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Aus der Stadt So sollen Schüler besser sexuell aufgeklärt werden
Hannover Aus der Stadt So sollen Schüler besser sexuell aufgeklärt werden
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22:39 10.11.2016
Von Bärbel Hilbig
Viele 14- bis 16-jährige Haupt- und Förderschüler in der Region Hannover werden von ihren Familien unzureichend sexuell aufgeklärt. Quelle: dpa
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Hannover

Bekannt ist die hannoversche Stiftung Eine Chance für Kinder vor allem für ihre Familienhebammen, die jungen Müttern in schwierigen Lebensumständen ein Jahr lang zur Seite stehen. Eher unbemerkt läuft daneben ein Projekt zur Lebensplanung für Schüler, das das Problem von einer anderen Seite angeht: Durch eine umfangreiche Aufklärung wollen die Mitarbeiter sehr frühe Schwangerschaften verhindern. Jedes Jahr gehen Familienhebammen und Pädagogen vom Verein Mannigfaltig dafür an rund ein Dutzend Förder- und Hauptschulen vorwiegend in Hannover.

Simone Hohnsbein macht dabei die Erfahrung, dass die Mädchen fast durchgängig sehr wenig über Verhütungsmittel und den eigenen Körper wissen. „Sie kennen aus Videos verschiedene Stellungen beim Sex, sind aber überrascht, dass sie auch beim ersten Mal schon schwanger werden können.“ In den Familien finde Aufklärung kaum statt, berichtet Simone Hohnsbein. Während die Familienhebamme sich an fünf Terminen mit den Mädchen einer Klasse trifft, übernimmt ein Mitarbeiter von Mannigfaltig die Jungengruppe.

„Wir wollen die Verantwortung der Jugendlichen für ihren eigenen Körper stärken“, erklärt die Hebamme. Da das Schulprojekt „Lebensplan. Mein Körper, meine Verantwortung“ 20 Stunden und mehrere Treffen umfasst, gelingt es den Mitarbeitern häufig, Vertrauen aufzubauen. Simone Hohnsbein erinnert sich an eine streng muslimisch erzogene Schülerin, die den Gesprächen über Sexualität und Partnerschaft zuerst peinlich berührt zuhörte. Später wandte das Mädchen sich mit einem persönlichen Problem an die Beraterin.

Aufklärung abseits von Pornografie

Abhängig von den Wünschen und dem Wissen in der Gruppe probiert die Hebamme mit den Mädchen Schwangerschaftstests und Kondome aus oder besucht einen Gynäkologen. Anstoß für das Schulprojekt gab 2008 eine Lehrerin, die eigentlich bei der Stiftung Unterstützung für zwei schwangere 15-jährige Schülerinnen suchte. Simone Hohnsbein kann in den Gruppen oft daran anknüpfen, dass die Mädchen mindestens im weiteren Bekanntenkreis bereits mit einer Teenager-Schwangerschaft konfrontiert waren. Kürzlich berichtete eine 16-Jährige den erstaunten Mitschülerinnen, dass sie selbst ein bereits zweijähriges Kind hat. Das Gespräch verlief besonders ernüchternd und zugleich erhellend.

Mädchen wie Jungen fühlen sich durch die Flut an leicht zugänglichen Sexvideos unter Druck gesetzt, stellt Diplompädagoge Axel Hengst vom Verein Mannigfaltig fest. „Die Jungen glänzen oft mit ihrem Wissen über Pornos. Im Gespräch stellt sich dann heraus, dass sie vieles total ekelhaft finden.“ Hengst bestärkt die Schüler darin, eigene Vorstellungen von Partnerschaft und Sexualität zu gewinnen.

Das Projekt „Lebensplan“ trägt sich aktuell vor allem aus Spenden von Klosterkammer, Verein Help und Fritz-Behrends-Stiftung. Schulen leisten einen Eigenanteil von 100 bis maximal 400 Euro. Geplant ist, die Unterrichtseinheiten von 20 auf 30 Stunden aufzustocken und das Projekt außerdem auf weitere Regionen in Niedersachsen auszuweiten.

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