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Aus der Stadt Lehman-Opfer sollen 65.000 Euro erhalten
Hannover Aus der Stadt Lehman-Opfer sollen 65.000 Euro erhalten
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12:07 11.07.2011
Von Sonja Fröhlich
Erneut haben hannoversche Gerichte die Rechte von Anlegern gestärkt. Quelle: dpa
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Hannover

Bei den Wertpapieren handelte es sich um sogenannte Alpha-Express-Zertifikate, die nach der Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 nahezu wertlos geworden waren.

In einem der vorliegenden Fälle hatte die 65-jährige Hannoveranerin Christina K. 30.000 Euro in die Zertifikate investiert. Bei dem Beratungsgespräch sei dem Mitarbeiter bekannt gewesen, dass sie den Anlagebetrag für die Rückzahlung der Hypothek auf ihr Haus verwenden wollte, sagt sie. Deshalb habe sie ein möglichst sicheres Produkt gewollt und nachgefragt, ob nicht ein Bausparvertrag sinnvoll sei. Ihr Berater habe ihr davon abgeraten und stattdessen zum Erwerb der „marktneutralen“ Zertifikate geraten, die versprachen: „Wer möchte also nicht in die 15 dividendenstärksten Unternehmen des Dax Index investieren?“.

„Die Angaben waren dabei teilweise so irreführend, dass auch echte Profis diese Produkte nicht verstehen konnten“, meint der auf Bank- und Kapitalanlagerecht spezialisierte Rechtsanwalt Matthias Keunecke, der die Kläger vertreten hatte.

Beratung unzureichend und fehlerhaft

Die Zivilkammer des Landgerichts sah dies ähnlich. Die Richter stellten ihre Entscheidung allein auf das Produktfaltblatt ab, das ihrer Auffassung nach „Widersprüchlichkeiten, Defizite und Unrichtigkeit“ enthielt. Weil nach der Darstellung der Bank das Beratungsgespräch auf Grundlage des Produktflyers erfolgt war, ergebe sich daraus, dass die Beratung unzureichend und fehlerhaft war, heißt es in der Urteilsbegründung.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam das Gericht auch in einem weiteren Fall, bei dem ein Rentnerpaar aus Hannover 30. 600 Euro in die Wertpapiere investiert hatte – ihnen war es wegen ihrer kleinen Rente auf eine entsprechende Altersvorsorge angekommen. Auch bei ihnen reichte dem Gericht die Prüfung der Produktwerbung – zu einer Befragung des Beraters kam es gar nicht mehr. „Die Urteile waren eine schallende Ohrfeige für die Bank“, resümiert Keunecke.

Die Targobank hat gegen die Urteile des Landgerichts Berufung eingelegt. Ihren Angaben zufolge hat sie einen Großteil der 496 Prozesse in Bezug auf die Zertifikate für sich entscheiden können. Auch Obergerichte hätten die umstrittenen Wertpapiere schon als „nicht hochspekulativ“ gewertet, sagt Targobank-Sprecher Peter Herkenhoff. „Wir bedauern außerordentlich, dass einige Kunden durch die Lehman-Insolvenz Geld verloren haben. Für die Insolvenz der Lehman-Zertifikate ist jedoch ausschließlich das Management der US-Investmentbank Lehman Brothers verantwortlich“, heißt es in der Stellungnahme der Bank.

Seit 2009 hatte das Landgericht hinsichtlich der Klagen aus der Lehman-Pleite vielfach zugunsten der Anleger geurteilt. Die Sparkasse hatte daraufhin ihre Kunden pauschal entschädigt. Zahlreiche Klagen gegen Kreditinstitute sind aber noch bei den Gerichten anhängig. Die Verjährungsfrist für diese Fälle liegt bei drei Jahren nach Beratung beziehungsweise Kauf von Wertpapieren. Entscheidend ist immer der Einzelfall. In Hannover trifft sich regelmäßig ein Stammtisch der Lehman-Geschädigten.

Die Interessengemeinschaft informiert auch im Internet unter http://lehman-zertifikateschaden.co.de

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