes Haus zu gestalten, künftig nicht mehr einmischen solle.

Von einer „irrationalen Stimmung“ in der CDU war am Mittwoch die Rede. Finanzminister Hartmut Möllring aus Hildesheim ließ erkennen, dass er einem Abriss des alten Oesterlen-Baus ohne Wehmut entgegensehen würde; dies kommt nach seiner Meinung billiger als ein Umbau, zudem sei das Thema Sache des Landes: „Hannover ist die Landeshauptstadt, und sie muss sich auch so benehmen.“ Diese Bemerkung löste Applaus aus.

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  • Style Neo-Grec Bürger – 05.03.10
    An die Abgeordneten. Das Architektur im öffentlichen Raum auch immer etwas mit Politik zu tun hat, gilt für jedes bauliche Vorhaben. Das jetzt jeder einzelne Entscheidungsträger auch die Verantwortung hat, auch und gerade gegenüber seinem eigenen Gewissen, begrüße ich. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal einige Argumente für die Enscheidungsfindung anhand des Siegerentwurfs in den Raum stellen, weil ich mir natürlich um die Bedeutung des Vorhabens bewusst bin. Unter dem Gesichtspunkt der Baukunst, und darum sollte es hier gehen, haben wir es bei dem „Siegerentwurf“ mit einer Aussage zu tun, die sich an die klassische griechische und römische Kunst anleht. Die Aufnahme des antiken Vorbildes, ein Rückgriff auf die Antike. Man spricht auch vom Neo-Klassizismus. Den Einzelbau kennzeichnet ein kubischer Charakter, der Baukörper ist statisch, unterstrichen durch die großen Säulenordnungen, streng und monumental in additiver Reihung gehalten. Es überrascht zunächst warum der Entwurf unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen beim Auslober des Wettbwerbs so viel Zuspruch erfährt. Da es ein Parlamentsgebäude mit einem Plenarsaal werden soll, sieht man in dem Entwurf scheinbar eine symbolische Idealität, die durch die Bautypen- und formen Schönheit und bürgerliche Demokratie verkörpern soll. Dabei evoziert er einen machtvollen Stil. Dieses Antikisierende gab es in allen Zeit-Phasen. Nach der Zeit der Romantik und der Aufklärung (als Reflex auf den Feudalabsolutismus), leben wir jedoch im 21. Jahrhundert, geprägt durch Rationalismus und einer antifeudalen Staatsauffassung in einer modernen bürgerlichen Demokratie. Auch haben wir eine industrielle Revolution durchlaufen, die Wissenschaft wurde bestimmend und das wirkte sich auch in der Architektur aus durch exakte Berechnungsmethoden und neue Materialien (z.B. Stahlbeton). Vorherrschend ist dieser Entwurf daher eine „Bildvorstellung“ von der Antike. Das Sein tritt hinter dem gesetzten Bild zurück. Dieses Bild ist jedoch losgelöst von der Entwicklung der Bürgerinnen und Bürger. Es ist elitär und wenig emanzipiert. Es ist Historismus, verbunden mit romantischen Erwägungen als „nationaler Stil.“ Es ist eine monumentale städtbauliche Gesinnung. Es bleibt eine Antikenbeschwörung, die ich aber als eine Selbsttäuschung betrachte. Man ist der Meinung in diesem Stil liegen die ewigen Gesetze architektonischen Gestaltens- vielleicht glaubt man, dass damit die Leidenschaft der Debatten im Landtag auf der Höhe der großen geschichtlichen Tragödien zu halten sind. Es ist immer wieder der Versuch, auch durch liberale und demokratische Kräfte des Bürgertums zu glauben, die sich verschärfenden gesellschaftlichen Widersprüche durch eine Beschwörung der Antike umgehen bzw. beheben zu können, selbst im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Betonung der Macht wurde dieser Neo-Klassizismus benutzt. Dieses ewige Streben nach Monumentalität bei besonderen Aufgaben. Stilgeschichtlich ist es ein äußerst widersprüchlicher Stil in der Architektur. Man sollte wissen, das mit diesem „Sieger-Entwurf“ nur noch die mythologische Ikonografie und einzelne Formelemente nachleben. Um produktiv richtig verstanden zu werden, alle Bahnbrecher der neuen Baukunst, haben in einer klärenden Frühphase ihres Schaffens diesen Neo-Klassizismus-Stil durchlaufen, und sind dann zu ganz neuen zeitgemäßen Formen gelangt.

  • Landtag B.Räcke – 04.03.10
    Schon ganz andere Größen aus Politik und Wirtschaft haben sich in Hannover Denkmäler gesetzt: Das Höchste dürfte wohl "GESTAPELTE GLASCONTAINER AM AEGI (Nord-LB)" sein. Wenn sich nun ein Herr Dinkla für die Nachwelt erhalten will, möge er das tun - aber bittschön, auf eigene Kosten und nicht aus der Steuerkasse. "ER" - könnte an Größe gewinnen, würde "ER" auf der Basis der Entwürfe von 2002 und dem jetzigen zweiten Platz weiterplanen lassen. Eine solche Neugestaltung des Landtages würde allen Interessenlagen gerecht werden können: Landtagspräsidenten, "beengten" Volksvertretern, Oberbürgermeistern, Denkmalschützern, Stadtgestaltern und Bürgern aus Land und Stadt.

    Und die Kosten wären dann für alle erträglich - auch wenn sie wie immer höher ausfallen als geplant.

  • Niedersachsen, wilder Westen? Arnulf Neumann – 04.03.10
    oder auch: "wo leben wir hier eigentlich" (!)

    zuweilen bekommt man den Eindruck, daß es sich hier nicht mehr um Niedersachsen, sondern eigentlich doch eher um den sog. Wilden Westen handelt, wo den überlieferten Geschichten nach noch das Faustrecht zelebriert worden sein soll.

    Auch kann ich mich des Eindrucks nicht ganz erwehren, daß eine ganze Reihe unserer Landtagsabgeordneten sowie Minister ihr 'Niesersächsisches Denkmalschutz'- Gesetz(NDSchG) noch nicht einmal annähernd kennen geschweige dieses durchgelesen oder gar zur Kenntnis genommen haben.

    Wie anders sollte man es sich sonst erklären, daß hier stellenweise von Abgeordneten und Ministern öffentlich zum offenen Gesetzesbruch aufgerufen wird?

    (siehe auch angebliche Äußerungen des Herrn Finanzminister Möllring)
  • "Hannover ist die Landeshauptstadt..." schorse – 04.03.10
    Ich möchte diesen Herrn aus Hildesheim daran erinnern,dass er Gast in unserer schönen Landeshauptstadt ist.
    Er sollte sich daher auch als Gast benehmen und die Meinung der Bürger und Experten akzeptieren. Als Minister gilt für ihn auch das Denkmalschutzgesetz!
    Ich wiederhole mich: Die Bürger sollten entscheiden!
    Dass der Abriss und Neubau billiger sein soll, glaubt er wohl nur allein!!!
  • Kasperle Theater Tante X – 04.03.10
    vielleicht sollte man Legos mit Politikern bedrucken und diese verkaufen,so könnte man ähnlich wie die Frauenkirche den BAU bezahlen.
    Pädagogisch wertvolles Spielzeug hat noch nie jemand geschadet.
  • Kleine Ursache große Wirkung Bürste – 04.03.10
    Interessant zu beobachten wie durch so eine profane Sache wie die Planung eines Bürogebäudes,die gesammten Defizite der Innerparteilichen Demokratien zum Vorschein kommen.Ich hoffe nur das Artet nicht zum Prager Fenstersturz aus.So was scheint mehr Spass zu machen als sich mit der Wirtschafts- und Finanzkrise auseinander setzten zu müssen.Wann hat der Parlamentarier auch die Möglichkeit an einen Dombau mitwirken zu können? Ein Zipfel der Baugeschichte zu erhaschen.Wie Helmut Kohl der sein Minni-Germania hochklotzen konnte.Und seine Gegner mussten drin wohnen und arbeiten.So was darf man sich doch nicht entgehen lassen.Danke für die gute Unterhaltug ihr lieben "Volksvertreter".Es lebe die neue Tele-Nova:"Die Säulen der Macht an der Leine"
  • „Hannover ist die Landeshauptstadt" Arnulf Neumann – 03.03.10
    „Hannover ist die Landeshauptstadt, und sie muss sich auch so benehmen.“
    Deshalb sollte sie sich in ihrer Vorbildfunktion auch an ihre eigenen Gesetze (Denkmal Schutz Gesetz) halten!

    Das gilt auch für den Wirtschaftsminister!
  • Na toll whoknows – 03.03.10
    Machtspielchen um 45 Mio und zahlen darf am Ende der Bürger. Vielleicht sollte man den Bürger einfach mal Fragen und zwar
    - Wollen sie Neubau
    - Wollen sie Umbau
    - Wollen sie es belassen wie es ist

    Das könnte dem Land viel Geld sparen, aber die CDU Landtagsfraktion spielt lieber Hahnenkampf...

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