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Babyfund im Koffer: "Das waren ganz normale Leute"

Wohnung in Vahrenwald Babyfund im Koffer: "Das waren ganz normale Leute"

Ein grausiger Fund in Hannover: In einem Koffer werden zwei Säuglinge gefunden. Von dem einen gibt es nur noch das Skelett, der andere lebt. Ermittler versuchen, die Hintergründe zu klären. Die mutmaßliche Kindsmutter wurde festgenommen.

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 Gegen die 22-Jährige ist ein Verfahren wegen Totschlags beziehungsweise versuchten Totschlags eingeleitet worden. 

Quelle: dpa

Hannover. Ein gepflegtes Mehrfamilienhaus in einer ruhigen Gegend von Vahrenwald: Hier entdeckte ein junger Mann am Donnerstagvormittag in seiner Wohnung ein neugeborenes Baby – in einem Koffer. Er wählte den Notruf, alarmierte Polizei und Notarzt. Doch als die Beamten in der Dachgeschosswohnung ankamen, die der 19-Jährige mit seiner Freundin bewohnt, machten sie einen grausigen Fund: In demselben Koffer lagen auch bereits verweste Überreste eines weiteren Babys. Die mutmaßliche Mutter des Kindes, Laura S., wurde kurz darauf an ihrem Arbeitsplatz festgenommen, ein Richter erließ am Freitag Haftbefehl wegen des Verdachts auf Totschlag und versuchten Totschlag.

Die 22 Jahre alte Laura S. und ihr drei Jahre jüngerer Freund sollen Nachbarn zufolge erst im Sommer in die Wohnung im vierten Stock des Hauses gezogen sein, das von der Wohnungsgenossenschaft Heimkehr verwaltet wird. Demnach könnte das Skelett des toten Kindes bereits beim Einzug in dem Koffer gewesen sein.

Eine rechtsmedizinische Untersuchung soll nun klären, wie alt das Kind zum Zeitpunkt seines Todes war, welches Geschlecht es hatte und woran es gestorben ist. „Wir rechnen in der kommenden Woche mit ersten Ergebnissen“, sagt Staatsanwältin Kathrin Söfker.

Verdächtige schweigt gegenüber der Polizei

Das Kind, das lebend in dem Koffer gefunden wurde, kam zur Behandlung in die Medizinische Hochschule. Das Mädchen soll erst wenige Tage alt sein, doch der Zustand ist stabil, meldeten die Ärzte am Freitag. Unklar ist allerdings noch, ob Laura S. tatsächlich die Mutter der beiden Babys ist. Zudem wissen die Ermittler noch nicht, ob der 19-jährige Freund der Vater von mindestens einem der Kinder ist. Die Ermittlungen konzentrieren sich jedoch vollständig auf Laura S., sie kam am Freitag per Gerichtsbeschluss in Untersuchungshaft. Ein Aussage soll sie gegenüber der Polizei bisher nicht gemacht haben. Ihr Freund dagegen ist in Freiheit, gegen ihn wird nach bisherigem Stand nicht ermittelt.
Die Polizei muss nun zudem klären, ob Laura S. die Einzige war, die von den Kindern gewusst hatte. Am Freitag befragten Ermittler unter anderem die Nachbarn in dem Mehrfamilienhaus.

Niemand merkte etwas von der Schwangerschaft

Das Paar lebte in einem gutbürgerlichen Mietshaus in Vahrenwald, in dem zehn Parteien wohnen. Beide waren erst vor einem Vierteljahr dort mit ihrem Hund eingezogen, beide sollen gerade erst eine Ausbildung begonnen haben. Laut Nachbarn seien beide ganz "normale, unauffällige Menschen". Die 22-Jährige sei etwas fülliger gewesen, aber von einer Schwangerschaft habe niemand etwas bemerkt.

"Als ich vor dem Haus Polizei gesehen habe, habe ich zuerst an einen Einbruch gedacht", sagt Rainer Deike. Der 69 Jahre alte Nachbar beschreibt das junge Paar als nett und unauffällig. "Man kennt sich hier, es herrscht ein gutes Verhältnis im Haus". Gegenüber von ihm ist eine WG, eine junge Frau macht gerade ihren Umzug.

Das Haus ist laut Anwohnern sehr hellhörig. Weder eine Geburt noch ein schreiendes Baby hat dort jemand gehört. Eine junge Frau kommt mit ihrem Kind auf dem Arm und einem kleinen Hund an der Leine die Treppe hoch. Sie kann gar nicht fassen, was ihr die Polizei über das Pärchen erzählt. "Sie haben ja auch einen Hund und wir sind auch einmal zusammen Gassi gegangen", berichtet die Nachbarin. Die 22-Jährige habe gerade erst eine Ausbildung angefangen. "Das waren ganz normale Leute", erzählt die Frau. "Ich war auch einmal in der Wohnung, da sah alles ganz normal aus." Das neue Pärchen habe auch Besuch gehabt und einmal eine Party gefeiert. Von der Schwangerschaft habe sie nichts bemerkt, sagt die Nachbarin. Auch bei einem Gespräch habe die Frau nichts davon erwähnt. "So etwas sieht man sonst nur im Fernsehen."

Was die Expertin zu dem Fall sagt

Zwei Schwangerschaften, die eine Frau vor ihrem Umfeld verheimlichen kann – ist das möglich? „Wenn Frauen relativ korpulent sind, kann es durchaus sein“, sagt die hannoversche Hebamme Jana Gebert. Es komme sogar vor, dass auch die Partner nichts von einer Schwangerschaft mitbekommen, meint sie. Es gebe aber auch Partner, die einfach nicht wahrhaben wollten, dass ihre Frau oder Freundin schwanger sei, meint die Hebamme. Die Partner würden dann einfach die sichtbaren Anzeichen verdrängen. Es gebe auch die Fälle, dass eine Frau selbst nicht bemerke, dass sie schwanger sei. Auch das setzt nach Angaben von Gebert einen entsprechenden Körperbau voraus. „Wenn dann noch dazukommt, dass das Baby besonders klein ist, ist die Gefahr des Übersehens noch größer“, meint die Hebamme. Außerdem gebe es Frauen, die trotz ihrer Schwangerschaft weiterhin eine Regelblutung hätten, betonte Gebert.

Die Stadt wollte sich am Freitag nicht dazu äußern, inwieweit dem Jugendamt die Mutter oder das Paar bekannt sind.

sbü/isc/dpa

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