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Lea van Acken stellt Anne-Frank-Film vor

Schulvorführung in den Hochhaus-Lichtspielen Lea van Acken stellt Anne-Frank-Film vor

Am Freitag haben 200 Schüler aus Hannover die deutsche Adaption von „Das Tagebuch der Anne Frank“ gesehen – und zeigten sich auch in der Fragestunde mit der Hauptdarstellerin Lea van Acken und dem Regisseur Hans Steinbichler sichtlich beeindruckt.

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Eine Schülerin unter Schülern: Schauspielerin Lea van Acken antwortet in den Hochhaus-Lichtspielen auf Fragen.

Quelle: Michael Wallmüller

Hannover. Der Abspann beginnt. Zum ersten Mal an diesem Vormittag ist es absolut still im Kinosaal. Es vergehen ein paar Sekunden, in denen die bedrückte Stimmung förmlich zu spüren ist. Dann fangen die ersten der mehr als 200 Jugendlichen in den Hochhaus-Lichtspielen zaghaft zu klatschen an – und immer mehr stimmen mit ein. Der Film „Das Tagebuch der Anne Frank“, der seit Donnerstag in den Kinos läuft, hat die Schüler aus Hannover und dem Umland bewegt. Selbst die, die am Anfang noch Chipstüten herumgereicht und mit dem Handy gespielt haben, blicken jetzt mit nachdenklichen Mienen in Richtung Leinwand.

Dabei ahnten die meisten, was auf sie zukommt. Über die Zeit des Nationalsozialismus haben sie im Unterricht gesprochen, das Tagebuch der Anne Frank gelesen. Aber die Bilder zeigen schonungslos, von welch unvorstellbarer Furcht das kurze Leben des jüdischen Mädchens Anne Frank in Amsterdam geprägt war. Nicht wenige Schüler zucken an den Stellen zusammen, in denen das Versteck im Hinterhaus eines Geschäftsgebäudes, in das die Familie vor den Nazis geflohen ist, aufzufliegen droht. Und am Ende müssen einige unauffällig nach Taschentüchern kramen – als zu sehen ist, auf welch schreckliche Weise die damals 15-jährige Anne Frank und fast ihre gesamte Familie von der Gestapo entdeckt, abtransportiert und ermordet wurde.

Der Film "Das Tagebuch der Anne Frank" ist im Hochhaus-Kino Schülern vorgestellt worden. Anschließend stellten sich Regisseur Hans Steinbichler und Hauptdarstellerin Lea van Acken in einer Fragerunde den Schülern.

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Die Anspannung im Saal lässt erst wieder nach, als das Licht angeht und Lea van Acken durch die Tür kommt. Die erst 17-jährige spielt die Anne Frank in der neuen Verfilmung. Sie ist ungefähr so alt wie die meisten Zuschauer im Saal. Das hilft. Schnell entwickelt sich ein munteres Frage-Antwort-Spiel zwischen den Schülern im Zuschauerraum und der Schülerin auf der Bühne – moderiert von Jörg Jäger von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung Niedersachsen, die sich die politische Bildung von Jugendlichen zur Aufgabe gemacht hat. Erst geht es um den Film. Abgeklärt berichtet van Acken, dass sie vor Drehbeginn schon von Anne Frank gehört hatte. Aber: „Das Tagebuch habe ich vor dem Casting zum ersten Mal gelesen.“ Die Rolle habe ihr viel Respekt eingeflößt. „Ich dachte, es wäre anmaßend, sie zu spielen“, berichtet die 17-Jährige. Also griff sie zu einem Trick. Sie schrieb Briefe an Anne Frank. Um die Barriere abzubauen.

Das hat funktioniert – meint Hans Steinbichler. Der Regisseur des Films begleitet die Schülerin auf der Werbetour und lobt sie überschwänglich: „Als ich Lea beim Casting zum ersten mal gesehen habe, wusste ich nach Sekunden, dass sie die Richtige ist. Ich wollte keine anderen mehr sehen“ Das sind Geschichten, die bei den Schülern im Saal Eindruck hinterlassen. Karriere im Schnelldurchgang.

In der Schule ist sie „einfach Lea“

Dabei kann sich van Acken auch vorstellen, ohne den großen Ruhm zufrieden zu leben. „Wenn ich nicht mehr glücklich damit bin oder die Leute mich nicht mehr sehen wollen, mache ich halt was anderes.“ Die Grundlage dafür legt sie gerade, indem sie aufs Abitur zusteuert. In der Schule läuft es gut, „da bin ich einfach Lea“. Wie viele ihrer Altersgenossen hasst sie Mathearbeiten, dafür beteiligt sie sich in Politik gern an Diskussionen.

Ein Thema dabei könnte sein: Brauchte es eine neue Aufarbeitung der Geschichte der Anne Frank? Eine Frage die Steinbichler naturgemäß bejaht – und begründet: „Sie ist für mich ein Mensch, von dem jede Generation eine eigene Interpretation verdient.“ Seine Zielgruppe sind junge Leute – auch ohne politische und geschichtliche Vorbildung, betont der Filmemacher. Seine Absicht war es, ein Mädchen zum Vorschein zu bringen, das mit alltäglichen Problemen der Pubertät kämpft wie viele andere auch. „Jedes Mädchen hier im Saal könnte eine Anne Frank sein.“

Erste deutsche Verfilmung 

Steinbichler hat aber noch einen entscheidenden Vorteil gegenüber seinen Vorgängern, die das Tagebuch verfilmt haben. Es ist die erste deutsche Verfilmung – und, noch wichtiger: Er durfte sich als erster bei allen Originalzitaten aus dem Tagebuch des Mädchens bedienen. Das hat früher Anne Franks Vater Otto verhindert, der als einziger der Familie den Holocaust überlebt hat.

Drei Jahre haben sich Steinbichler und sein Team mit dem Projekt befasst. Allein 43 „extrem anstrengende“ Drehtage standen auf dem Programm. Auch Lea van Acken hat viel investiert – unter anderem ihre langen Haare. Die werden Anne Frank im Konzentrationslager auf sechs Millimeter abrasiert – also im Film auch von Acken. Doch die junge Schauspielerin sieht es professionell: „Für mich war es wichtig, dem Film diese Authentizität zu schenken.“ Danach habe sie einfach eine Perücke aufgesetzt.  

Mehr als nur ein „Schneewittchengesicht“

Die erst 17-Jährige Anne-Frank-Darstellerin Lea van Acken ist in Schleswig Holstein aufgewachsen. Mit neun Jahren steht sie das erste Mal auf einer Bühne: Sie überreicht beim Schleswig-Holstein-Musik-Festival Blumen an die Künstler. Schon damals fallen auf den Fotos die großen dunklen Augen, der offene Blick auf. „Schneewittchengesicht“ wird ein Journalist später schreiben.

Mit zwölf bewirbt sie sich um eine Rolle bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg, springt als Siedlermädchen über die Bühne und darf am Ende sogar einen Satz sagen. Sie hat Blut geleckt, bewirbt sich bei einer Kinder- und Jugendschauspielagentur in Berlin – und heute verzeichnet ihre Filmografie bereits vier Einträge: In „Kreuzweg“ verkörperte sie 2014 die Hauptrolle der tief religiösen Maria – der Film gewann bei der Berlinale einen Silbernen Bären.

In der Neonazi-Satire „Heil“ spielte sie mit und in der fünften Staffel der US-Serie „Homeland“. Dazu einige TV-Rollen, und nun Anne Frank. Alles innerhalb von zwei Jahren. Wie kriegt man das mit der Schule unter einen Hut? „Ich muss sehr diszipliniert sein und darf mir nichts zuschulden kommen lassen. Wenn ich weg bin, muss ich trotzdem meine Hausaufgaben machen. Ich darf nicht mehr Fehlkurse als die anderen haben. Die Lehrer unterstützen mich sehr, dafür bin total dankbar.“ Wirtschaft und Politik, Englisch und Philosophie liebt sie besonders. „Ich mag gerne über Dinge nachdenken, reden, diskutieren.“ Der Film, sagt sie, habe sie sensibler gemacht. „Ich habe eine Grundhaltung zu Dingen und sage, was ich denke. Aber durch Anne ist mir noch bewusster geworden, dass man für seine Überzeugungen einstehen muss.“

Von Gerko Naumann

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