Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Legales Cannabis zu teuer: 32-Jähriger vor Gericht

Therapie nicht bezahlbar Legales Cannabis zu teuer: 32-Jähriger vor Gericht

Legal und doch nicht legal: Ein Cannabis-Patient aus Hannover muss sich seit Dienstag vor dem Amtsgericht Hannover verantworten. Der Mann konnte die monatlichen 2300 Euro für legales Cannabis aus einer speziellen Apotheke in Berlin nicht aufbringen. Er entschied sich für die günstigere und illegale Alternative.

Voriger Artikel
Stadtbücherei Hannover verzeichnet Rekordergebnis
Nächster Artikel
GBH baut Häuser für 700 Flüchtlinge

Eine Apothekerin füllt die Blüten der Cannabis-Pflanze in einen Beutel.

Quelle: dpa

Hannover. So etwas hatten die beiden Polizisten noch nicht erlebt: Ein Drogenkonsument rief sie selbst zum Lindener Markt, weil er belästigt wurde. Er hatte einen Joint in der Hand, räumte freimütig den Besitz weiterer 13 Gramm Cannabis ein. Noch überraschter waren die Beamten, als ihnen Gernot S. * (Name von der Redaktion geändert) in jener Mainacht 2014 eine Erlaubnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) präsentierte: Er leide an einer ausgeprägten Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und dürfe Marihuana aus therapeutischen Gründen legal konsumieren. Trotzdem muss sich S. seit Montag wegen illegalen Drogenbesitzes vor dem Amtsgericht Hannover verantworten.

Der 32-Jährige steht nicht etwa vor Gericht, weil er den Stoff bei sich hatte, sondern weil er ihn an falscher Stelle erwarb. Denn laut Zertifikat der Bundesopiumstelle – die zum BfArM gehört – durfte er das Cannabis nur in einer speziellen Apotheke in Berlin kaufen. Wie die Apothekerin der HAZ sagte, verkaufe sie die aus Holland importierten Blüten in kleinen Döschen; sie nehme in Anlehnung an die Arzneimittelpreisverordnung 26 Euro pro Gramm. Da S. laut Verschreibung drei Gramm täglich braucht, würden sich seine monatlichen Ausgaben auf mehr als 2300 Euro summieren – ein Betrag, den der derzeit arbeitsunfähige Bürokaufmann trotz finanzieller Unterstützung seiner Eltern nicht aufbringen kann. Und Krankenkassen steuern zu dieser Therapie keinen Cent bei.

Deshalb besorgt sich S. die Droge anderswo. Es gibt Apotheken, die Cannabis deutlich günstiger abgeben, und es gibt den illegalen Markt. Wie Richter Koray Freudenberg sagte, zahle man in der Szene etwa ein Viertel des Apothekenpreises. Doch sei die Qualität dort wesentlich schlechter.

Rechtsanwalt Sebastian Glathe, der bundesweit etliche auf Drogen angewiesene Schwerkranke vertritt, lehnte das Angebot des Gerichts ab, das Verfahren einzustellen, er fordert Freispruch. „Es gibt rund 500 Patienten in Deutschland, denen bescheinigt wurde, dass ihnen nur Cannabis und nichts anderes mehr hilft, und S. ist einer von ihnen“, sagte der Verteidiger. Immerhin sei derzeit ein Gesetzentwurf für die Einrichtung einer staatlichen Cannabis-Agentur in Arbeit. Dann dürfen Landwirte in Deutschland Medizinalhanf anbauen und Ärzte Marihuana legal an Patienten mit Krebs, Multipler Sklerose oder ADHS verschreiben. Die Krankenkassen allerdings wehren sich dagegen, die Kosten zu tragen.

Gernot S. hilft die Droge, seine heftigen Aggressionen und Gefühlsausbrüche in den Griff zu bekommen, die ihn früher sogar mit dem Gesetz in Konflikt kommen ließen. Der Richter hat zum 8. März zwei Ärzte und den Leiter der Bundesopiumstelle geladen, um sich die medizinische Indikation erläutern zu lassen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Briefwechsel zwischen Hannovers Grundschulen und der Queen

Queen Elizabeth ist eine treue Seele. Seit Jahren schon schreibt die britische Monarchin brav Antwortkarten an hannoversche Schulklassen, die ihr zum Geburtstag gratulieren. Oder: Lässt schreiben. Aber immerhin.