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Wenn das Schreiben zur Qual wird

Legasthenie und Dyskalkulie Wenn das Schreiben zur Qual wird

„Wenn ein Kind im Rollstuhl sitzt oder blind ist, dann begegnet man ihm oft mit Hilfsbereitschaft. Hat ein Kind eine Lese-Rechtschreib- oder eine Rechenschwäche, sieht man es ihm nicht an, viele denken sogar, dass diese Kinder weniger intelligent als andere sind.“

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Deutschunterricht allein hilft nicht, an der Göttinger Geschwister-Scholl-Gesamtschule werden Legastheniker gezielt gefördert.

Quelle: Privat

Hannover. Bei Ute Schmidt (Name von der Redaktion geändert) hört man deutlich den Ärger in der Stimme, wenn sie über die Schulerlebnisse ihres zwölfjährigen Sohnes berichtet. „Mein Sohn ist nicht dumm, er hat nur ein Handicap, aber viele Sachen kann er richtig gut.“ Die Mutter hat Deutschlehrer erlebt, die meinten, durch den richtigen Unterricht werde ihr Sohn schon schreiben lernen.

Ähnliches berichtet Herbert Riethmüller (Name geändert), der zwei inzwischen erwachsene Söhne mit Legasthenie hat, von denen einer sogar das Abitur gemacht hat und jetzt studiert. Dabei beschreibe die Kultusministerkonferenz Legasthenie nicht umsonst als „technische Einschränkung, vorhandenes Wissen schriftlich auszudrücken“, sagt der Vater. Die Schullaufbahn seiner Söhne sei ein einziger Kampf gewesen, erinnert er sich. „Rechtschreibung wird wie eine Religion betrachtet, dabei ist es nur eine freiwillige Vereinbarung“, meint er.

„Nach wie vor gilt als Grundmaxime der deutschen Pädagogik, dass alle Schüler prinzipiell in der Lage sind, das Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen“, sagt Friedhelm Espeter, Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie. Aber das sei ein Trugschluss. Etwa 4 bis 5 Prozent aller Schüler leiden unter Legasthenie, bei Dyskalkulie (Rechenschwäche) sind es 3 bis 4 Prozent. In Niedersachsen sind von diesen Schwächen insgesamt rund 100 000 Schüler betroffen. „Der psychische Druck, der auf den Kindern liegt, die selbst weder durch Faulheit noch Interesselosigkeit ihre Probleme hervorgerufen haben, ist unerträglich“, findet Espeter. Schmidt und Riethmüller beklagen, dass in der Lehrerausbildung das Thema bis heute nicht systematisch verankert sei. Dabei seien Legasthenie und Dyskalkulie seit Jahrzehnten in der Forschung bekannt. Man sollte offen mit dem Thema umgehen und den Kindern, die sich oft als Versager fühlten, ein Selbstwertgefühl vermitteln: „Es gibt Wichtigeres als Rechtschreibung“, sagt Riethmüller.

Am heutigen Sonnabend lädt der seit 30 Jahren bestehende Legasthenie-Verband Hannover von 9.45 bis 17 Uhr zu einer Fachtagung ins Freizeitheim Vahrenwald ein.

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