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Landwirte informieren Städter am Bauerntag

Ernst-August-Denkmal Landwirte informieren Städter am Bauerntag

Großes Interesse an der Landwirtschaft: Zum Bauerntag hat am Mittwoch ein Erlebnisbauernhof am Ernst-August-Denkmalden Städtern das Leben der Landwirte erklärt – ein mühsames Geschäft.

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„Das Interesse ist groß“: Sven Klingemanns „Kuhmobil“ ist ein Blickfang beim Erlebnisbauernhof.

Quelle: Dröse

Hannover . Das Ernst-August-Denkmal wirkt fast wie eine zierliche Zinnfigur neben dem Großgerät. Der Fendt-Trecker, der samt angehängtem Düngerstreuer vor dem Hauptbahnhof steht, ist beinahe so groß wie ein Einfamilienhaus. Die Fahrerkabine ist vollgestopft mit Monitoren: „Viele Menschen wissen ja gar nicht, wie viel Technik in der modernen Landwirtschaft steckt“, sagt Günter May.

Kühe trifft man üblicherweise nicht vor dem hannoverschen Hauptbahnhof an. Am Bauerntag sieht das jedoch anders aus. An diesem Tag erklären Bauern Städtern landwirtschaftliche Arbeit.

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Der 65-Jährige aus Lehrte ist einer der Landwirte, die sich am Mittwoch auf dem „Erlebnisbauernhof“ tummelten: Vor dem Hauptbahnhof hatten Landwirte sieben Stationen aufgebaut. Parallel zum Deutschen Bauerntag, der derzeit erstmals seit 19 Jahren wieder in Hannover über die Bühne geht, gewährten sie Einblicke in die moderne Landwirtschaft.

„Wir wollen den Bauerntag in die Stadt bringen“, sagt Marlies Poppe vom Landvolk. Bauern und Verbraucher sollen auf diesem Erlebnisbauernhof miteinander ins Gespräch kommen. Das Ganze ist eine Charme- und Info-Offensive mit Spargelstand und Heuballendekoration – und es ist ein mühsames Geschäft. Denn vielen Stadtbewohnern ist die Arbeit der Bauern längst sehr fremd geworden.

„Die Unkenntnis ist schon groß“, sagt May. Er zeigt auf den großen Sensor am Bug des Treckers: „Der scannt auf dem Feld die Grüntöne des Getreides“, sagt er. Aus deren Nuancen errechnet ein Computer den Nährstoffbedarf der Pflanzen: „Dann wird grammgenau berechnet, welcher Dünger ausgebracht wird“, sagt er. Der High-Tech-Trecker erinnert eher an „Raumschiff Enterprise“ als an „Unsere kleine Farm“.

Viele Städter glauben ja, dass zum Düngen eine Bauersfrau mit geraffter Kittelschürze über den Acker schreitet, um mit schwieligen Händen Pulver über der Furche auszustreuen. Doch solche romantischen Vorstellungen von der Landwirtschaft seien ebenso falsch wie die Dämonisierung moderner Großbetriebe, sagt May: „Wir wollen hier zeigen, dass wir Ökologie und Ökonomie unter einen Hut bringen können.“

"Interesse ist groß"

Sieben Stationen gibt es auf dem Erlebnisbauernhof – Ackerbau, Düngung, Schweinehaltung. Kinder drücken sich die Nasen platt am Stand von Claudia Königsmann. Sechs kleine Ferkel kuscheln sich im „Schweinemobil“ der Landwirtin aus Schwüblingsen aneinander. Der Wagen ist eine Art moderner Stall auf Rädern – und es sieht fast wohnlich darin aus: „Wir zeigen hier, dass Schweine auch in konventionellen Betrieben nicht eng zusammengepfercht leben müssen“, erklärt sie Besuchern.

Unterdessen fotografieren japanische Touristen die beiden Kälbchen, welche die Stars am „Kuhmobil“ von Sven Klingemann sind. Die Tiere, die possierlich an Milch- und Müslibehältern nuckeln, sind erst wenige Tage alt. Ihre berufliche Zukunft ist eher düster, denn die Milchpreise sind im Keller. „Die Marktsituation ist schwierig“, klagt Milchbauer Klingemann: „Für 20 Cent je Liter kann man nicht kostendeckend produzieren.“ Die Passanten nicken zustimmend, wenn der Landwirt aus Schneeren vorm Bahnhof über die Sorgen der Landwirte spricht.

Klingemann blickt in überraschte Gesichter, wenn er den Städtern hier erklärt, dass eine Kuh bis zu 170 Liter Wasser am Tag trinkt oder wie ein automatischer Melkroboter arbeitet. Da treffen Welten aufeinander: „Viele wissen gar nicht mehr, dass ein Tier erst ein Kalb geboren haben muss, um Milch zu geben“, sagt er. Vorm Hauptbahnhof arbeitet er daran, den Kenntnisstand der Städter zu mehren. Mit einigem Erfolg, wie er sagt: „Das Interesse der Besucher ist wirklich groß.“

Kundgebung am Donnerstag

Bauern protestieren: Niedrige Preise für Milch und Schweinefleisch machen den Bauern zu schaffen. Am Donnerstag gegen 9.30 Uhr werden rund 1300 Landwirte aus ganz Deutschland in einem Protestzug vom Hauptbahnhof zum HCC ziehen, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Dort ist eine Kundgebung für 11 Uhr angesetzt. Auf dem Weg zum HCC sind Protestaktionen geplant: Am Opernhaus sollen unter dem Motto „Zerbrochener (Milch)Krug“ bessere Bedingungen für Milchbauern eingefordert werden. Am Zoo sind Proteste unter dem Titel „Die letzte Kuh in den Zoo“ geplant.  be

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